• vom 17.06.2018, 09:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 17.06.2018, 15:21 Uhr

Türkei-Wahlen

"Es geht ums Überleben der AKP"




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Von WZ-Korrespondent Frank Nordhausen

  • 2015 übersiedelte der Duisburger Unternehmer Ziya Pir in die Türkei, um sich politisch zu engagieren.

HDP-Chef und Präsidentschaftskandidat Selahattin Demirtas sitzt mittlerweile schon seit eineinhalb Jahren im Gefängnis. Ziya Pir rechnet dennoch damit, dass seine Partei bei den Wahlen am 24. Juni über die Zehn-Prozent-Hürde kommt. - © afp

HDP-Chef und Präsidentschaftskandidat Selahattin Demirtas sitzt mittlerweile schon seit eineinhalb Jahren im Gefängnis. Ziya Pir rechnet dennoch damit, dass seine Partei bei den Wahlen am 24. Juni über die Zehn-Prozent-Hürde kommt. © afp

Ziya Pir zog 2015 als Abgeordneter für die linke, pro-kurdische Partei der Völker (HDP) ins türkische Parlament ein. Der Duisburger Unternehmer kam 1979 mit 9 Jahren nach Deutschland und absolvierte dort auch sein Studium. Neben der türkischen besitzt der 48-jährige, kurdischstämmige Politiker daher auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Ziya Pir zog 2015 als Abgeordneter für die linke, pro-kurdische Partei der Völker (HDP) ins türkische Parlament ein. Der Duisburger Unternehmer kam 1979 mit 9 Jahren nach Deutschland und absolvierte dort auch sein Studium. Neben der türkischen besitzt der 48-jährige, kurdischstämmige Politiker daher auch die deutsche Staatsbürgerschaft.© privat Ziya Pir zog 2015 als Abgeordneter für die linke, pro-kurdische Partei der Völker (HDP) ins türkische Parlament ein. Der Duisburger Unternehmer kam 1979 mit 9 Jahren nach Deutschland und absolvierte dort auch sein Studium. Neben der türkischen besitzt der 48-jährige, kurdischstämmige Politiker daher auch die deutsche Staatsbürgerschaft.© privat

"Wiener Zeitung": Herr Pir, der Präsidentschaftskandidat Ihrer Partei, Selahattin Demirtas, sitzt seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Wie geht es ihm?

Ziya Pir: Soweit wir hören, ganz gut. Er hat gerade wieder öffentlichen Wahlkampf gemacht, indem er mit seiner Frau telefoniert und dabei gleichzeitig zu den Wählern gesprochen hat. Wir haben seine Rede über soziale Medien verbreitet. Innerhalb von 24 Stunden wurde sie mehr als eine Million Mal aufgerufen. Das war ein voller Erfolg.

Wie wirkt es sich auf die Wahlchancen der HDP aus, dass Ihr Kandidat im Gefängnis sitzt?

Alle Umfragen sehen uns deutlich über der Zehnprozent-Hürde. Mit seiner Kandidatur setzt Herr Demirtas ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Demokratie - unsere Wertvorstellungen. Aber sie werden ihn nicht rauslassen, genauso wenig wie tausende andere inhaftierte Vertreter unserer Partei. Die Regierung will nicht, dass unsere Leute Wahlkampf machen können.

Sie verfügen über eigene Umfrageergebnisse. Wie lauten Ihre Wahlprognosen?

Unsere kurdisch-stämmigen Stammwähler garantieren uns zehn Prozent der Stimmen. Aber das beruhigt mich nicht, denn beim Präsidentschaftsreferendum im letzten Jahr haben wir erlebt, dass uns Stimmen im Südosten gestohlen und der AKP zugeschlagen wurden. Gestohlene Stimmen müssen wir im Westen über strategische Wähler anderer Parteien wieder hereinbekommen. CHP-Wähler wissen, dass es die HDP ins Parlament schaffen muss, denn sonst haben AKP und MHP die Mehrheit, und die Türkei stürzt in die Diktatur ab. Deshalb gehen wir davon aus, dass viele CHP-Anhänger bei der Parlamentswahl am 24. Juni für uns stimmen werden.

Haben Sie mit dem Wahlbündnis der Opposition über Leihstimmen gesprochen?

Nein, aber die Wähler wissen genau, was sie tun müssen. Der CHP-Spitzenkandidat Muharrem Ince hat in einem Interview auf die Frage nach Leihstimmen für die HDP geantwortet: "Auch wenn wir das wollten, könnten wir es nicht öffentlich sagen." Das ist wohl deutlich.

Warum ist die HDP eigentlich nicht im Wahlbündnis der Opposition?

Wir könnten unseren Wählern sicher noch erklären, warum wir eine Allianz mit der CHP eingehen, aber keinesfalls, warum wir es mit der Iyi (Guten) Partei tun, denn sie ist eine Kopie der nationalistischen, kurdenfeindlichen MHP. Auch hätte die Iyi Partei ihren Wählern eine Allianz mit uns nicht vermitteln können.

Welches Thema bestimmt den Wahlkampf, die Wirtschaft oder der Ausnahmezustand?

Die Wirtschaft ist das Thema Nummer eins, aber die Leute wissen natürlich, dass die Wirtschaftskrise mit dem Ausnahmezustand zusammenhängt. In den Kurdengebieten ist der Krieg gegen den syrischen Kurdenkanton Afrin ebenso wichtig - und natürlich alles, was mit der HDP zu tun hat. Unsere Vorsitzenden, einige Parlamentsabgeordnete und die meisten gewählten Bürgermeister sind im Gefängnis. So wird der Wählerwille mit Füßen getreten.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-15 17:55:30
Letzte Änderung am 2018-06-17 15:21:28


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