• vom 01.08.2018, 17:40 Uhr

Weltpolitik

Update: 02.08.2018, 11:49 Uhr

Facebook

Gezielt Fundamente erschüttern




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Ausschreitungen bei Demos bewusst in Kauf genommen

Noch weiß man nicht, wer hinter den aktuellen Störversuchen auf Facebook steckt. "Wir sind in einer sehr frühen Phase der Untersuchungen", schreibt Facebook. Man habe sich aber entschlossen, mit den jetzigen Ergebnissen schon an die Öffentlichkeit zu gehen, da zumindest eine der Facebook-Seiten eine Veranstaltung für kommende Woche beworben hatte. Unter dem Namen "Resisters" (eine Verballhornung aus "Schwestern" und "Widerstand") lud das Fake-Konto zu einer Demonstration gegen Rechts. Das Motto: "Leiste Widerstand gegen den Faschismus". Die vom Fake-Account ins Leben gerufene Demonstration sollte zur gleichen Zeit stattfinden wie ein - offenbar echter - Aufmarsch der Rechten ("Unite the Right"). Nachdem an beiden Protesten echte Menschen teilgenommen hätten, sind gewaltsame Ausschreitungen zumindest in Kauf genommen worden. "Resisters" hatte auch den Anschein der Legitimität, nachdem andere, echte Seiten sich diesem Demonstrations-Aufruf angeschlossen hatten. Facebook erklärte, man habe am Nachmittag begonnen, die rund 2600 Facebook-Nutzer, die am Event "interessiert" waren, von den Untersuchungsergebnissen in Kenntnis zu setzen.

"Wer auch immer hinter diesen Konten steht, hat sich ungleich viel mehr bemüht, seine Identität zu verschleiern", als es bei der Kampagne 2016 der Fall war, hinter der - damals vergleichsweise einfach - die Russland basierte "Internet Research Agency" (IRA) ausgemacht worden sei. "Wir haben es mit entschlossenen, kapitalkräftigen Gegnern zu tun, die niemals aufgegeben haben und ständig ihre Taktiken ändern. Es ist ein Wettrüsten", so Facebook.

Deswegen würde man künftig enger mit den Behörden und anderen Tech-Firmen zusammenarbeiten. Das trifft sich gut, denn am Mittwoch erklärte Senator Mark Warner, Facebook-Manager sowie jene von Twitter und Alphabet Inc (Google) würden zu einer Anhörung am 5.September geladen, um über die Einflussnahme ausländischer Mächte auf Social Media Auskunft zu geben.

Diesmal haben die Betreiber der Fake-Accounts (verschlüsselte) virtuelle private Netzwerke (VPNs) verwendet sowie mobile Endgeräte und haben Drittpersonen damit beauftragt, Werbungen zu kaufen und zu schalten.

Man wisse zwar nicht, wer hinter diesen Accounts stehe, aber ein Teil der Aktivität ähnele sehr stark dem, was man von der IRA 2016 gesehen habe, so das IT-Unternehmen. Facebook habe auch Belege gefunden, wonach ein paar der jetzigen Accounts und jener IRA-Accounts aus dem Jahr 2016 eine Verbindung aufweisen. Die "Resisters"-Seite hatte etwa einen IRA-Account als Administrator der Seite - wenn auch nur für sieben Minuten.

Minderheiten-Anliegen instrumentalisiert

Die nun gelöschten 32 Seiten waren insgesamt von mehr als 290.000 echten Nutzern abonniert. Und während die Social-Media-Kampagne 2016 durchaus mit der Unterdrückung des weißen Mannes gespielt habe, so besetzte diese Kampagne die diametral andere Richtung. Der Account "Resisters" propagierte mit diversen Sinnsprüchen feministische Ideale. Ähnlich der ebenfalls gelöschte Account "Aztlan Warriors": Die "Kämpfer aus Aztlan" bezog sich auf den vermeintlichen Ursprungsort der Azteken und flirtete so mit Latinos. "Black Elevation" war dagegen auf die afro-amerikanische Gesellschaft gemünzt, und "Mindful Being" kokettierte mit den Veganern unter den Social Media-Nutzern.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-01 17:50:24
Letzte Änderung am 2018-08-02 11:49:46


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