• vom 25.06.2018, 18:04 Uhr

Weltpolitik

Update: 25.06.2018, 18:25 Uhr

Türkei-Wahl

Türken in Österreich wählen zu 70 Prozent Erdogan




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  • Die Arbeitsmigration ab den 1960er Jahren brachte vor allem ein konservatives Milieu nach Europa.


© M. Hirsch © M. Hirsch

Wien/Berlin. Wie schon bei Urnengängen in den vergangenen Jahren hat Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan bei der türkischen Präsidentenwahl in Deutschland und Österreich ein deutlich besseres Ergebnis erzielt als zu Hause. Nach Auszählung von fast 80 Prozent der Stimmen in Deutschland kam er auf 65,7 Prozent der Stimmen im Vergleich zu 52,6 Prozent insgesamt. In Österreich lag die Zustimmung für Erdogan nach Zählung von mehr als 80 Prozent der Stimmen sogar bei 72 Prozent. Nur in Belgien und in den Niederlanden hat es mit 74,1 beziehungsweise 72,9 Prozent eine noch höhere Zustimmungsrate gegeben.

Sowohl in Österreich wie auch in Deutschland gab es allerdings scharfe Kritik an dem klaren Votum für Erdogan. "Die feiernden deutsch-türkischen Erdogan-Anhänger jubeln nicht nur ihrem Alleinherrscher zu, sondern drücken damit zugleich ihre Ablehnung unserer liberalen Demokratie aus. Wie die AfD eben", sagte der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir, der selbst türkische Wurzeln hat. In Österreich legte FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus den Erdogan-Wählern sogar ein Verlassen des Landes nahe. "Alle, die nun bei der türkischen Präsidentenwahl Recep Tayyip Erdogan gewählt haben, sind in der Türkei ganz klar besser aufgehoben als in Österreich", schrieb Gudenus am Montag in einer Aussendung. Die Integration tausender Türken sei kläglich gescheitert.v


In Österreich dürften aber auch die jüngsten Moscheenschließungen und die Ausweisung türkischer Imame einen Anteil am starken Abschneiden Erdogans gehabt haben. Viele Kommentatoren hatten die Entscheidung der österreichischen Regierung als regelrechtes "Geschenk" vor den Wahlen bezeichnet. Laut dem Politologen und Islamexperten Thomas Schmidinger verfügt die AKP durch die ihr mehr oder weniger nahestehenden Vereine und Organisationen hierzulande zudem über ein hohes Mobilisierungspotenzial.

Dass die Auslandstürken in Europa in hohem Maße für Erdogan stimmen, hat nach Meinung vieler Experten aber vor allem mit der Vergangenheit zu tun. Im Zuge der Arbeitsmigration ab den 1960er Jahren seien vor allem Türken aus einem konservativen Milieu nach Europa gekommen, sagt Gökay Sofuoglu, der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland. "Und diese Gruppe interessiert sich weniger für Menschenrechtsfragen, für sie ist Erdogan derjenige, der Krankenhäuser, Autobahnen und Einkaufszentren gebaut hat."

Dass die Herkunft einen maßgeblichen Einfluss auf das Wahlergebnis hat, zeigt sich nicht zuletzt in Kanada und den USA. Denn dort wählen die Auslandstürken, unter denen es einen hohen Anteil an Studenten und Akademikern gibt, viel häufiger als in Europa die sozialdemokratische CHP.




Schlagwörter

Türkei-Wahl, Austro-Türken

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-25 18:10:42
Letzte Änderung am 2018-06-25 18:25:37


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