• vom 08.10.2018, 08:01 Uhr

Weltpolitik

Update: 08.10.2018, 13:50 Uhr

Erderwärmung

Weltklimarat schlägt Alarm




  • Artikel
  • Kommentare (20)
  • Lesenswert (13)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, AFP, dpa

  • Die Auswirkungen der Erwärmung sind größer als gedacht. Van der Bellen warnt vor "dramatischen Folgen".

Der Boden eines, durch die lang anhaltende Hitze, ausgetrockneten Flussbetts in Salzburg.

Der Boden eines, durch die lang anhaltende Hitze, ausgetrockneten Flussbetts in Salzburg.© APAweb / Gindl Barbara Der Boden eines, durch die lang anhaltende Hitze, ausgetrockneten Flussbetts in Salzburg.© APAweb / Gindl Barbara

Incheon. Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau ist nur noch erreichbar durch "schnelles und weitreichendes" Handeln. Dies ist eine der Kernaussagen eines Sonderberichts des Weltklimarats IPCC, der am Montag im südkoreanischen Incheon veröffentlicht wurde.

Das Erreichen genau dieses 1,5-Grad-Ziels ist demnach erforderlich, um schwerwiegende Folgen für das Leben auf der Erde noch zu vermeiden. Der globale Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) müsste demnach von 2010 bis 2030 um 45 Prozent fallen und im Jahr 2050 Null erreichen.

Extremwetter, steigende Meeresspiegel, schwindendes arktisches Meereis

"Eine der Kernaussagen des Berichts ist: Wir sehen derzeit bereits die Konsequenzen von einem Grad Erderwärmung wie mehr Extremwetter, steigende Meeresspiegel, schwindendes arktisches Meereis und andere Veränderungen", sagte der Co-Vorsitzende einer IPCC-Arbeitsgruppe, Panmao Zhai.

EU-Treibhausgas-Reduktionsziele in ausgewählten EU-Ländern, im Vergleich mit der IPCC-Prognose.

EU-Treibhausgas-Reduktionsziele in ausgewählten EU-Ländern, im Vergleich mit der IPCC-Prognose.© APAweb EU-Treibhausgas-Reduktionsziele in ausgewählten EU-Ländern, im Vergleich mit der IPCC-Prognose.© APAweb

Im Klimaabkommen von Paris hatten sich die Länder Ende 2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. Letzteres hatten vor allem die kleinen Inselstaaten gefordert. Der Sonderbericht des IPCC ist auch Grundlage für die Weltklimakonferenz im Dezember im polnischen Kattowitz.

Auswirkungen der Erwärmung schlimmer als gedacht

Während jedoch früher davon ausgegangen wurde, dass bei einer Erwärmung um zwei Grad die Folgen der Erderwärmung noch halbwegs kontrollierbar sein dürften, äußern die Wissenschaftler daran nun deutliche Zweifel und drängen daher auf entschiedeneres Handeln. "Jede weitere Erwärmung, besonders über 1,5 Grad hinaus, vergrößert die Gefahr langanhaltender oder nicht mehr umkehrbarer Veränderungen so wie dem Verlust von Öko-Systemen", erklärte dazu der Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe II des IPCC, der Kieler Klimaforscher Hans-Otto Pörtner.

Die Kosten für das notwendige Umsteuern wären der Zusammenfassung des 400-Seiten-Berichts, an dem 91 Autoren aus 40 Staaten beteiligt waren, zufolge mit schätzungsweise 2,1 Billionen Euro weltweit allein im Energiesektor erheblich. Ohne dieses Umsteuern - auch in weiteren Sektoren wie Verkehr und Landwirtschaft - wäre aber mit weit höheren Kosten zu rechnen.

Van der Bellen warnt vor "dramatischen Folgen"

Angesichts des Sonderberichts hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Montag vor "dramatischen Folgen für unser Leben auf der Erde" gewarnt. "Die internationale Staatengemeinschaft ist gefordert, rasch, entschlossen und gemeinsam alles daran setzen, um wirksame Maßnahmen einzuleiten", schrieb er auf Twitter.

