• vom 07.09.2018, 17:53 Uhr

Weltpolitik

Update: 07.09.2018, 18:06 Uhr

Idlib

Putin fordert Kapitulation Idlibs




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Für manche Gruppen gibt es einen Hoffnungsschimmer, erklärt Rupp: "Es könnte künftig einen Deal geben, wobei die Rebellen die Waffen abgeben und grundsätzlich bleiben dürfen, wo sie sind." Das wäre das Ziel der Türkei, sei aber nur auf jene Gruppen anwendbar, die nicht als dschihadistisch-terroristisch klassifiziert werden. Die radikalen Kämpfer der "Hayat Tahrir al-Sham" seien von allen Zugständnissen ausgenommen und würden in jedem Fall bis zur völligen Vernichtung bekämpft werden. "Die Türkei will den Russen und dem Iran schmackhaft machen: ‚Macht keine Offensive, wir kümmern uns um die Terroristen. Wir beseitigen sie, und zwar mit der Hilfe anderer, moderater Rebellengruppen‘", sagt Rupp.

Klar sei auch, dass das Assad-Regime, Russland und der Iran dem nicht zustimmen würden. Ziel des Regimes in Damaskus ist es, das ganze Territorium zurückzuerobern. Eine Rebellen-Hochburg, von wo aus russische Stützpunkte angegriffen werden können, wird hier nicht toleriert. Außerdem würde so ein Zugeständnis den Sieg Assads vereiteln.

Iran und Russland brauchen umfassenden Sieg
Der Iran braucht einen umfassenden Sieg in Idlib ebenso wie Russland. Das allein schon deshalb, um den enormen Aufwand zu rechtfertigen, den beide Länder in Syrien betreiben. Der militärische Einsatz kostet Moskau laut Schätzungen drei Millionen US-Dollar pro Tag. Dass sich die Gegensätze zwischen der Türkei und Russland und dem Iran gefährlich zuspitzen, ist nach dem Gipfel von Teheran auszuschließen. Immerhin einigte man sich auf eine, wenn auch dürre, gemeinsame Erklärung, wonach man gemeinsam Terroristen in Syrien vernichten wolle.

Die Türkei, so Rupp, sei außerdem unter bestimmten Bedingungen zum Einlenken bereit. Hier will man vor allem einen Flüchtlinsstrom ins Land verhindern. Wirklich prioritär ist für Ankara aber die Kurdenfrage. Es sei nicht unwahrscheinlich, so Rupp, dass auch die Kurden in den Kampf um Idlib einsteigen - und zwar auf der Seite der syrischen Armee. "Dabei geht es darum, wieder auf die nordsyrische Stadt Afrin vorstoßen, von wo die Kurden zuletzt von der Türkei vertrieben worden waren."

Der Kampf um Idlib wird für die Angreifer kein Spaziergang. Selbst wenn die Rebellen gegen die russischen Kampfjets keine Chance hätten: "Wo Rebellen gut sind, das ist die Guerilla-Taktik, der Häuserkampf", sagt Rupp. Die Kämpfe um Rakka und das irakische Mossul haben gezeigt, wie blutig ein monatelanger Straßenkampf gegen fanatisierte Verteidiger sein kann.

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Dokument erstellt am 2018-09-07 18:03:02
Letzte Änderung am 2018-09-07 18:06:22


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