• vom 17.07.2018, 16:36 Uhr

Weltpolitik

Update: 17.07.2018, 22:29 Uhr

USA

Der "Dealmaker" kehrt als Prügelknabe heim




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Von Michael Donhauser

  • Trumps rundum missglückter Auftritt in Helsinki ist eine Steilvorlage für die US-Demokraten.

"Oberster Verräter": Proteste vor dem Weißen Haus in Washington. - © reuters

"Oberster Verräter": Proteste vor dem Weißen Haus in Washington. © reuters

Washington. (dpa) Die Republikaner in den USA waren außer sich: Wie könne ein US-Präsident dem russischen Präsidenten mehr Glauben schenken als den eigenen Geheimdiensten? Der selbsternannte "Dealmaker" Donald Trump ist aus Helsinki als Prügelknabe heimgekehrt, nachdem er dort in die Falle getappt war. Was folgte, war ein Herumlavieren angesichts der Welle von Kritik, die über ihm zusammenschwappte.

Viele hatten ihn davor gewarnt, sich von Kreml-Chef Wladimir Putin manipulieren zu lassen. Außenpolitisch verlief sein Treffen mit dem russischen Präsidenten in Helsinki weitgehend ergebnislos. Für seine allzu devote Haltung jedoch, eine Dreiviertelstunde lang öffentlich zur Schau gestellt vor den Augen der Weltöffentlichkeit bei einer denkwürdigen Pressekonferenz, musste Trump nun daheim massive Prügel einstecken. Von Freund und Feind, von Demokraten und Republikanern. "Es war der ernsteste Fehler seiner bisherigen Präsidentschaft", sagte Newt Gingrich, ein Altvorderer der Republikaner und eigentlich glühender Trump-Getreuer. Ein Fehler, der sofort korrigiert werden müsse.


Trumps Reaktion: Am Tag nach dem Treffen mit Putin in Helsinki erklärte er, er habe sich bloß versprochen: Er habe in der gemeinsamen Pressekonferenz sagen wollen, er sehe "keinen Grund", warum "nicht" Russland hinter den Hackerangriffen rund um die US-Wahl 2016 stecke - aber halt dabei auf das kleine Wörtchen "nicht" vergessen. "Lassen sie mich völlig klar sein: Ich akzeptiere die Schlussfolgerung unserer Geheimdienste", sagte der US-Präsident am Dienstag vor laufenden Kameras im Weißen Haus. Zugleich betonte er aber auch, dass Russlands Vorgehen keine Auswirkungen auf den Ausgang der Wahl gehabt habe. Und er machte auch die Presse für eine falsche Berichterstattung verantwortlich.

"Schändliche Vorstellung"
Das Schlimme für Trump ist nicht einmal, dass politische Gegner seinen Auftritt als "verräterisch" oder "beschämend" bezeichnen. Schlimmer noch ist für den Amtsinhaber im Weißen Haus, dass ihm kaum jemand von der eigenen Truppe zur Seite springt. Sogar Trumps Haussender Fox News, in dem er am Dienstag unter anderem in einem Interview die deutsche Kanzlerin Angela Merkel attackierte ("Angela war ein Superstar, bis sie entschied, Millionen von Menschen ins Land zu lassen") zitiert inzwischen stundenlang seine Kritiker, die kein gutes Haar am Präsidenten lassen.

Derek Cholet, Experte beim German Marshall Fund für Sicherheits- und Verteidigungspolitik, sprach von einem "ernüchternden Moment". ABC-Moderator George Stephanopoulos, einst im Weißen Haus für Bill Clinton tätig, meinte gar, die US-Öffentlichkeit könnte einen Moment der Weltgeschichte erlebt haben, als Trump einen Moment nicht richtig aufpasste. Als ihm zum Ende der Pressekonferenz und nach vorangegangenen vierstündigen intensiven Gesprächen die Frage gestellt wurde, ob er denn nun den US-Geheimdiensten glaube oder Putin, versuchte er eine diplomatische Gratwanderung - und stürzte gnadenlos ab.

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Dokument erstellt am 2018-07-17 16:44:02
Letzte Änderung am 2018-07-17 22:29:01


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