• vom 04.09.2018, 18:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 04.09.2018, 21:21 Uhr

Syrien-Konflikt

Bevölkerung im Fadenkreuz




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"Die verbleibenden Einrichtungen sind weder ausreichend ausgestattet noch vorbereitet auf eine massive Zunahme der Patienten", sagte ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). "Jede Offensive wird die bereits prekäre Situation verschlimmern." Besonders ein Chemiewaffenangriff dürfte die Kliniken überfordern. Beide Konfliktparteien werfen sich seit Wochen vor, solche Attacken zu planen.

In der Region sind zwei Millionen Menschen auf Hilfslieferungen angewiesen, wovon die meisten über die türkischen Grenzübergänge Bab al-Hawa und Bab al-Salam gebracht werden. Im Fall einer Offensive und der Schließung der Grenze zur Türkei könnten die Hilfslieferungen unterbrochen werden, befürchtet der IKRK-Sprecher. Zudem könnten die Kämpfe die Hilfsorganisationen zwingen, ihre Mitarbeiter abzuziehen.

800.000 Flüchtlinge befürchtet

Große Sorge bereitet den Helfern zudem die Flüchtlingsfrage. Im Fall einer Militäroffensive Assads werden nach UNO-Schätzungen 800.000 Zivilisten aus Idlib zu entkommen versuchen. "Früher sind Leute aus Aleppo, Ost-Ghouta, Homs, Deraa nach Idlib gebracht worden", sagt Sedun Alsubi, Leiter der Union of Medical Care and Relief Organisations. "Doch wo sollen die Leute in Idlib nun hin? Nach Idlib gibt es kein anderes Idlib mehr."

Die Türkei hat ihre Grenze schon 2015 für Flüchtlinge dicht gemacht und will unbedingt verhindern, dass weitere ins Land kommen, denn dort leben bereits 3,5 Millionen Syrer. Insbesondere hat sie kein Interesse, die Extremisten der Dschihadistenallianz Hajat Tahrir al-Sham (HTS) aufzunehmen, die den Großteil von Idlib kontrollieren und unter denen auch tausende Tschetschenen, Zentralasiaten und andere ausländische Kämpfer sein sollen. Die Türkei ist daher seit Wochen in Verhandlungen mit Russland und dem Iran, um eine Offensive doch noch zu verhindern. Für Freitag ist in der iranischen Hauptstadt Teheran ein Gipfel der Präsidenten der Türkei, des Iran und Russland angesetzt. Dort wird sich wohl das Los der Menschen in Idlib entscheiden.

Israelische Angriffe

Derweil griffen israelische Kampfflugzeuge am Dienstag Militärstellungen im Nordwesten Syriens an. Die Angriffe hätten Militäreinrichtungen in den Provinzen Tartous und Hama gegolten, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf Militärkreise. Allerdings habe die Luftabwehr mehrere Raketen abgefangen. Das von Raketen getroffene Hama liegt rund 100 Kilometer südlich von Idlib.


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Dokument erstellt am 2018-09-04 18:12:02
Letzte Änderung am 2018-09-04 21:21:29


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