Der eindringliche Appell des Weltklimarates sei "ein klarer Weckruf. Wir müssen mehr tun als bisher." Die Weltgemeinschaft habe die nötigen technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, um die Klimakrise zu meistern. "Jetzt liegt es an uns, nachfolgenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen", betonte der Bundespräsident.

Neos sieht Regierung gefordert

Die Neos reagierten "alarmiert" auf den IPCC-Bericht und sahen auch ÖVP und FPÖ gefordert. "Die Regierung muss sich endlich klar zu einer mutigen Klima- und Umweltpolitik bekennen. Die Menschen und die Erde haben keine Zeit mehr für zauderndes Handeln, das hat die Warnung des Expertengremiums der UNO deutlich gemacht", sagte NEOS-Umweltsprecher Michael Bernhard in einer Aussendung.

Ebenso wie Bernhard plädierte Liste-Pilz-Umweltsprecher Bruno Rossmann für eine sozial-ökologische Steuerreform und ortete ein "Warnsignal" an Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). "Die aktuellsten Erkenntnisse verweisen die Umwelt- und Klimastrategie der Bundesregierung endgültig zurück an den Start. Wir brauchen kein Marketing-Prospekt, wir brauchen Maßnahmen. Heiße Luft haben wir dank Klimaerwärmung schon jetzt mehr als genug", kritisierte der Klubobmann der Liste Pilz.

WWF fordert "drastisches Umdenken"

Der WWF Österreich forderte ein "drastisches Umdenken und rasche Schritte" der europäischen und nationalen Politik. "Es ist längst fünf nach zwölf. Daher braucht es ein mutiges Sofortprogramm gegen die Klimakatastrophe statt zahnloser Klimastrategien", sagte Lisa Plattner, Klima- und Energieexpertin der Naturschutzorganisation. "Als EU-Vorsitzland sei Österreich besonders gefordert. Es brauche eine massive Erhöhung der EU-Klimaziele, einen raschen Ausstieg aus fossilen Energien und eine naturverträgliche Energiewende. Eine "große Öko-Steuerreform" sei seit Jahren überfällig.

"Diese eindringliche Warnung der Klimaforschung muss jetzt Gehör finden, um katastrophale Folgen noch abwenden zu können", betonte Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000. Es dürften keine neuen Öl- und Gasheizungen mehr installiert werden, es braucht 100 Prozent emissionsfreie Fahrzeuge in der Neuzulassung spätestens im Jahr 2030, ein Ende der Kohleverstromung bis zum Jahr 2020 und eine ökologische Steuerreform, empfahl die österreichische Umweltschutzorganisation.

Klimaforscher fordert Verringerung des Verbrauchs

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) wies in einer Aussendung darauf hin, dass in Österreich die CO2-Emissionen des Verkehrs zuletzt nicht gesunken, sondern gestiegen sind. Die VCÖ-Experten forderten eine eine ökologische Steuerreform, einen massiven Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und der Rad-Infrastruktur sowie einen rascheren Ausstieg aus Benzin und Diesel.

"Das 1,5 Grad Ziel wäre erreichbar, aber im Bericht wird deutlich, wie massiv umgesteuert werden muss", erläuterte Klimaforscher Helmut Haberl vom Institut für Soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien. "Nötig wäre eine sozial-ökologische Transformation zu einer raschen und deutlichen Verringerung des Verbrauchs von Rohstoffen und Energie. Dies erfordert es, das massive Wachstum der gesellschaftlichen Materialbestände wie Gebäude, Straßen und andere Infrastrukturen zu begrenzen und diese rohstoffsparender zu gestalten", betonte er in einer Stellungnahme.





20 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-08 08:08:35
Letzte Änderung am 2018-10-08 13:50:18


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kashoggi wurde "grausam getötet"
  2. "Das ist ein Angriff auf unser Land"
  3. Hurrikan "Willa" auf höchste Kategorie 5 hinaufgestuft
  4. Erdogan will sich ausführlich zum Tod Khashoggis äußern
  5. Die Rückkehr des Damoklesschwerts
  6. "Monströs geplant"
  7. Längste Meerbrücke der Welt eröffnet

Werbung




Werbung