• vom 04.07.2018, 18:44 Uhr

Weltpolitik

Update: 04.07.2018, 21:55 Uhr

Hassan Rouhani

Sanktionen verschärfen schwierige Wirtschaftslage des Iran




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  • WIIW-Studie: Stabilisierung unter Präsident Rouhani steht mit weiteren Sanktionen auf dem Spiel. Öl-Embargo könnte eine Krise auslösen.

Wien/Teheran. Die von den USA gegen den Iran verhängten neuen Sanktionen, die ab August gelten sollen, werden eine ohnehin schwierige Situation verschärfen und sich negativ auf das Wirtschaftswachstum des Landes auswirken. "Dies könnte die gute Arbeit der letzten Jahre zunichtemachen", so das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) in einer neuen Studie zur iranischen Wirtschaft.

Die beste Lösung der Probleme wären weitere Verhandlungen, um eine Annäherung an die USA zu finden. Einem neuen Abkommen mit den USA stünden jedoch ernsthafte Hindernisse im Wege. So stelle der abrupte Wechsel der US-Politik nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump aus iranischer Sicht die Glaubwürdigkeit eines möglichen zukünftigen Abkommens infrage. Weiters würde ein besseres Abkommen viele Konzessionen auf der iranischen Seite erfordern, von denen viele für Teheran unannehmbar seien.


Iranische Währung
wertet ab

Die iranische Wirtschaft habe sich in den vergangenen vier Jahrzehnten unterdurchschnittlich entwickelt, so die WIIW-Ökonomen. Im Grunde verfüge sie über einige große Stärken wie den Zugang zu natürlichen Ressourcen und ein angemessenes Humankapital. Am meisten benötigt werde ein Transfer westlicher Technologien, was im aktuellen Umfeld aber sehr herausfordernd sei. Solange der Iran weiterhin im Konflikt mit den USA stehe, werde es schwierig sein, das Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung deutlich anzuheben.

Um den US-Sekundärsanktionen entgegenzuwirken oder sie zumindest abzuschwächen, könnte der Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani in Wien eine wichtige Rolle spielen, so das WIIW. Tatsächlich wirke sich der Rückzug der USA vom Atomabkommen und die Sorge über die neue Sanktionsrunde bereits erheblich auf die iranische Wirtschaft aus.

So habe der iranische Rial erheblich abgewertet, es herrsche Panik auf dem Inlandsmarkt und es komme zu Kapitalabflüssen. Trotz eines sehr hohen realen BIP-Wachstums von 12,5 Prozent 2016/17 werde die vom Atomabkommen mit dem Iran (JCPOA) herbeigeführte Sanktionsentlastung von der iranischen Bevölkerung noch nicht vollständig wahrgenommen.

Kommandeur droht
mit Hormus-Blockade

Schwierigkeiten könnte Teheran insbesondere durch den Aufruf der USA bekommen, Öl-Einfuhren aus dem Iran bis November zu stoppen. Damit will Präsident Donald Trump erreichen, dass das Land in einer Nachfolgevereinbarung für das internationale Atomabkommen härtere Bedingungen akzeptiert. Der Iran lehnt dies ab.

Teheran könnte in diesem Fall aber empfindlich zurückschlagen und für eine internationale Krise sorgen: Ein iranischer Kommandeur hat einem Medienbericht zufolge mit einer Blockade der Straße von Hormus gedroht. Sie ist einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Durch die Wasserstraße werden Gas- und Öl-Lieferungen aus den Golfstaaten in alle Welt verschifft.

"Wenn sie die iranischen Öl-Exporte stoppen wollen, werden wir keine Öl-Lieferung mehr durch die Straße von Hormus lassen", wurde Ismail Kousari, ein Kommandeur der Revolutionären Garden, am Mittwoch auf der Website des Young Journalists Club (YJC) zitiert. Eine entsprechende Drohung war zuletzt auch aus iranischen Regierungskreisen zu hören.




Schlagwörter

Hassan Rouhani, Sanktionen, Iran, USA

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-04 17:49:47
Letzte Änderung am 2018-07-04 21:55:44


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