• vom 06.09.2018, 17:48 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.09.2018, 20:51 Uhr

Fall Skripal

"Putin ist verantwortlich"




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  • Großbritannien legt im Fall Skripal noch einmal nach und erhält Unterstützung von den Verbündeten.

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in kritischem Zustand auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden. Kampfstoff-Experten suchten das Areal im Anschluss tagelang nach Spuren ab.

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in kritischem Zustand auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden. Kampfstoff-Experten suchten das Areal im Anschluss tagelang nach Spuren ab.© afp Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in kritischem Zustand auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden. Kampfstoff-Experten suchten das Areal im Anschluss tagelang nach Spuren ab.© afp

London/Moskau. Nur wenige Stunden vor der Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats zum Fall Sergej Skripal am Donnerstagabend hat die britsche Regierung ihren Ton gegenüber Russland noch einmal verschärft. Die Verantwortung für den Giftanschlag auf den übergelaufenen Ex-Agenten liege "letzten Endes" bei Wladimir Putin, weil er der Präsident des Landes ist und seine Regierung "den Militärgeheimdienst kontrolliert, finanziert und steuert", sagte der britische Staatssekretär für Sicherheitsfragen, Ben Wallace, am Donnerstag in der BBC. Der russische Geheimdienst arbeite nicht auf eigene Faust, argumentierte Wallace. Die Verbindungen des Dienstes reichten über das Verteidigungsministerium und den Generalstab "bis in den Kreml und das Büro des Präsidenten".

Am Vortag war bekannt geworden, dass die britische Polizei zwei Mitarbeiter von Russlands Militärgeheimdienst per Haftbefehl sucht. Die Männer seien Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes GRU und hätten bei dem Giftanschlag höchstwahrscheinlich im Auftrag der russischen Regierung gehandelt, sagte Premierministerin Theresa May im Parlament. Dieser Sichtweise schlossen sich am Donnerstag auch Deutschland, Frankreich, Kanada und die USA an. In einer gemeinsamen Stellungnahme der Staats- und Regierungschefs hieß es, sie hätten "volles Vertrauen in die britische Einschätzung". Eine ähnliche Erklärung zu vorläufigen britischen Ermittlungsergebnissen hatte im März zur Ausweisung von russischen Diplomaten aus zahlreichen westlichen Ländern geführt, auf die Moskau seinerseits mit der Ausweisung von Botschaftsangehörigen reagierte.


Am Donnerstag sprach die russische Regierung von einer Provokation und erklärte, ihr seien die von Großbritannien verdächtigten Männer nicht bekannt. "Weder die oberste Führungsebene noch die Ebene darunter hat irgendetwas mit den Ereignissen in Salisbury zu tun", sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow.

Warnung an andere Russen?
Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März im südenglischen Salisbury durch das in der Sowjetunion entwickelte Nervengift Nowitschok schwer verletzt worden und nur knapp dem Tode entronnen. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Gift an die Haustür der Skripals geschmiert wurde. Nach Angaben der britischen Anti-Terror-Polizei reisten die beiden Verdächtigen unter den Namen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow zwei Tage vor dem Anschlag Anfang März nach Großbritannien ein und flogen wenige Stunden nach der Attacke nach Moskau zurück.

Wie die für ihre investigativen Recherchen bekannte russische Nachrichten-Website "Fontanka" am Donnerstag berichtete, waren die mutmaßlichen Agenten aber schon vor dem Anschlag auf Skripal häufig in west- und südeuropäische Länder gereist. So sollen die beiden Männer zwischen September 2016 und März 2018 mehrfach in Genf, Mailand und Paris gewesen sein. Zumindest einmal soll eine Person mit dem Namen Petrow auch nach London geflogen sein. Skripal ist ehemaliger GRU-Offizier und hat als Doppelagent zahlreiche russische Spione an den britischen Geheimdienst MI6 verraten. Dafür war er in Russland zu langer Haft verurteilt worden. Er kam im Zuge eines Gefangenenaustauschs frei und lebte seitdem in England. Die britische Regierung vermutet, dass der Anschlag auf den 67-Jährigen eine Botschaft an andere Russen im Ausland war. In den vergangenen Monaten hatten Experten allerdings immer wieder die Frage aufgeworfen, warum die Russen dabei ausgerechnet das Nervengift Nowitschok, das so eindeutig mit der Sowjetunion in Verbindung steht, zum Einsatz gebracht haben sollen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 17:57:11
Letzte Änderung am 2018-09-06 20:51:01


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