• vom 13.06.2018, 16:19 Uhr

Weltpolitik


Jemen

Hunderttausende in Gefahr




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  • Angriff auf zentralen Hafen im Jemen. Neue Militäroffensive gegen Houthi-Milizen in Hodeidah zielt auf die Lebensader des Landes.

Sanaa. Der lang erwartete Angriff auf die für die Versorgung des Jemens zentrale Hafenstadt Hodeidah hat begonnen. Die Befreiung der Stadt sei ein Meilenstein im Kampf, den Jemen von den Houthi-Milizen zurückzuerobern, teilte die international anerkannte jemenitische Regierung.

Zudem solle damit auch die Sicherheit in der Meerenge Bab al-Mandab widerhergestellt werden. Die Wasserstraße zwischen der arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika zählt zu den wichtigsten Routen für Öltanker. Die Vereinten Nationen warnten vor dem Angriff vor verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung. Über Hodeidah laufen 70 Prozent der dringend benötigten Hilfslieferungen für den von den Houthi-Rebellen kontrollierten Norden des Landes. Auch die Stadt selbst wird von den Houthis kontrolliert. Hilfsorganisationen schätzen, dass rund 600.000 Menschen, darunter etwa die Hälfte Kinder, in und um Hodeidah leben. Die UNO warnte davor, dass 250.000 Menschen durch einen Angriff auf die Stadt alles verlieren könnten, inklusive ihrer Leben.


Die Offensive auf Hodeidah habe mit Luftangriffen auf Ziele südlich der Stadt begonnen, hieß es aus jemenitischen Militärkreisen. Eine Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt die Offensive. Regierungstreue Milizen rücken am Boden vor. Landwirtschaftliche Gebiete und Bauernhöfe nahe der Stadt seien von den Houthi-Milizen in Militärstellungen umgewandelt worden, hieß es aus Militärkreisen.

Angreifer erwartet "Hölle"
Berichte von vor Ort bestätigten die schlimmsten Befürchtungen, sagte der Generalsekretär der Hilfsorganisation Care Deutschland, Karl-Otto Zentel, am Mittwoch. Innerhalb von 30 Minuten habe es mehr als 30 Angriffe gegeben. Viele Menschen seien eingeschlossen oder würden aus ihren Häusern vertrieben. "Der Angriff bedeutet Todesgefahr für unzählige Bewohner. Zudem droht die Versorgung von Millionen von Jemeniten zusammenzubrechen."

Der UN-Sondergesandte Martin Griffiths hatte bis zuletzt versucht, den Angriff zu verhindern. Die UNO bezeichnet die Situation im Jemen schon jetzt als größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart. Rund 22 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen, dies entspreche drei Viertel der Bevölkerung. Zuletzt hatte eine Cholera-Epidemie mit mehr als einer Million Fällen die Lage im Land verschlechtert.

Die jemenitischen Regierungstruppen hatten im Oktober zusammen mit ihren Verbündeten eine groß angelegte Militäroffensive gestartet, um auf Hodeidah vorzurücken. Sie werfen den Houthis zudem vor, vom Iran unterstützt zu werden. Die Kämpfe waren zuletzt nur noch wenige Kilometer von der Stadt entfernt. Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge mussten zehntausende Menschen wegen der Gewalt bereits aus ihren Häusern fliehen.

Im Gespräch mit der Denkfabrik International Crisis Group warnte ein Houthi-Offizieller die Angreifer vor dem Sturm auf die Stadt. Die Koalition werde beim Angriff "die Hölle erwarten". Beobachter fürchten, dass sich der Kampf lange hinziehen könnte.




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Dokument erstellt am 2018-06-13 16:25:20


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