• vom 06.09.2018, 17:45 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.09.2018, 18:12 Uhr

Donald Trump

Keine Diener ihres Herrn




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  • Offenbar unterlaufen seine engsten Mitarbeiter die Befehle von Donald Trump.

Trump reagiert mit einer wütenden Rede auf den Beitrag in der "New York Times". - © reuters/Leah Millis

Trump reagiert mit einer wütenden Rede auf den Beitrag in der "New York Times". © reuters/Leah Millis

Washington/Wien. (klh) Die Sheriffs sind noch Fans des Präsidenten. Zumindest die, die Donald Trump im Weißen Haus empfangen hat. Mit Applaus, Gelächter und Jubel begleiteten sie eine Rede, die der Präsident vor ihnen hielt und die war, wie Trump-Reden zumeist sind: Eine Mischung aus Eigenlob und wütenden Angriffen auf seine Gegner, zuvorderst die "verlogenen Medien".

Das Selbstlob: "Nie hat eine Administration in eineinhalb Jahren so viel erreicht." Die Arbeitslosigkeit sei gering wie noch nie, die Steuersenkungen hätten gerade Leuten wie den versammelten Sheriffs genützt. Deshalb werde niemand bei den nächsten Wahlen auch nur annähernd eine Chance gegen ihn haben, meinte Trump. Und wenn er, in sechseinhalb Jahren, nicht mehr Präsident sein wird, dann werde es "New York Times" oder "CNN" nicht mehr geben, weil sich niemand mehr für sie interessiert.


Der Grund für Trumps Zorn war ein Artikel in der "New York Times". In einer ungewöhnlichen Aktion hatte sich die Zeitung entschlossen, einen anonymen Gastkommentar zu veröffentlichen. Der Autor habe darum gebeten, weil er ein führender Beamter der Trump-Administration sei.

Trump sei amoralisch
Was er verbreitet, würde ihm sicher seinen Job kosten und vielleicht auch eine Anklage einbringen, wenn sein Name bekannt wäre. "Hochverrat?", twitterte Trump bereits. Denn laut dem Beitrag würde eine Gruppe hochrangiger Beamter gezielt daran arbeiten, die Anweisungen Trumps zu unterwandern. "Das Dilemma - welches er nicht ganz begreift - ist, dass viele ranghohe Beamte seiner eigenen Regierung unablässig daran arbeiten, Teile seiner Politik und seiner schlimmsten Einfälle zu vereiteln", heißt es.

Der Autor räumt auch gleich ein, dass er keineswegs Teil eines linken Widerstands sei, sondern überzeugter Republikaner. Deren Ideale seien "freies Denken, freie Märkte und freie Menschen". Trump hingegen schere sich nicht um solche Prinzipien. Vielmehr sei die Wurzel des Problems "die Amoralität des Präsidenten". Trump besitze keine moralischen Leitlinien, "seine Impulsivität führt zu unausgegorenen, von Unkenntnis geprägten und gelegentlich leichtsinnigen Entscheidungen, die revidiert werden müssen". Man unterlaufe Trumps Befehle, um dem Wohl der Nation zu dienen.

"Zweigleisige Präsidentschaft"
Das Ergebnis sei eine "zweigleisige Präsidentschaft". Sehr anschaulich, und darauf verweist der Autor auch, ist das in der Russland-Politik zu sehen. Während Trump Wladimir Putin schätzt, sorgen Beamte und Kongress dafür, dass Moskau für seine Einmischung in den US-Wahlkampf sanktioniert wird.

Trumps charakterliche Schwächen wurde schon von vielen früheren Mitarbeitern und Biographen thematisiert. Neu aufgetaucht ist nun hingegen der Aspekt, dass selbst viele eigene Mitarbeiter Trump sabotieren. Dies hat auch der Enthüllungsreporter Bob Woodward thematisiert, der erste Vorabdrücke seines Buches über Trump diese Woche in der "Washington Post" veröffentlichte.

Beobachter befürchten nun, dass Trumps Politik noch erratischer wird, er sich von Feinden umzingelt sieht und es erneut Entlassungen setzen wird. Treffen könnte es etwa Vizepräsident Mike Pence, der immer wieder versuchte, Trumps Politik auszugleichen und auch als einer der möglichen Autoren des Beitrags gilt - was Pence freilich sofort dementierte.

Trump wütete auch auf Twitter gegen die "verlogenen Medien". Genau mit dieser Polarisierung hat er seine Anhängerschaft hinter sich geschart. Trump versucht gar nicht, ein Präsident für alle Amerikaner zu sein, sondern ein bestimmtes Lager zusammenzuhalten - auch durch die Bedienung von Feindbildern.

Mit diesem Aspekt endet auch der Beitrag in der "New York Times". Er ruft dazu auf, dass sich die US-Bürger im Sinne des vor kurzem verstorbenen Senators John McCain nicht spalten lassen, sondern als Amerikaner zusammenstehen sollen.




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Dokument erstellt am 2018-09-06 17:54:00
Letzte Änderung am 2018-09-06 18:12:57


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