• vom 19.09.2018, 07:44 Uhr

Weltpolitik

Update: 19.09.2018, 08:43 Uhr

Korea-Gipfel

Kim will Atomstätten unter Aufsicht schließen




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Von WZ Online, APA, dpa, AFP, Reuters

  • US-Präsident Trump hält Gipfel-Vereinbarung für "sehr spannend".

Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in (links) und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un gehen weiter aufeinander zu. - © APAweb / AFP, Pyeongyang Press Corps

Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in (links) und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un gehen weiter aufeinander zu. © APAweb / AFP, Pyeongyang Press Corps

Pjöngjang. In die Bemühungen für eine atomare Abrüstung Nordkoreas kommt Bewegung. Auf dem Gipfel mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in in Pjöngjang sagte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un nach südkoreanischen Angaben am Mittwoch zu, seine wichtigste Atomanlage in Yongbyon zu schließen und auch internationale Inspekteure ins Land zu lassen.

Nach Angaben Moons sagte Nordkorea bei dem Gipfel zudem die dauerhafte Schließung des Raketentestgeländes Tongchang Ri zu. Auch eine dortige Abschusseinrichtung werde stillgelegt. Dies solle "in Anwesenheit von Experten aus relevanten Ländern" geschehen. Voraussetzung seien Zugeständnisse auch der USA. US-Experten hatten im Juli behauptet, Nordkorea habe bereits mit der Demontage wichtiger Teile der umstrittenen Raketenstartanlage begonnen.

Kim kündigte "baldigen" Besuch in Südkorea an 

Auch will Kim nach eigenen Angaben "bald" Seoul besuchen, wie er nach der zweiten Runde der Verhandlungen auf dem dreitägigen Gipfel in der nordkoreanischen Hauptstadt gemeinsam mit Moon mitteilte. Es wäre der erste solche Besuch eines nordkoreanischen Machthabers seit der Teilung der Koreanischen Halbinsel vor fast 70 Jahren. Beide koreanischen Staaten wollten sich auch gemeinsam um die Austragung der Olympischen Spiele 2032 bewerben, erklärte Moon.

Unklar ist allerdings, wann und wie der Abbau der Atomanlage genau passieren soll, und was Kim im Gegenzug für sein Entgegenkommen erwartet. Zuvor hatten beide Führer eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Anschließend unterschrieben auch die beiden Verteidigungsminister ein Abkommen zur Verringerung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Aus dem Abkommen geht hervor, dass Nord- und Südkorea verschiedene Puffer- und auch Flugverbotszonen nahe der schwer bewachten Grenze einrichten wollen. Beide Seiten wollen demnach ab 1. November nahe der Grenze auch auf den jeweiligen Nachbarn abzielende Militärübungen einstellen. Mit den Flugverbotszonen im Grenzgebiet sollten ungewollte Zwischenfälle vermieden werden. In einer Pufferzone im Gelben Meer wollten beide Seiten auch Schießübungen und Marinemanöver aussetzen.

Moon: "Atomwaffenfreie Halbinsel nicht mehr allzu weit entfernt"

Weitere Schritte seien möglich, darunter auch die Schließung des wichtigsten Nuklear-Komplexes Yongbyon, wenn die USA im Gegenzug auch zu einem Entgegenkommen bereit seien. In dem Komplex stehen ein Atomreaktor und eine Wiederaufbereitungsanlage, die atomwaffenfähiges Plutonium erzeugen können, sowie eine Anlage zur Anreicherung von Uran, das ebenfalls zum Atomwaffenbau verwendet werden kann.

Moon sagte, eine atomwaffenfreie Halbinsel sei nicht mehr allzu weit entfernt. Beide Führer betonten, ihre Bemühungen verstärken zu wollen, um die koreanische Halbinsel von Atomwaffen zu befreien.

Kim und Moon hatten zuvor ihre zweite Gesprächsrunde über atomare Abrüstung, eine dauerhafte Friedenslösung und eine Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen beendet. Nach den ersten Verhandlungen am Vortag in der Zentrale der Arbeiterpartei fand die zweite Runde am Mittwoch im Staatsgästehaus Paekhwawon statt, wo Moon übernachtet.

Stockende Verhandlungen zwischen Nordkorea und den USA

Es ist der dritte Korea-Gipfel in diesem Jahr und der erste zwischen Moon und Kim in Pjöngjang. Südkoreas Präsident will die stockenden Verhandlungen zwischen Nordkorea und den USA wieder in Gang bringen. Kim hatte wiederholt seine Bereitschaft zur "Denuklearisierung" bekräftigt. Doch war bisher unklar, wie und bis wann atomar abgerüstet wird und wie die Gegenleistung der USA aussehen sollte. Kim sagte auch nichts über den Abbau seines bestehenden Atom- und Raketenarsenals. Das ist eine wichtige Forderung der USA.

US-Präsident Donald Trump hat die jüngsten Vereinbarungen beim Gipfel zwischen Nord- und Südkorea in einer ersten Reaktion als "sehr spannend" bezeichnet. Trump erwähnte zudem, dass die Kontrollen der Atomanlagen unter dem Vorbehalt "finaler Verhandlungen" stünden. Die USA hofften auf "bedeutende und überprüfbare" Schritte in Richtung einer atomaren Abrüstung, hatte die Sprecherin des Außenministeriums in Washington vor Verkündung der Zwischenergebnisse in Pjöngjang gesagt. Der Gipfel sei eine "historische Gelegenheit" für Kim, die bei den Gipfeln mit US-Präsident Donald Trump im Juni in Singapur und mit Moon im April und Mai im Grenzort Panmunjom eingegangenen Zusagen umzusetzen.

Internationale Sanktionen weiterhin wichtig

Die Außenminister Südkoreas und der USA hatten vor dem Gipfel betont, wie wichtig es sei, den Druck durch die internationalen Sanktionen aufrechtzuerhalten, bis eine "endgültige, komplett nachweisbare Denuklearisierung" erreicht sei. Südkoreas Präsident wird Trump nächste Woche am Rande der UN-Vollversammlung in New York treffen und über die Ergebnisse des Gipfels unterrichten.

Am Mittwochabend wollte Moon im größten Stadion von Pjöngjang "Massenspiele" besuchen. Bei diesem Propagandaspektakel präsentieren Zehntausende Darsteller ein Programm aus Gesang, Tanz, Akrobatik und rhythmischer Gymnastik. Der Gipfel soll am Donnerstag enden, doch hängt das Programm für den dritten Tag von den Ergebnissen ab, wie ein südkoreanischer Sprecher sagte.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-19 08:03:42
Letzte Änderung am 2018-09-19 08:43:53


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