• vom 28.07.2018, 07:00 Uhr

Weltpolitik


Kuba

Miguel Diaz Canel seit 100 Tagen Präsident




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Von WZ Online, APA

  • Das Staatsoberhaupt bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Erhalt und Öffnung.

Kubas ehemmaliger Präsident Raul Castro (rechts) und der neue Präsident Miguel Diaz-Canel auf einer Nationalversammlung in Havanna. - © APAweb/ Reuters, Alexandre Meneghini

Kubas ehemmaliger Präsident Raul Castro (rechts) und der neue Präsident Miguel Diaz-Canel auf einer Nationalversammlung in Havanna. © APAweb/ Reuters, Alexandre Meneghini

Havanna. Miguel Diaz-Canel musste schnell in seine neue Position finden. Nur wenige Wochen nach Übernahme des kubanischen Präsidentenamtes stürzte in Havanna eine Passagiermaschine ab, mehr als 100 Menschen starben. Das Land blieb in Schock und Trauer zurück - und der neue Präsident begegnete mit Präsenz und Nähe.

Am Samstag ist Diaz-Canel seit 100 Tagen im Amt. Er muss auf einem schmalen Grat zwischen Erhalt der politischen Essenz der Castro-Brüder und der Öffnung des Landes im Zuge der Wirtschaftsreform balancieren. Sein ganz eigener Stil hat dem 58-Jährigen dabei bisher große Popularität im Volk verschafft.

Staatsoberhaupt zeigt Nähe zum Volk

Diaz-Canel habe im Präsidentenamt weniger Verschnaufpausen als seine Vorgänger, sagt der kubanische Akademiker Arturo Lopez-Levy, der Professor für Internationale Studien am Gustav-Adolphus-College in den Vereinigten Staaten ist. Der gelernte Elektroingenieur reagierte nach dem Flugzeugunglück schnell. Weniger als eine Stunde nach dem Absturz lief Diaz-Canel zwischen den noch rauchenden Überresten der Maschine auf einem Feld zwischen Feuerwehrleuten und anderen Einsatzkräften.

Das Bild des kubanischen Präsidenten und die Unmittelbarkeit, mit der die Medien über den Unfall berichteten, war für die an Geheimnistuerei gewöhnten Kubaner etwas Ungewöhnliches. In den Folgetagen besuchte Diaz-Canel Angehörige der Opfer und traf Mitglieder des Forensik-Teams, das sich um die Identifizierung der Toten kümmerte. Er wollte zeigen, dass der Staat die Menschen begleitet. Bei vielen weckte das Erinnerungen an den ehemaligen Präsidenten Fidel Castro, der nach schweren Hurrikans die betroffenen Gebiete der Insel besuchte.

Präsident bricht mit politischen Gepflogenheiten

Diaz-Canel weiß, dass seine Führungsrolle nicht so stark ist wie die der Castro-Brüder. Aber er ist einer der wenigen "Überlebenden" der selben politischen Generation, wie ihm auch Raul Castro bei seiner Abschiedsrede als Präsident im Parlament zusprach. Dennoch bricht Diaz-Canel  mit alten politischen Gepflogenheiten. Debatten des Ministerrats werden innerhalb weniger Tage veröffentlicht. Früher konnte das Wochen dauern, wenn sie überhaupt öffentlich gemacht wurden.

Die Zuständigen für die Provinzen schickte der neue Präsident auf Reise direkt in ihre Gebiete. Und auch selbst hat er bereits mehrere Städte besucht und das bisher geltende Protokoll gebrochen. Er fragte die Menschen persönlich nach Problemen, nach dem öffentlichen Transport, den Preisen auf den örtlichen Märkten oder wie das Essen in den Schulen schmeckt.

Viele Unterschiede zwischen Diaz-Canel und den Castros

In einem Land, in dem Symbolik so wichtig ist, hat Diaz-Canel so also an Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung gewonnen. Er zeigt sich nah und besorgt - und versucht sich vom Bild des grauen Beamten in Uniform zu distanzieren. "Es gibt einen ernsthaften Versuch, den Menschen näher zu kommen und ihre Probleme zu kennen", sagte der ehemalige kubanische Botschafter Carlos Alzugaray. Seiner Ansicht nach verwendet der Präsident außerdem eine "frischere und weniger ideologische Sprache".

Einer der Unterschiede zwischen den Castros und Diaz-Canel, der für den meisten Gesprächsstoff auf Kuba gesorgt hat, ist allerdings die Ehefrau des 58-Jährigen, Lis Cuesta. Sie tritt bei offiziellen Veranstaltungen mit auf, das kubanische Fernsehen nannte sie sogar die First Lady des Landes. Ex-Botschafter Alzugaray glaubt, dass Diaz-Canel seiner Frau "eine gewisse politische Rolle" zugeteilt hat, während zuvor die Castros ihr Privatleben weitgehend unter Verschluss hielten.

Zwischen Öffnung und Erbe

Auch auf Twitter will Diaz-Canel künftig präsenter sein. Dennoch pocht er in seinen Reden stets auf die Weiterführung und Stetigkeit des politischen Erbes der Castros. Das könnte ihm noch zum Verhängnis werden, denn viele Kubaner erkennen, dass sich etwas ändern müsse, so Alzugaray. Der Akademiker Lopez-Levy erklärt, dass Diaz-Canel versuche, "eine Politik zu verkaufen, die mehr mit Strenge und Kontrolle verbunden ist als mit Enthusiasmus und Spontaneität". Der Präsident konzentriert sich mehr auf die begonnenen Wirtschaftsreformen als auf Veränderungen im starren Einparteiensystem des Inselstaats.

Das zeigt sich auch in der Reform der Verfassung, die am vergangenen Wochenende beschlossen wurde. Darin werden unter anderem erstmals Privatbesitz und die Ehe für Alle anerkannt - das Einparteiensystem bleibt aber unangetastet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-27 09:28:48
Letzte Änderung am 2018-07-27 10:05:06


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