• vom 31.07.2018, 17:15 Uhr

Weltpolitik

Update: 03.08.2018, 16:02 Uhr

Irak

Premier Abadi lässt Köpfe rollen




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • Iraks Regierungschef reagiert mit Kabinettsumbildung auf wochenlange Proteste in seinem Land.

Proteste am Tahrir-Platz in Bagdad. - © Reuters/Thaier al-Sudani

Proteste am Tahrir-Platz in Bagdad. © Reuters/Thaier al-Sudani

Haider al-Abadi.

Haider al-Abadi.© afp/L. Marin Haider al-Abadi.© afp/L. Marin

Bagdad. Iraks Premier Haidar al-Abadi musste handeln, auch wenn er nur noch kommissarisch im Amt ist, bis eine neue Regierung gebildet wird. Seit Wochen toben heftige Proteste in seinem Land. Die Menschen gehen zu Tausenden auf die Straße, verlangen mehr Strom, sauberes Wasser, mehr Jobs für junge Leute, die Bekämpfung der Korruption.

Zuerst fing es in der Südmetropole Basra an zu gären, als Temperaturen über 50 Grad Celsius gemessen wurden und kaum Strom für Generatoren und Kühlschränke aus der Steckdose kam. Als dann auch noch das Wasser ausblieb, waren die drei Millionen Einwohner Basras nicht mehr zu stoppen. Sie demonstrierten zunächst vor dem Gouverneurspalast. Als von dort keine Reaktion kam, blockierten sie Straßen und Zufahrtswege zu den Ölfeldern. Nur so fänden ihre Forderungen Gehör, verlautete aus der Protestbewegung. Auch der Zugang zum Ölverladehafen Umm Qasr wurde zeitweise versperrt. In der Provinz Basra liegen riesige Ölfelder, das weltweit größte Feld Rumaila erstreckt sich vom Norden der Stadt bis zur Grenze nach Kuwait.


Basras Ölproduktion ist die Lebensader des Landes. Nahezu der gesamte Haushalt Iraks hängt von den Ölverkäufen habe. Von den täglich fast vier Millionen Fass, die im Irak gefördert werden, pumpt Basra gut die Hälfte. Abadi brach seinen Besuch bei der Nato in Brüssel ab und eilte nach Basra. Man werde die ausstehenden Rechnungen an den Iran begleichen, versprach er und der Strom werde wiederkommen. Denn obwohl der Irak und vor allem Basra im Öl schwimmen, reicht die Kapazität der Stromerzeugung nicht aus, die in den letzten Jahren enorm gewachsene Metropole ausreichend zu versorgen. Es wird zugekauft vom Nachbarn Iran.

Doch die Demonstranten glaubten Abadi nicht. "Jedes Jahr verspricht er uns Besserung und es geschieht nichts", sagten sie und demonstrierten weiter. Die Regierung zeigte Härte, ließ die Armee aufmarschieren und die Proteste in Basra gewaltvoll beenden. Es gab mehrer Tote und Verletzte. Doch ein Ende der Proteste war damit nicht erreicht, im Gegenteil. Danach weiteten sich die Demonstrationen sogar noch aus und befielen den gesamten Süden bis hinauf nach Bagdad. Als sich der oberste schiitische Kleriker im Irak, Großajatollah Ali al-Sistani in Najaf, auf die Seite der Demonstranten schlug und ihnen seine Solidarität kundtat, stürmten in der für Schiiten heiligen Stadt Hunderte den Flughafen und legten den Flugverkehr vorübergehend lahm. Die Regierung verhängte eine Internet-Sperre, die zwei Wochen andauerte und erst am Sonntag aufgehoben wurde. Damit sollten Absprachen über die sozialen Netzwerke verhindert werden. Außerdem wollte man vermeiden, dass kompromittierende Videos an die Weltöffentlichkeit gelangen. Doch die Proteste gingen weiter.

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Dokument erstellt am 2018-07-31 17:23:20
Letzte Änderung am 2018-08-03 16:02:23


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