• vom 27.07.2018, 10:27 Uhr

Weltpolitik

Update: 27.07.2018, 11:02 Uhr

Mali

24 Kandidaten bei Präsidentenwahl




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, Peter Edlbacher / APA

  • Amtsinhaber Keita und Oppositionsführer Cisse gelten als die Favoriten.

In Mali wird am Sonntag ein neuer Präsident gewählt. - © APAweb / Reuters, Luc Gnago

In Mali wird am Sonntag ein neuer Präsident gewählt. © APAweb / Reuters, Luc Gnago

Bamako. Mali wählt am kommenden Sonntag einen neuen Präsidenten. Es treten 24 Kandidaten an. Echte Chancen, in den nächsten fünf Jahren an der Spitze des afrikanischen Landes zu stehen, werden aber nur Amtsinhaber Ibrahim Boubacar Keita - kurz "IBK" genannt - und Oppositionsführer Soumaila Cisse zugeschrieben.

Seit Jahren ist der überwiegend muslimische Binnenstaat in der Sahelzone von den Unruhen im Norden geprägt. 2012 erklärten separatistische Tuareg-Rebellen die Unabhängigkeit der nördlichen Region "Azawad" - eines Gebietes, das flächenmäßig mehr als die Hälfte Malis ausmacht.

Radikale Islamisten witterten daraufhin Morgenluft und setzten ihre Herrschaft in großen Teilen der abgespaltenen Region durch. Sie zerstörten in der UNESCO-Welterbestadt Timbuktu Mausoleen islamischer Heiliger und zündeten eine bedeutsame Manuskriptensammlung an. Anfang 2013 konnte eine von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich geführte Militärintervention die Rebellen zurückdrängen. Im gleichen Jahr wurde die UNO-Mission MINUSMA in der Region stationiert und eine EU-Trainingsmission (EUTM) eingerichtet, an denen sich das österreichische Bundesheer mit vier bzw. zehn Soldaten beteiligt.

Stabilität trotz Unruhen

Trotz der Missionen und eines Friedensabkommens aus dem Jahr 2015 kommt der Norden Malis nicht zur Ruhe: Seit Beginn des Einsatzes starben nach aktuellen Angaben bereits 169 Blauhelm-Soldaten. Regelmäßig finden im Land Anschläge gegen ausländische Militärkräfte, aber auch gegen Zivilisten statt. Ethnische Konflikte und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Nomaden und Bauern erschüttern Mali ebenfalls immer wieder.

Das 18-Millionen-Einwohner-Land gilt trotz dieser Konflikte und der weit verbreiteten Korruption als politisch relativ stabil und demokratisch. Präsident Keita, bereits früher Regierungschef des Landes, war 2013 in einem demokratischen Votum zum Staatsoberhaupt gewählt worden - allerdings nach einem im Jahr davor erfolgten, international kritisierten Militärputsch gegen den früheren Präsidenten Amadou Toumani Toure. Das Militär hatte den Sturz von Toure mit dessen "Unfähigkeit" begründet, gegen die Rebellen im Norden vorzugehen.

Vorwürfe der geplanten Wahlfälschung

Obwohl die Plakate von "IBK" diesmal stark das Thema "Frieden" betonen, kritisiert die Opposition heftig Unregelmäßigkeiten bei den Wahlvorbereitungen und dem Wählerverzeichnis. Bereits jetzt stehen Vorwürfe der geplanten Wahlfälschung im Raum. 80 internationale Beobachter sollen den Wahlgang überwachen.

Auf den Wahllisten in Mali sind 8,5 Millionen Personen registriert, die Wahllokale sind am Sonntag von 10.00 bis 20.00 Uhr MESZ geöffnet. Erhält kein Kandidat in der ersten Wahlrunde die absolute Mehrheit, erfolgt am 12. August eine Stichwahl. Der 73-jährige Keita hofft auf einen Sieg bereits in der ersten Runde. Allerdings hatte er sich 2013 auch erst in der Stichwahl gegen Cisse - der damals ebenfalls sein Gegenkandidat war - durchsetzen können.

Bedeutende Rolle in afrikanischer Migratonsbewegung

Mali gehört zu einem der ärmsten Ländern der Welt. Trotz Bodenschätzen wie Gold lebt die Mehrheit der Bevölkerung des überwiegend muslimischen Landes in großer Armut, während die Geburtenrate mit sechs Kindern pro Frau die dritthöchste der Welt ist. Das Land, das sich geografisch in einen trockenen, von der Sahara geprägten Norden und einen fruchtbaren Süden teilt, spielt auch in den afrikanischen Migrationsbewegungen eine bedeutende Rolle, sowohl als Ursprungs- als auch als Transitgebiet. Präsident Keita versucht, die weltweite Diaspora stärker wirtschaftlich an das Land zu binden. Der 68-jährige Ex-Finanzminister Cisse will vor allem auf die wirtschaftliche Öffnung des Landes und auf Investitionen setzen.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-27 10:31:09
Letzte Änderung am 2018-07-27 11:02:26


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Sechs Kilo Plastik im Bauch
  2. Bin Salman gerät im Fall Kashoggi unter Druck
  3. Rückschlag für Bemühungen um Frieden im Jemen
  4. Keine Geheiminfos wegen "pro-russischer Haltung" der FPÖ
  5. US-Gericht stoppt Trumps Asyl-Pläne
  6. Vier Tote bei Schießerei in Chicago
  7. Drei Festnahmen wegen mutmaßlicher Anschlagspläne in Australien

Werbung




Werbung