• vom 12.09.2018, 07:05 Uhr

Weltpolitik


China und Russland

Eine ungleiche Partnerschaft




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  • Russland und China wollen ihre Wirtschaftsbeziehungen weiter ausbauen. Xi reiste eigens zu Gesprächen nach Wladiwostok.

Wladimir Putin und Xi Jinping in Wladiwostok. - © ap/Kudryavtsev

Wladimir Putin und Xi Jinping in Wladiwostok. © ap/Kudryavtsev

Wladiwostok. Nicht nur militärisch rücken Russland und China eng zusammen - auch die "strategische Partnerschaft" beider Länder in wirtschaftlichen und geopolitischen Belangen zelebrieren Kremlführer Wladimir Putin und Staatschef Xi Jinping gerne vor der Weltöffentlichkeit. Am Dienstag bot sich am Rande des Wirtschaftsforums in Wladiwostok eine weitere Gelegenheit. Einmal im Jahr wirbt Russland in der frostigen Hafenstadt im Fernen Osten um Handelspartner und Investoren. Heuer hatte sich erstmals auch Chinas Präsident zu dem Forum angesagt. Der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen der großen Nachbarländer stand dabei im Zentrum des Gesprächs mit Putin.

Mit einem Handelsvolumen von knapp 50 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2018 - ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres - kann sich der wirtschaftliche Austausch schon jetzt sehen lassen. Die 100 Milliarden Dollar-Marke dürfte heuer erstmals erreicht werden. Bis 2020 soll der Warenaustausch auf 200 Milliarden verdoppelt werden. Ein Ziel, das angesichts des langsamen Wirtschaftswachstums in Russland jedoch ehrgeizig erscheint.


Luft nach oben gibt es aber durchaus. Seit US-Präsident Donald Trump im Sommer Strafzölle gegen China verhängen ließ, sieht sich die zweigrößte Wirtschaftsmacht offensiv nach alternativen Wirtschaftspartnern um. Russland, das vor allem Öl und Gas nach China liefert, ächzt schon seit vier Jahren unter westlichen Sanktionen, die als Antwort auf die Annexion der Krim verhängt wurden. Die Strafmaßnahmen treffen vor allem Russlands wichtigen Energiesektor, auch der Zugang zu den globalen Finanzmärkten ist eingeschränkt. Moskau setzt hier auf eine enge Achse mit Peking.

Ende 2019 soll die neue Gaspipeline "Sila Sibirii" (Kraft Sibiriens) nach China in Betrieb genommen werden. Die russische Gazprom und der chinesische Partner CNPC hatten 2015 in Moskau nach zehnjährigen Verhandlungen ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet. Der Vertrag ist auf 30 Jahre ausgelegt. Der Deal hat ein Volumen von 400 Milliarden Dollar. Die 3000 Kilometer lange Pipeline soll nach Angaben von Gazprom eine Jahresleistung von 38 Milliarden Kubikmetern haben. China investiert zudem Milliarden Dollar in Russlands Ölriesen Rosneft, dank einer chinesischen Finanzspritze konnte Gazproms Flüssiggasanlage Yamal LNG im Norden Sibiriens heuer bereits die Arbeit aufnehmen. China liefert vor allem Textilien, Elektronik und Computer nach Russland.

Auch wenn sich die Wirtschaftsinteressen streckenweise decken - ein Verhältnis auf Augenhöhe, das Putin so gerne vom Westen einfordert, ist es nicht. Trotz aller bekundeter Nähe sieht Peking in Russland stets den Juniorpartner. So muss Russland das Gas, das es nach China pumpt, deutlich unter dem Preis verkaufen, den Europa zahlt. Auch macht Peking Moskau den Einfluss in Zentralasien streitig.




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Dokument erstellt am 2018-09-11 18:15:08


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