• vom 18.09.2018, 17:18 Uhr

Weltpolitik

Update: 18.09.2018, 18:00 Uhr

UNO

Die ganze Welt gibt sich ein Stelldichein




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • In New York beginnt nächste Woche die Vollversammlung der Vereinten Nationen.

Libyens damaliger Machthaber Gaddafi bei der UN-Vollversammlung 2009. - © reuters/Segar

Libyens damaliger Machthaber Gaddafi bei der UN-Vollversammlung 2009. © reuters/Segar

New York. Schaut zu, wie Geschichte gemacht wird!" Mit diesem Spruch wirbt die UNO für ihre Vollversammlung, für die in diesem Jahr zum 73. Mal Staats- und Regierungschefs aus aller Welt nach New York reisen. Aber in Zeiten von US-Präsident Donald Trump ist die Diplomatie in die Defensive gedrängt.

Neben Reden aller Vertreter während der Generaldebatte gibt es zahlreiche Treffen am Rande. Das sind diesmal die wichtigsten Themen Drogen, Syrienkrieg und das Iran-Atomabkommen. Ob Klimaschutz zu Sprache kommt, ist noch ungewiss - UN-Generalsekretär Antonio Guterres und der französische Präsident Emmanuel Macron versuchen, das Thema auf der Tagesordnung zu halten. Die USA verweigern in dieser Hinsicht jedoch jegliche Unterstützung.


Die Vollversammlung ist das zentrale Beratungsorgan der Vereinten Nationen, eine Art UN-Parlament. Alle 193 Mitgliedsstaaten sind darin vertreten. Das Gremium wählt unter anderem die nicht-ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates und ernennt auf dessen Empfehlung den UN-Generalsekretär.

Alle Mitgliedstaaten haben je eine Stimme. Die Vollversammlung kann auch aktiv werden, wenn der Sicherheitsrat durch das Veto eines ständigen Mitglieds blockiert ist, kann im Gegensatz zum Rat aber keine Sanktionen verhängen. Außer in Haushaltsfragen sind Resolutionen der Vollversammlung völkerrechtlich nicht bindend.

Da im Plenum fast die ganze Welt zu Gast ist, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu denkwürdigen Momenten bei den UN-Vollversammlungen, bei denen tatsächlich Geschichte gemacht wurde.

Chruschtschow und der Schuh
Eine der wohl bekanntesten UN-Legenden dreht sich um Nikita Chruschtschow und sein Schuhwerk. 1960 soll der damalige Regierungschef der Sowjetunion mit einem Schuh auf das Podest vor ihm gehauen haben, aus Protest gegen eine Diskussion über die mögliche Unabhängigkeit osteuropäischer Satelliten-Staaten. Allerdings bezweifeln manche UN-Experten, dass der Vorfall wirklich so passiert ist.

Mit umgeschnalltem Pistolenhalfter trat einst Palästinenserführer Jassir Arafat vor die Vollversammlung, um erstmals vor diesem Forum sein politisches Anliegen, die Gründung eines palästinensischen Staates, offiziell zu präsentieren. Die Rede Arafats 1974 war jedoch trotz drohender Untertöne ein wenig konzilianter, als der martialische Auftritt mit Freischärlerjacke erwarten ließ.

2012 sprach Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der Vollversammlung über die vom Iran ausgehende Gefahr - und wo Israels nicht zu überschreitende rote Linien liegen. Um seinen Punkt zu unterstreichen, hielt er ein Bild von einer Bombe hoch, durch die eine rote Linie lief. Im Internet sammelte er sich viel Spott ein, denn das Bild erinnerte an eine Cartoon-Bombe aus einem Comic-Heft.

Der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi reiste wiederum gerne mit seinem eigenen Beduinen-Zelt nach New York. 2009 fand er in der Millionenmetropole allerdings keinen Ort, um es aufzustellen. Gaddafi wollte sich ein Anwesen vom heutigen US-Präsidenten Donald Trump in New Jersey mieten, doch auch der verbot ihm dort das Aufstellen seines Zeltes.

"Es riecht nach Schwefel"
2006 sprach Venezuelas Präsident Hugo Chavez vor der Vollversammlung - und begann mit einer Attacke auf US-Präsident George W. Bush, der am Vortag seine Rede gehalten hatte. "Der Teufel war gestern hier - es riecht immer noch nach Schwefel."

Lang, länger, Fidel Castro: So gut wie jeder überzieht bei der Generaldebatte die vorgegebenen 15 Minuten Redezeit, das hat schon Tradition. US-Präsident Barack Obama sprach meistens rund eine Dreiviertelstunde, Libyens Machthaber Gaddafi brachte es 2009 auf 96 Minuten - aber den Rekord hält der kubanische Machthaber Fidel Castro: 269 Minuten redete er 1960.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-09-18 17:27:13
Letzte Änderung am 2018-09-18 18:00:25



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Den chinesischen Giganten im Nacken
  2. Trumps autoritäre Schattengefechte
  3. Das Match der alten Männer
  4. Trump will Gefolgschaft,
    Merkel Kooperation
  5. Masern-Epidemie wütet in Madagaskar
  6. Wahlen in Nigeria in letzter Minute verschoben
  7. Outback versinkt in Jahrhundertflut

Werbung




Werbung