• vom 14.06.2018, 19:01 Uhr

Weltpolitik

Update: 14.06.2018, 20:30 Uhr

Hodeidah

"Für viele gibt es kein Entkommen"




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  • Die jemenitische Hafenstadt Hodeidha liegt unter Dauerbeschuss durch Kampfjets und Kriegsschiffe.

Houthi-Rebellen mobilisieren Stammeskämpfer für die entscheidende Schlacht. - © ap

Houthi-Rebellen mobilisieren Stammeskämpfer für die entscheidende Schlacht. © ap

Sanaa. (reu/afp/red) Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz setzt ihre Großoffensive auf Rebellen-Stellungen in der jemenitischen Hafenstadt Hodeidah fort - und zwar mit großer Verbissenheit. Zivilisten versuchen indes verzweifelt, sich vor Dauer-Beschuss durch Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe in Sicherheit zu bringen.

"Die Menschen haben Angst", klagt die Studentin Amina, die in der Nähe des umkämpften Hafens am Roten Meer wohnt, in einem Telefonat mit Reuters. "Die Leute flüchten von der Stadt aufs Land. Aber für die, die dort keine Verwandten oder Geld haben, gibt es kein Entkommen." Nach Angaben von Bewohnern bombardierte die Allianz auch die wichtigste Verbindungsstraße zur Hauptstadt Sanaa, um zu verhindern, dass die Rebellen in Hodeidah Verstärkung bekommen.

Größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart

Die Schlacht um den Hafen ist die größte seit Beginn des Krieges im Jemen vor drei Jahren. Über Hodeidah werden fast alle Hilfsgüter in das verarmte Land geliefert, in dem 8,4 Millionen Menschen zu verhungern drohen.

Die arabische Militärallianz unter Führung des sunnitischen Saudi-Arabiens versucht, die schiitischen Houthi-Rebellen in die Knie zu zwingen und der Exil-Regierung des Jemen wieder zurück an die Macht zu verhelfen. Die Rebellen kontrollieren Jemens Hauptstadt Sanaa und fast den ganzen, dicht besiedelten Westen des Landes.

Der Allianz geht es auch darum, den Einfluss des Erzrivalen Iran einzudämmen. Sie wirft der Islamischen Republik vor, über Hodeidah Raketen an die Houthis zu liefern. Die Rebellen haben erklärt, keine Stellvertreter des Iran zu sein. Sie hätten die Macht nach einem Volksaufstand übernommen.

Über Hodeida, das seit drei Jahren von den Rebellen kontrolliert wird, laufen insgesamt 70 Prozent der dringend benötigten Hilfslieferungen für den Norden des Landes. Hilfsorganisationen schätzen, dass rund 600.000 Menschen, darunter etwa die Hälfte Kinder, in und um die Stadt leben. Die UNO warnt davor, dass 250.000 Menschen durch einen Angriff alles verlieren könnten, inklusive ihrer Leben.

Im Trommelfeuer:
30 Angriffe in 30 Minuten

Sollte die vom Westen stillschweigend unterstützte Anti-Houthi-Allianz den Hafen erobern, würde ihr das zudem einen wichtigen strategischen Vorteil in einem Krieg verschaffen, in dem seit Jahren keine der Parteien entscheidende Erfolge erzielen konnten. Die Offensive begann mit Luftangriffen auf Ziele südlich der Stadt, hieß es aus jemenitischen Militärkreisen. Regierungstreue Milizen rücken kontinuierlich am Boden vor. Landwirtschaftliche Gebiete und Bauernhöfe im Umland der Stadt seien von den Houthi-Milizen in Militärstellungen umgewandelt worden, hieß es.




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Schlagwörter

Hodeidah, Jemen, Krieg, civil war, Hudaida

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-14 17:25:26
Letzte Änderung am 2018-06-14 20:30:41


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