• vom 13.06.2018, 12:54 Uhr

Weltpolitik

Update: 13.06.2018, 13:10 Uhr

Bürgerkrieg

Jemen vor humanitärer Katastrophe




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Von WZ Online, APA, dpa

  • Die Regierungsoffensive auf die zentrale Hafenstadt Hodeidah bedroht Hunderttausende Menschen.

Regierungstruppen beginnen ihre Offensive auf die wichtige Hafenstadt Hodeidah. - © APAweb, afp, Nabil Hassan

Regierungstruppen beginnen ihre Offensive auf die wichtige Hafenstadt Hodeidah. © APAweb, afp, Nabil Hassan

Sanaa. Der lang erwartete Angriff auf die für die Versorgung des Jemens zentrale Hafenstadt Hodeidah hat begonnen. Die Befreiung der Stadt sei ein Meilenstein im Kampf, den Jemen von den Houhti-Milizen zurückzuerobern, teilte die international anerkannte jemenitische Regierung am Mittwoch mit.

Zudem solle damit auch die Sicherheit in der Meerenge Bab al-Mandab widerhergestellt werden. Die Wasserstraße zwischen der arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika zählt zu den wichtigsten Routen für Öltanker. Die Vereinten Nationen warnten vor dem Angriff vor verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung.

Die Hafenstadt im Westen des Bürgerkriegslandes ist zentral für die Versorgung des Jemens. Über Hodeidah laufen 70 Prozent der dringend benötigten Hilfslieferungen für den von den Houhti-Rebellen kontrollierten Norden des Landes. Auch die Stadt selbst wird von den Houhtis kontrolliert. Hilfsorganisationen schätzen, dass rund 600.000 Menschen, darunter etwa die Hälfte Kinder, in und um Hodeidah leben. Die UNO warnte davor, dass 250.000 Menschen durch einen Angriff auf die Stadt alles verlieren könnten, inklusive ihrer Leben.

Versorgung droht zusammenzubrechen

Die Offensive auf Hodeidah habe mit Luftangriffen auf Ziele südlich der Stadt begonnen, hieß es aus jemenitischen Militärkreisen. Eine Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt die Offensive. Regierungstreue Milizen rücken am Boden vor. Landwirtschaftliche Gebiete und Bauernhöfe nahe der Stadt seien von den Houhti-Milizen in Militärstellungen umgewandelt worden, hieß es aus Militärkreisen.

Berichte von vor Ort bestätigten die schlimmsten Befürchtungen, sagte der Generalsekretär der Hilfsorganisation Care Deutschland, Karl-Otto Zentel, am Mittwoch. Innerhalb von 30 Minuten habe es mehr als 30 Angriffe gegeben. Viele Menschen seien eingeschlossen oder würden aus ihren Häusern vertrieben. "Der Angriff bedeutet Todesgefahr für unzählige Anwohner. Zudem droht die Versorgung von Millionen von Jemeniten zusammenzubrechen."

Der UN-Sondergesandte Martin Griffiths hatte bis zuletzt versucht, den Angriff zu verhindern. Die UNO bezeichnet die Situation im Jemen schon jetzt als größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart. Rund 22 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen, dies entspreche Dreiviertel der Bevölkerung. Zuletzt hatte eine Cholera-Epidemie mit mehr als einer Million Fällen die Lage im Land verschlechtert.

Die jemenitischen Regierungstruppen hatten im Oktober zusammen mit ihren Verbündeten eine groß angelegte Militäroffensive gestartet, um auf den Seehafen von Hodeidah vorzurücken. Sie werfen den Houhtis zudem vor, vom Iran unterstützt zu werden. Die Kämpfe waren zuletzt nur noch wenige Kilometer von der Stadt entfernt. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge mussten Zehntausende Menschen wegen der Gewalt bereits aus ihren Häusern fliehen.

Im Gespräch mit der Denkfabrik International Crisis Group warnte ein Houhti-Offizieller die Angreifer vor dem Sturm auf die Stadt. Die Koalition werde beim Angriff auf Hodeidah "die Hölle erwarten". Beobachter fürchten, dass sich der Kampf um die Hafenstadt lange hinziehen könnte.

Zivilbevölkerung leidet am meisten

Der Angriff auf der von Saudi-Arabien geführten Koalition im Jemen auf die Hafenstadt Hodeidah wird "katastrophale Folgen" für die Zivilbevölkerung haben, warnte die Hilfsorganisation Care am Mittwoch. Die Stadt am Roten Meer ist der wichtigste Einfuhrhafen für Hilfslieferungen in das krisengebeutelte Land.

"Wir dachten, es könnte nicht schlimmer werden, aber wir haben uns geirrt", so Jolien Veldwijk, Care-Länderdirektorin im Jemen. Viele Menschen seien eingeschlossen und würden aus ihren Häusern vertrieben. "Wir sind sehr besorgt, dass eine Hungersnot ausbrechen wird", erklärte die Expertin laut einer Aussendung.

Nach Angaen der UNO könnten mehr als 250.000 Menschen alles verlieren. "Der Import von Lebensmitteln ist bereits auf dem niedrigsten Stand seit Beginn des Konfliktes, die Preise für Güter des alltäglichen Lebens sind um ein Drittel gestiegen", berichtete Veldwijk.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-13 13:01:15
Letzte Änderung am 2018-06-13 13:10:14


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