• vom 04.08.2018, 06:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 04.08.2018, 14:59 Uhr

Neue Seidenstraße

Vergoldete Steppe




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Von Bernd Vasari aus Kasachstan

  • Der große Profiteur von Chinas Megaprojekt der Neuen Seidenstraße ist Kasachstan. Österreich möchte auch mitnaschen.

Kasachstans Hauptstadt Astana wurde auf dem Reißbrett mittenin der Steppe errichtet: früher Sumpfgebiet, heute alleegesäumte Boulevards und Wolkenkratzer von internationalen Architekten. - © WZ / Bernd Vasari

Kasachstans Hauptstadt Astana wurde auf dem Reißbrett mittenin der Steppe errichtet: früher Sumpfgebiet, heute alleegesäumte Boulevards und Wolkenkratzer von internationalen Architekten. © WZ / Bernd Vasari

Khorgos/Astana/Aqtau. Das kasachische Ende der Welt liegt in Khorgos. Karg, staubig, trostlos. Bedrohlich wirbelt der Wind über die trockene Einöde. Niemandsland, kurz vor der Grenze zu China. Doch schon bald soll hier das Geld sprudeln. Vor drei Jahren wurden Gleise verlegt, ein moderner Umladeterminal für Containerzüge gebaut. Aus dem staubigen Ende soll nun ein funkelnder Anfang werden.

Khorgos als Tor zu China, als Brücke zwischen Europa und Asien. Wenn China der Staat ist, der den Handel mit Europa durch sein Megaprojekt der Neuen Seidenstraße finanziell vorantreibt, dann ist Kasachstan der Staat durch den die Waren transportiert werden müssen. Und Khorgos, der Knotenpunkt, in dem die Container von chinesischer Normalspur auf russische Breitspur umgeladen werden. Die Ware reicht von Handy-Hüllen, Kleidung, Medikamenten, Rohstoffen bis hin zu Maschinen und Autos.

Sechs Gleise führen in das Terminal. Drei, kommend aus China mit der Spurweite von 1435 Millimetern, drei aus Kasachstan mit der Spurweite 1520. Drei massive gelbe Portalkräne erstrecken sich über sie wie eine Klammer. Vier Züge mit je 14 Containern werden hier täglich umgeschlagen. In Zukunft sollen es 12 Züge mit insgesamt 168 Containern sein, sofern die Neue Seidenstraße als Handelsroute erfolgreich ist.

Es sind astronomische Zahlen, mit denen China das Megaprojekt zum Leben erwecken möchte. Eine Billion Dollar will die Volksrepublik investieren. Der Landweg quer über die eurasische Platte hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Schiffsverkehr: Die Waren gelangen um bis zu zwanzig Tage schneller an ihr Ziel, rechnen Studien vor. Das spart Kosten. Ob der Zeitgewinn tatsächlich erreicht werden kann, liegt auch an dem Terminal in Khorgos.

Zhaslan Khamzin führt durch das Gelände. "Innerhalb von vier Stunden kann ein ganzer Zug umgeladen werden", erklärt er und blickt stolz in die Runde. Gerade wird ein Zug in Richtung Europa beladen. Ein gleichmäßig schlagender Ton erklingt, während der Kran einen Container nach dem anderen auf die leeren Waggons stellt.

Jeden Winkel kennt Terminal-Chef Zhaslan Khamzin (2. v .l.).

Jeden Winkel kennt Terminal-Chef Zhaslan Khamzin (2. v .l.).© Vasari Jeden Winkel kennt Terminal-Chef Zhaslan Khamzin (2. v .l.).© Vasari

Der Geschäftsführer kennt hier jeden Winkel. Detailgetreu erklärt Khamzin die Unterschiede zwischen dem chinesischen und dem russischen Schienenmodell. "Schauen Sie, die chinesische Bahnschwelle besteht aus Holz, die russische aus Beton." Als Einziger trägt er weder Schutzhelm noch orange Warnweste. Mit seinem Auftreten gibt er die Richtung vor. Strenge Hierarchie, Know-how auf höchster Ebene, eine klare Vision. Neben dem Terminal entstehen ein Flughafen sowie ein steuerfreier Funpark mit Restaurants und Hotels. Eine Trabantenstadt für die Arbeiter wurde bereits errichtet. Sogar der Grenzstreifen ist zugänglich. Mit einem Schritt kann man zwischen rotem und blauem Feld, zwischen China und Kasachstan, hin und her springen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-03 16:44:50
Letzte Änderung am 2018-08-04 14:59:14


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