• vom 26.06.2018, 17:54 Uhr

Weltpolitik

Update: 27.06.2018, 12:55 Uhr

Türkei-Wahl

Erdogans große Baustelle




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Von WZ-Korrespondent Gerd Höhler

  • Bisher fehlen Anzeichen, dass der Präsident nach dem Wahlsieg Reformen angeht.

Mit Großprojekten wie dem neuen Flughafen in Istanbul befeuerte Erdogan in den vergangenen Jahren die Wirtschaft. - © afp

Mit Großprojekten wie dem neuen Flughafen in Istanbul befeuerte Erdogan in den vergangenen Jahren die Wirtschaft. © afp

Istanbul. Als Recep Tayyip Erdogan die Präsidentenwahl in der Türkei gewonnen hatte, machte die Istanbuler Börse erst einmal einen Freudensprung. Die Aktienkurse stiegen am Montagmorgen auf breiter Front, der Leitindex notierte vier Prozent höher. Auch die Lira gewann gegenüber Dollar und Euro hinzu. Aber die Euphorie verflog schnell, zum Handelsschluss notierte der Börsenindex zwei Prozent im Minus. Am Dienstag setzte sich die Talfahrt dann weiter fort.

Damit wird deutlich, dass mit Erdogans Wahlsieg die wirtschaftlichen Sorgen nicht verflogen sind. Im Gegenteil, es könnten neue hinzukommen. Der Wahlausgang sorgte zwar für klare Machtverhältnisse, denn Erdogan konnte sich bereits im ersten Wahlgang eine weitere fünfjährige Amtszeit als Staatschef sichern. Die Zitterpartie einer Stichwahl, die viele Demoskopen für möglich hielten, bleibt der Wirtschaft damit erspart. Aber welchen Kurs wird Erdogan nun in der Wirtschafts- und Finanzpolitik einschlagen? Die türkische Wirtschaft verzeichnete im ersten Quartal zwar ein rekordverdächtiges Wachstum von 7,4 Prozent. Doch das Wachstum steht auf tönernen Füßen. Die Regierung feuerte die Konjunktur mit staatlichen Kreditbürgschaften, Steuervergünstigungen und großen Infrastrukturprojekten an. Wachstum um jeden Preis war bisher Erdogans Motto. Aber nun läuft die Inflation mit rund zwölf Prozent davon, die Lira hat seit Jahresbeginn fast ein Viertel ihres Außenwerts verloren, ausländische Anleger und Investoren ziehen sich zurück - alarmierend für die Türkei, die wie kaum ein zweites Schwellenland zum Ausgleich ihrer hohen Leistungsbilanzdefizite auf ausländisches Kapital angewiesen ist.


Ökonomen warnen zudem vor einer Überhitzung der Konjunktur, die zum Absturz in eine Rezession führen könnte. Die Arbeitslosenquote von über zehn Prozent ist ein Warnsignal. Nicht zuletzt deshalb zog Erdogan die eigentlich erst im November 2019 fälligen Wahlen vor. "Investoren brauchen Sicherheit und Planbarkeit", sagt Gregor Holek, Fondsmanager und Türkei-Experte bei Raiffeisen Capital Management in Wien. Aus dieser Sicht sei das klare Wahlergebnis positiv. "Auf der anderen Seite ist wirtschaftspolitisch in den letzten Jahren vieles aus dem Ruder gelaufen und eine Fortführung des bisherigen Kurses nicht wünschenswert", meint der Experte. Allen seien "die irritierenden Wortmeldungen des Präsidenten zur Wirtschaft noch zu gut in Erinnerung", sagt Holek.

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Dokument erstellt am 2018-06-26 18:01:38
Letzte Änderung am 2018-06-27 12:55:45



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