• vom 23.06.2018, 12:00 Uhr

Weltpolitik


Türkei-Wahl

Der Kandidat aus dem Gefängnis




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  • Kurdenpolitiker Selahattin Demirtas sitzt seit November 2016 hinter Gittern.

Demirtas zählt zu Erdogans schärfsten Kritikern.

Demirtas zählt zu Erdogans schärfsten Kritikern.© ap Demirtas zählt zu Erdogans schärfsten Kritikern.© ap

Ankara. Den ungewöhnlichsten Wahlkampf hat in den vergangenen Wochen wohl der Präsidentschaftskandidat der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP geführt. Denn Selahattin Demirtas sitzt seit November 2016 unter anderem wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft.

Demirtas, der einer der schärfsten Kritiker von Präsident Recep Tayyip Erdogan ist, nutzte seine begrenzten Möglichkeiten allerdings so gut wie möglich aus: Über seine Anwälte ließ er Botschaften, Twitter-Nachrichten und Interviews übermitteln. Mit einem geschickten Schachzug wandte sich der 45-Jährige am 6. Juni sogar direkt an die Öffentlichkeit - per aufgezeichneter Telefonschaltung, die die Behörden eigentlich nur für ein Gespräch mit seiner Frau erlaubt hatten. Das Telefonat, das im Wohnzimmer der Familie auf laut gestellt wurde, begann Demirtas mit den Worten: "Ich schätze mich glücklich, denn ich bin der einzige Kandidat, der seiner Frau am Telefon Wahlkampfreden halten darf."


Eine Woche vor der Wahl sendete der Staatssender TRT dann eine zehnminütige Wahlkampfrede, die Demirtas per Gesetz zustand. Darin warnte der ehemalige HDP-Chef vor einer "Ein-Mann-Herrschaft". Sollten Erdogan und seine AKP die Wahlen gewinnen, hänge das Schicksal der Türken "vollständig von der Gnade einer Person ab", sagte Demirtas. Die Türkei werde sich in ein "autoritäres, tyrannisches und von der Demokratie losgelöstes Land" verwandeln.

Bei der Präsidentschaftswahl wird Demirtas zwar wohl nur auf dem vierten Platz landen, doch ähnlich wie die Rechtspolitikerin Meral Aksener könnte auch er Erdogan entscheidende Stimmen kosten. Gleiches gilt auch für die Parlamentswahl. Denn schon 2015 hatte die HDP, die Erdogan immer wieder als verlängerter Arm der verbotenen PKK brandmarkt, mit zehn Prozent erstmals den Einzug ins Parlament geschafft und damit die absolute Mehrheit der AKP verhindert.




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Dokument erstellt am 2018-06-22 18:01:33


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