• vom 14.06.2018, 07:30 Uhr

Weltpolitik


Afrika

Die Russen kommen




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Von WZ-Korrespondentin Simone Schlindwein

  • Militärisch, diplomatisch, wirtschaftlich - Russland baut die Beziehungen zu Afrika aus.

Die Sowjets lassen grüßen. Fassade in Durban, Südafrika. - © afp

Die Sowjets lassen grüßen. Fassade in Durban, Südafrika. © afp

Kampala. So viel Afrika-Politik hat es in Russland seit der Sowjetunion nicht gegeben: Außenminister Sergej Lawrow war in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Danach reiste er weiter nach Südafrika. Bereits im März war Russlands Chefdiplomat in Simbabwe, Mosambik, Angola und Äthiopien gewesen. Lawrows Vize, Michail Bogdanow, wurde in Kinshasa empfangen, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Ugandas Außenminister Henry Oryem war in Moskau zu Besuch. Und auch Faustin Touadera, Präsident der Zentralafrikanischen Republik, reiste nach St. Petersburg. Auf dem Internationalen Wirtschaftsforum traf er Präsident Wladimir Putin.

Das ist kein Zufall. Seitdem Russland vom Westen mit Sanktionen belegt wurde, richtet sich Putins Machtpolitik neu aus. Seit Juni hat Russland den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat inne, eine Chance, die Weichen dafür neu zu stellen. Und da spielen, wie schon zu Zeiten des Kalten Krieges, die afrikanischen Staaten eine wichtige Rolle. Von einer "neuen Weltordnung" sprach Lawrow in Ruanda, in welcher Afrika einen "wichtiger Eckstein" darstelle.

Ruandas Präsident Paul Kagame hat den Vorsitz der Afrikanischen Union (AU) inne. Der Reformer will die mehr AU-eigene Friedenseinsätze, weniger Abhängigkeit vom Westen - auch da kommt Russlands Offensive gerade recht. Lawrow versprach den Afrikanern mehr Mitspracherecht im UN-Sicherheitsrat. Sein Vize versicherte kurz darauf den Kongolesen weniger Einmischung in innere Angelegenheiten. Für Kongos Präsident Joseph Kabila, der über seine legitime Amtszeit hinaus regiert und keine Anstalten macht, abzutreten, klingt das wie ein Heilsversprechen.

"Russland will aufholen"

Russland "versucht in Afrika jetzt aufzuholen", erklärt Ronak Gopaldas, Direktor der Beratungsfirma Signal Risk. Seitdem Europa sich mit Migrationsfragen beschäftige und US-Präsident Donald Trump seine "America First"-Politik ausgerufen hat, bemühten sich neben den Chinesen vermehrt die Inder, die Türken und Japaner um lukrative Deals in Afrika, so Gopaldas: "Russland will bei diesem Wettlauf nicht außen vor bleiben." Der russische Ansatz sei: "harte Machtpolitik, kombiniert mit Energie-Diplomatie". Von 2005 bis 2015 haben die Russen ihre Investitionen in Afrika um 185 Prozent erhöht.

Das ist erst der Anfang. Von der Atomenergie über Gesundheitsprojekte, Telekommunikation, Verschlüsselung von Regierungsdaten, Flughafen- und Grenzsicherung bis hin zu Öl und Gas - Russland hat viel zu bieten, was die Afrikaner dringend brauchen. Auch was die Finanzierung betrifft: Russische Banken liefern das Finanzierungspaket für Großprojekte, die sich die Afrikaner nicht leisten können.




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Afrika, Russland

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Dokument erstellt am 2018-06-13 16:10:25
Letzte Änderung am 2018-06-14 07:15:37


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