• vom 06.09.2018, 18:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.09.2018, 18:33 Uhr

Syrien

Ende in Idlib




  • Artikel
  • Kommentare (8)
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Michael Schmölzer

  • Mit der Schlacht um die letzte Rebellen-Enklave hat der finale Akt im syrischen Drama begonnen.



Ein Rebell der Nationalen Befreiungsfront, die von der Türkei unterstützt wird, in Idlib.

Ein Rebell der Nationalen Befreiungsfront, die von der Türkei unterstützt wird, in Idlib.© afp/Manoukian Ein Rebell der Nationalen Befreiungsfront, die von der Türkei unterstützt wird, in Idlib.© afp/Manoukian

Wien/Damaskus. Für viele der fast drei Millionen Zivilisten in der Provinz Idlib ist es so, als würden sie nur noch auf die Vollstreckung ihrer Todesstrafe warten: Die syrische Armee, unterstützt von der russischen Luftwaffe und iranischen Kräften am Boden setzt zum finalen Schlag gegen die Feinde von Staatschef Bashar al-Assad an.

Die Kämpfe haben begonnen. Nachdem Stellungen der Rebellen aus der Luft bombardiert worden waren, hat die Armee ihre Geschütze ausgerichtet. Sie ist dabei, das finale Kapitel im syrischen Bürgerkrieg zu schließen.

Idlib ist die letzte Provinz in Syrien, die noch von Assad-Gegnern gehalten wird. Viele Tausende Rebellen haben sich in den letzten Jahren mit ihren Familien dorthin zurückgezogen. Insgesamt, so lauten die Schätzungen, befinden sich dort 1,5 Millionen Binnenvertriebene. Immer, wenn die militärische Lage für die syrischen Rebellen aussichtslos geworden war - etwa im Kampf um Aleppo oder auch um Ost-Ghouta - wurden sie mit ihren Familien per Bus im Konvoi dorthin gebracht. Schwere Waffen mussten sie zurücklassen, leichte durften sie mitnehmen.

"Last Exit" geschlossen

Nun drängt sich das letzte Aufgebot in der Provinz, doch auch dieser "last Exit" wird geschlossen. Die Verteidiger der Region sind den Angreifern militärisch hoffnungslos unterlegen, doch das Ende wird langsam kommen. Das französische Militär rechnet damit, dass die Kämpfe erst in ein paar Monaten vorbei sind.

Auch Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Mainz, ist sich in einer Stellungnahme gegenüber der "Wiener Zeitung" sicher, dass die Sache militärisch entschieden ist. Angesichts ihrer Überlegenheit könne die syrische Armee auch gar kein Interesse am Einsatz von Chemiewaffen haben, meint Meyer. Er weist darauf hin, dass die Rebellen der islamistischen "Hajat Tahrir al-Sham" laut UNO-Einschätzung sehr wohl Fähigkeiten zum Einsatz von Chemiewaffen hätten. Durch diese geächtete Maßnahme gegen Zivilisten ließe sich ein militärisches Eingreifen der USA, eventuell auch Frankreichs provozieren, gibt der Wissenschafter zu bedenken. Am Donnerstag hat Frankreich Assad mit einem Militärschlag gedroht, sollte Giftgas zum Einsatz kommen.

Ableger der Al Kaida

Bei "Hajat Tahrir al-Sham" handelt es sich nicht um Waisenknaben: Besser bekannt ist die militärisch starke und fanatisierte Truppe unter der Bezeichnung "Al Nusra Front" - ein früherer Ableger der Al Kaida. Also jener Terrorgruppe, die unter anderem für die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA verantwortlich zeichnet. "Hajat Tahrir al-Sham" entstand durch den Zusammenschluss verschiedener islamistischer Gruppierungen, gemeinsam kontrolliert man rund 60 Prozent der Provinz Idlib. Bei den meisten der rund 10.000 Kämpfer - exakte Zahlen liegen nicht vor - handelt es sich um Syrer, 20 Prozent sollen Ausländer sein, darunter viele Tschetschenen und Zentralasiaten. Anders als der IS haben sie sich stets auf den Kampf gegen das Regime Assad konzentriert und keine Anschläge im Ausland verübt.




weiterlesen auf Seite 2 von 3




8 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 18:09:03
Letzte Änderung am 2018-09-06 18:33:39


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Basra brennt - Aufstand der Jungen im Irak
  2. "Unilaterale und radikal nationalistische Politik"
  3. Das Focaccia-Problem
  4. Ford will doch gegen Kavanaugh aussagen
  5. Trump entfacht neuen Proteststurm
  6. Dalai Lama für Heimkehr nach Ende der Gefahr
  7. Warten auf den Sturm

Werbung




Werbung