• vom 07.08.2018, 18:27 Uhr

Weltpolitik

Update: 07.08.2018, 18:54 Uhr

Iran

Einmarschieren geht nicht




  • Artikel
  • Kommentare (6)
  • Lesenswert (17)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Michael Schmölzer und Konstanze Walther

  • Interventionismus war stets ein wichtiges Mittel der US-Außenpolitik. Die Methoden haben sich aber geändert.

Wandmalerei an der ehemaligen US-Botschaft in Teheran. - © afp/Kentare

Wandmalerei an der ehemaligen US-Botschaft in Teheran. © afp/Kentare

Vietnam-Veteranen in Washington.

Vietnam-Veteranen in Washington.© ap/reu Vietnam-Veteranen in Washington.© ap/reu

Washington/Wien. "Es ist möglich, einen Menschen mit bloßen Händen zu töten, aber nur wenige sind geschickt genug, es zufriedenstellend auszuführen." Solche Ratschläge finden sich in dem 19 Seiten umfassenden CIA-Leitfaden über wirkungsvolle Attentate, den die Behörde selbst 1997 veröffentlicht hatte, im Zuge einer Freigabe von Dokumenten über die Intervention 1954 in Guatemala. Der US-amerikanische Geheimdienst rät darin potenziellen Attentätern zu scharfen oder schweren Haushaltsgeräten, um den Mord auszuführen. Aber man könne das Attentat auch wie einen Unfall aussehen lassen, da wäre es am einfachsten, wenn das Opfer aus einer Höhe von mindestens 75 Fuß (umgerechnet 23 Meter) auf einen harten Untergrund fällt. Vor Stürzen von Brücken ins Wasser warnt das CIA-Dokument: "Nicht zuverlässig".

Spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich der sogenannte Interventionismus als Säule der US-amerikanischen Außenpolitik gegenüber dem Isolationismus durchgesetzt. Die USA dürfen und sollen sich als internationale Krisen-Feuerwehr betätigen. Einerseits, weil sie die stärkste Macht der Hemisphäre sind. Andererseits, weil sich die westliche Welt mit den Idealen der USA identifizieren kann.


Unruhestifter Iran
Das war zumindest lange Zeit so. Unter Präsident Donald Trump spielen die USA nicht mehr die Rolle des Verteidigers der freien Welt. Im Gegenteil. Trump scheint der Schutz von Demokratie und Freiheit im globalen Maßstab kein großes Anliegen zu sein.

Immerhin hält er den Iran für den großen Unruhestifter im Nahen und Mittleren Osten - Soldaten einmarschieren lassen kann er in den Gottesstaat freilich nicht. Dass Trump das Regime in Teheran stürzen will, wird zwar vermutet, kann aber mit Recht bezweifelt werden. Trump und seine Berater würden eine Revolution im Gottesstaat mit Sicherheit begrüßen, für realistisch wird diese Option kurz- und mittelfristig aber nicht gehalten.

Den USA scheint es vielmehr darum zu gehen, Teheran durch eine harte Sanktionspolitik "weichzukochen" und dann an den Verhandlungstisch zu bekommen, um in der Atomfrage einen für die USA vorteilhaften "Deal" zu erreichen. Dass das kaum funktionieren wird, ist absehbar. Irans Präsident Hassan Rouhani hat in seiner letzten Rede klargemacht, dass man nicht mit einem Messer am Hals zum Verhandlungstisch schreiten werde.

Auch ist das Beispiel Nordkorea ein abschreckendes. Trump hat zuletzt in Singapur ein großes Treffen mit Kim Jong-un inszeniert. Die Berichte, die seitdem vorliegen, legen aber nahe, dass nichts dabei herausgekommen ist. Die in Aussicht gestellte Denuklearisierung Nordkoreas bleibt jedenfalls ein Wunschtraum.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




6 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-07 18:38:29
Letzte Änderung am 2018-08-07 18:54:53


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Auch Australien lehnt UNO-Migrationspakt ab
  2. Türkis-blaues Werben um Israels Gunst
  3. Zustimmung vieler Länder zum UN-Migrationspakt ungewiss
  4. Muzicant sieht Juden in Europa "am Scheideweg"
  5. Nun 81 Tote bei "Camp"-Feuer in Kalifornien
  6. Die Schlacht ums Land
  7. Webseite veröffentlicht angebliche Zitate vom Mord

Werbung




Werbung