• vom 07.09.2018, 17:01 Uhr

Weltpolitik

Update: 07.09.2018, 17:26 Uhr

Brasilien

Messerattentat erschüttert Brasiliens Wahlkampf




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  • Rechtspopulist Bolsonaro wurde niedergestochen und notoperiert.

Bolsonaro Sekunden nach dem Attentat. - © ap/Raysa Leite

Bolsonaro Sekunden nach dem Attentat. © ap/Raysa Leite

Brasilia/Wien. (tk/red) Der eine Favorit, Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva,ist im Gefängnis, der andere, der Ex-Offizier Jair Bolsonaro, bekommt ein Messer in den Bauch gerammt. Der Wahlkampf in Brasilien ist alles, nur nicht normal.

Bolsonaro ist am Donnerstagabend während einer Wahlkampfveranstaltung auf offener Straße mit einem Messer lebensgefährlich verletzt worden. Er sei erfolgreich operiert worden, sein Zustand bleibe aber kritisch, teilten Ärzte des Krankenhauses in der Stadt Juiz de Fora im südlichen Staat Minas Gerais mit.


Der rechtspopulistische Kandidat war unter anderem am Darm und einer Arterie verletzt worden und hatte viel Blut verloren. Den mutmaßlichen Angreifer nahm die Polizei noch am Ort des Anschlags fest. Der 40-Jährige habe aus "religiösen Gründen mit politischem Hintergrund" gehandelt, zitierte das Nachrichtenportal G1 der Globo-Gruppe den Anwalt des Festgenommenen.

Unklar war zunächst, ob der Ex-Militär seinen Wahlkampf fortsetzen kann. Er werde aber voraussichtlich wieder auf die Beine kommen, und das sogar rechtzeitig vor der Wahl am 7. Oktober, sagte einer der behandelnden Ärzte der Zeitung "O Globo".

Der Rechtspopulist wird der Donald Trump Südamerikas genannt. Die Strategen im Hintergrund arbeiten bereits mit Hochdruck an einer Märtyrer-Strategie.

Die Bilder direkt aus dem Operationssaal schmücken die Titelseiten der brasilianischen Zeitungen. Bolsonaro, ein Verfechter radikaler Lösungen wie der Bewaffnung der Bevölkerung zur Kriminalitätsbekämpfung, der auch vor Tabu-Brüchen wie Schwulenhass und Frauenfeindlichkeit nicht Halt macht, stammt aus der Einflusszone der mächtigen erzkonservativen evangelikalen Kirchen. Deren Anhänger riefen bereits zu Tausenden zum Gebet für ihren Helden auf.

Das Attentat wird auch Auswirkungen auf den Wahlkampf von Lula haben. Der im Land immer noch populäre Linkspolitiker sitzt in Haft, weil es die Justiz als erwiesen ansah, dass er der Korruption schuldig ist. Ein Luxus-Apartment und Bargeld soll Lula angenommen haben, der die Vorwürfe heftig bestreitet und von einer politischen Kampagne gegen ihn spricht. Vor ein paar Tagen erst verkündete das Oberste Wahlgericht in Brasilien das Aus für die Kandidatur von Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva.

Der Wahlkampf Lulas war - trotz einiger Indizien, die gegen ihn sprechen - ganz auf eine Opferrolle von Lulas Arbeiterpartei PT zugeschnitten und sollte nach dessen Aus als Kandidat auf dessen Nachfolgekandidaten Fernando Haddad übertragen werden. Und die Strategie der Partei, die wie alle anderen auch, tief im Korruptionssumpf steckt, schien aufzugehen. Bis jetzt. Denn nun hat der Wahlkampf ein neues Opfer.




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Dokument erstellt am 2018-09-07 17:12:01
Letzte Änderung am 2018-09-07 17:26:59


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