• vom 05.09.2018, 10:24 Uhr

Weltpolitik

Update: 05.09.2018, 12:15 Uhr

Sachbuch

"Nervenzusammenbruch" im Weißen Haus




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Von WZ Online, APA, AFP, Reuters

  • Neues Buch des legendären Watergate-Reporter Bob Woodward charakterisiert Trump als wütend und paranoid.

Das Buch "Fear: Trump in the White House" ist ab 11. September erhältlich.

Das Buch "Fear: Trump in the White House" ist ab 11. September erhältlich.© APAweb / AP, Simon & Schuster Das Buch "Fear: Trump in the White House" ist ab 11. September erhältlich.© APAweb / AP, Simon & Schuster

Washington. Ein neues Enthüllungsbuch über das Weiße Haus setzt US-Präsident Donald Trump weiter unter Druck. US-Reporterlegende Bob Woodward charakterisiert Trump in seinem Buch "Fear: Trump in the White House" (Angst: Trump im Weißen Haus) als paranoiden Ignoranten, dessen Mitarbeiter ständig versuchen, ihren Chef davon abzuhalten, das Welthandelssystem zu zerstören, die nationale Sicherheit zu untergraben und Kriege anzuzetteln. Das Weiße Haus sprach von "erfundenen Geschichten".

Einer der angesehensten Journalisten in den USA

Woodwards Buch erscheint offiziell am 11. September, die "Washington Post", deren Mitherausgeber Woodward ist, veröffentlichte am Dienstag aber bereits im Voraus Auszüge. Zwar ist Woodwards Buch nicht das erste, welches die Zustände im Weißen Haus unter Trump beschreibt, es hat aber besonderes Gewicht, da Woodward als einer der angesehensten Journalisten der USA gilt.

Woodward nennt seine Quellen nicht, führte nach eigenen Angaben aber Gespräche mit zahlreichen aktuellen und ehemaligen Trump-Mitarbeitern. Seinen Schilderungen zufolge versuchen die Mitarbeiter des Präsidenten ständig, ihren Chef unter Kontrolle zu bringen, und missachten seine Anweisungen.


Trump soll den Mord von Assad gefordert haben

Woodward berichtet, Trump dränge seine Mitarbeiter ständig zu Aktionen, die schwere Konflikte zur Folge hätten - so dass sie sich gezwungen sähen, seine Anweisungen zu ignorieren. Das Weiße Haus befinde sich ständig im Zustand eines "Nervenzusammenbruchs".

So habe Trump die Tötung des syrischen Machthabers Bashar al-Assad gefordert. Trump habe nach einem Giftgasangriff auf Zivilisten in Syrien im April 2017 seinem Verteidigungsminister James Mattis gesagt, er wolle, dass Assad getötet werde, schreibt Woodward in dem Buch "Angst - Trump im Weißen Haus". Mattis habe daraufhin gesagt, er werde sich darum kümmern, habe aber lediglich einen Plan für begrenzte Luftangriffe entworfen, die Assad selbst nicht bedrohten. Trump wies die Darstellung am Dienstag ebenso wie Mattis zurück.

Einer Schilderung zufolge fragte der US-Präsident im Jänner seinen Nationalen Sicherheitsrat, warum sich die USA eine teure Militärpräsenz auf der koreanischen Halbinsel leisteten. "Wir machen das, um den dritten Weltkrieg zu vermeiden", klärte ihn Mattis daraufhin auf. Laut Woodward sagte Mattis nach dem Treffen, Trump habe den Verstand "eines Fünft- oder Sechstklässlers".

Trumps Berater ignorieren und sabotieren seine Anweisungen

Doch laut Woodward ignorieren Trumps Berater nicht nur seine Anweisungen, sondern sabotieren sie zum Teil auch. So berichtet der Autor vom ehemaligen Wirtschaftsberater Gary Cohn, der im vergangenen Jahr eine Anweisung vom Schreibtisch des Präsidenten habe verschwinden lassen. Hätte Trump sie unterschrieben, wäre das Handelsabkommen der USA mit Südkorea den Angaben zufolge aufgelöst gewesen.

Woodward zufolge haben einige Kabinettsmitglieder für ihren Chef nur Verachtung übrig. Stabschef John Kelly habe Trump Kollegen gegenüber als "Idioten" bezeichnet. "Ich weiß noch nicht einmal, warum wir alle hier sind. Das ist der schlimmste Job, den ich jemals hatte", fügte Kelly demnach hinzu. Es sei "sinnlos zu versuchen", Trump "von irgendetwas zu überzeugen", der Präsident sei "außer Kontrolle".

Besonders delikat ist eine Anekdote über Trumps Ex-Anwalt John Dowd, der dem Präsidenten nach einem Testverhör dringend davon abgeraten habe, in der Untersuchung von FBI-Sonderermittler Robert Mueller zur Einflussnahme Russlands auf die US-Präsidentenwahl zugunsten Trumps auszusagen. "Ich werde nicht die Hände in den Schoß legen und ihn als Idioten dastehen lassen", sagte der Anwalt demnach.

Das Weiße Haus sprach am Dienstag von "erfundenen Geschichten". Trump selbst warf Woodward vor, Zitate "erfunden" zu haben. Woodward sei Demokrat, es sei kein Zufall, dass das Buch kurz vor den Kongresswahlen im November erscheine, so der Republikaner. Im Kurzbotschaftendienst Twitter veröffentlichte der Präsident Erklärungen von Mattis, Kelly und seiner Sprecherin Sarah Sanders, in denen diese die ihnen zugeschriebenen Zitate zurückwiesen.

Mattis selbst veröffentlichte eine Erklärung, in denen er die ihm zugeschriebenen "verächtlichen Worte über den Präsidenten" zurückwies. Woodwards "anonyme Quellen" verliehen dem Buch "keine Glaubwürdigkeit".

Woodward und sein Reporter-Kollege Carl Bernstein hatten mit ihren Enthüllungen in der Watergate-Affäre 1974 zum Rücktritt des damaligen Präsidenten Richard Nixon beigetragen. Woodward veröffentlichte seitdem wirkungsvolle und oft peinliche Enthüllungsbücher über die Präsidenten George W. Bush und Barack Obama. Letzteres war von Trump 2013 gelobt worden.




Schlagwörter

Sachbuch, Watergate, Donald Trump

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-05 10:25:43
Letzte Änderung am 2018-09-05 12:15:15


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