• vom 06.09.2018, 18:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.09.2018, 18:33 Uhr

Syrien

Ende in Idlib




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Dass die Terrorgruppe langfristig eine Gefahr darstellt, wird weder von den USA, noch von europäischen Mächten wie Deutschland bestritten. Kanzlerin Angela Merkel zeigte zuletzt im RTL-Sommerinterview Verständnis für Angriffe auf die islamistischen Milizen. Zugleich müsse aber eine humanitäre Katastrophe in Idlib verhindert werden, sagte Merkel.

Angesichts dieser Ausgangslage zeigt man sich in Moskau selbstbewusst: Die westlichen Partner würden also verstehen, heißt es in Moskau, dass man die "Terroristennester" in der Region Idlib bekämpfen und vernichten müsse und dass dazu russische Hilfe notwendig sei. Erwiesen ist freilich, dass die russischen Luftangriffe bei ähnlichen Offensiven in der Vergangenheit stets zahllose unschuldige Zivilisten das Leben gekostet haben.

Das ist im Fall Idlibs nicht anders. Allein an diesem Dienstag haben russische Kampfjets 40 Luftangriffe geflogen, dabei sollen mindestens zwölf Menschen getötet worden sein.

Gefährliche Mischung

Internationale Beobachter erwarten mit Schaudern das letzte Gefecht um Syrien. Bei den radikalislamistischen Verteidigern paaren sich Fanatismus und Alternativlosigkeit - eine gefährliche Mischung, wie man aus den Kämpfen gegen den IS im Iran und in Syrien weiß. Es steht zu befürchten, dass die Islamisten, auch unter Drogeneinfluss, bis zum letzten kämpfen und auch nicht davor zurückschrecken werden, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Anführer Abu Mohammed al-Jolani warnte seine Getreuen bereits, allein der Gedanke an Kapitulation sei "ein Akt des Verrats". Die finale Schlacht um die Stadt Idlib könnte eine humanitäre Katastrophe nach sich ziehen, die das 21. Jahrhundert so noch nicht erlebt hat.

Bemühungen der Türkei, die Islamisten zur Kapitulation zu bewegen und ein Massaker zu verhindern, sind bis dato gescheitert. Ankara kommt im Finale des syrischen Dramas eine tragende Rolle zu. Immerhin ist die türkische Armee gemeinsam mit syrischen und anderen Verbündeten im kurdischen Afrin einmarschiert, das etwas nördlich von Idlib liegt. Die Türkei fürchtet vor allem eine Ausweitung des kurdischen Einflusses in der Region, aber auch Bashar al-Assad ist Ankaras Erzfeind.

Türkei ist militärisch präsent

Dabei ist die Türkei in Idlib selbst militärisch präsent. Laut Experten hat Ankara dort zwölf "Beobachtungsposten" errichtet - de facto Militärstützpunkte mit rund 1000 türkischen Soldaten. Dazu kommt, dass Ankara versucht, verschiedene angeblich moderate Rebellengruppen zu einer "Nationalen Befreiungsfront" zusammenzuführen. Angeblich soll die von der Türkei geführte Truppe aus rund 35.000 Kämpfern bestehen. "Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirklich starke militärische Kraft die terroristischen Islamisten sind", sagt Jasmin Rupp, Nahost-Expertin im österreichischen Verteidigungsministerium, gegenüber der "Wiener Zeitung". Der Türkei gehe es darum, dass die ihr gegenüber loyalen Rebellen in Idlib nicht in die Hände das Assad-Regimes fielen und auch nicht vertrieben würden, meint Rupp.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 18:09:03
Letzte Änderung am 2018-09-06 18:33:39


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