• vom 17.04.2013, 09:00 Uhr

Wien

Update: 17.04.2013, 11:53 Uhr

Tweed-Ride

Tweed Ride 2013 in Wien: Vom Reiz des Radfahrens in Schafwolle




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Von Matthias G. Bernold

  • David Marold brachte den Tweed Ride nach Wien. Ein Interview
  • Kommenden Sonntag findet in Wien der Tweed-Ride statt.

Mitwirkende des Tweed Ride beim Photoshooting mit der Wiener Zeitung. - © Bernold

Mitwirkende des Tweed Ride beim Photoshooting mit der Wiener Zeitung. © Bernold

Kommenden Sonntag findet in Wien der Tweed Ride statt. David Marold, einer der Organisatoren, erklärt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" den Reiz des Radfahrens in Woll-Sakko, Petticoat und Knickerbocker.


"Wiener Zeitung":Was gefällt Ihnen daran, in Tweed und Pluderhosen Rad zu fahren?

David Marold: Tweed ist der Vorläufer von Gore Tex. Vor nicht allzu langer Zeit ist man auf der Suche nach robusten, atmungsaktiven und regenabweisenden Materialien bei Schafwolle angelangt. Wolle hat sich in England als Material für Sportbekleidung etabliert. Die pludrigen Hosen, die bei den Knien aufhören, sind praktisch, weil sie sich nirgends verhängen. Die komfortabel geschnittenen Sakkos und die Rückenfalten erlauben Bewegungsfreiheit. In London gibt es die Tweed-Rides seit etwa fünf Jahren. Das hat natürlich auch uns inspiriert.

David Marold, einer der Initiatoren des Tweed Ride in Wien.

David Marold, einer der Initiatoren des Tweed Ride in Wien.© Bernold David Marold, einer der Initiatoren des Tweed Ride in Wien.© Bernold

Steckt hinter den Tweed-Rides eine Botschaft?

Es geht um ein Lebensgefühl. Wir zeigen vor, dass man zum Radfahren keine bunten Bergsteigersachen braucht. Radfahren muss kein teurer Sport sein. Mit dem Fahrrad zeigen wir unsere Würde und Mobilität. Ich fahre in Ruhe von A nach B. Egal, ob ich reich oder arm bin. Und das ist ein Privileg, auf das wir mit dem Tweed-Ride hinweisen.

Britische Mode wird hierzulande gern mit Jägern und konservativen Kreisen in Verbindung gebracht. Sind Tweed-Rides etwas für "bessere Leut’"?

Franz Kainz, einer der Initiatoren des Tweed Ride.

Franz Kainz, einer der Initiatoren des Tweed Ride.© Bernold Franz Kainz, einer der Initiatoren des Tweed Ride.© Bernold

Zunächst einmal: In England war Tweed immer auch Arbeiterkleidung. Wir verwenden diese Materialen und drehen die Vorzeichen um. In diesem Sinn ist es ein ironisches Kokettieren mit diesem Kleidungsstil. Ein - wenn man so will - Hineinoptieren in eine Schicht, die einen nie gewollt hat. Ich würde niemandem raten, für die Sternfahrt jetzt 500 Euro oder mehr auszugeben. Es sieht vielleicht auf den ersten Blick nicht so aus: Aber wir verstehen Tweed-Rides als Spross der Post-Punk-Szene. Wir holen uns das Gewand vom Flohmarkt oder durchstöbern die Kleiderschränke unserer Eltern und Großeltern.


© Bernold © Bernold

Wie reagieren die Leute auf die Tweed-Rides?

Sehr positiv. Wir zaubern bei unseren Ausflügen vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Interessanter Weise hören wir Kritik am ehesten von anderen Radfahrern. Es gibt nämlich eingefahrene Vorstellungen darüber, wie ein Radfahrer auszusehen hat. Einem meiner besten Freunde zum Beispiel ist das ganze sehr suspekt: So fährt man nicht Rad, sagt er dann.

Sondern?

Mit einem Mountain-Bike oder einem ultraleichten Rennrad. Fürs Flanieren ist in seinen Augen wenig Platz. Radfahren muss eine ernsthafte Angelegenheit, muss Leistungssport sein. Wir hingegen wollen vorführen, dass man beim Radfahren nicht hetzen muss. Ampelstarts mit qualmenden Reifen sind etwas für Golf GTI-Fahrer.

Sie werden beim Tweed Ride kommenden Sonntag dabei sein: (v.l.n.r.) Sarah Shokouhbeen, David Marold, Alban Knoll, Franz Kainz und Barbara Ottawa (bekannt u.a. als Redakteurin der Wiener Zeitung Zeitreisen)

Sie werden beim Tweed Ride kommenden Sonntag dabei sein: (v.l.n.r.) Sarah Shokouhbeen, David Marold, Alban Knoll, Franz Kainz und Barbara Ottawa (bekannt u.a. als Redakteurin der Wiener Zeitung Zeitreisen)© Bernold Sie werden beim Tweed Ride kommenden Sonntag dabei sein: (v.l.n.r.) Sarah Shokouhbeen, David Marold, Alban Knoll, Franz Kainz und Barbara Ottawa (bekannt u.a. als Redakteurin der Wiener Zeitung Zeitreisen)© Bernold

Tweed-Rides fallen in eine Zeit der Vintage-Partys und der Retro-Mode. Inwieweit steht die Sehnsucht nach der guten alten Zeit dahinter?

Für mich ist es weniger die Sehnsucht nach der guten, alten Zeit, sondern nach Gütern, die nicht automatisch Abfallprodukte sind. Wenn du ein hochwertiges Woll-Sakko angreifst, fühlt sich das anders an als ein synthetisches Kleidungsstück eines Mode-Diskonters, das nach zwei Mal Waschen die Form verliert.

Wie sieht der typische Teilnehmer eines Tweed-Rides aus?

Der Tweed-Ride ist eine Projektionsfläche für ganz unterschiedliche Leute und Ideen. Wir sind keine homogene Gruppe. Bei uns sind alle Altersstufen dabei. Es gibt Leute, die mitfahren, weil sie gern Lindy Hop tanzen und sich dem Vintage-Stil verpflichtet fühlen. Andere fahren mit, weil sie Bigband und Ragtime Musik gerne hören. Wieder anderen gefällt das Subversive. Aber im Vordergrund steht der Spaß am gemeinsamen Radfahren.




Schlagwörter

Tweed-Ride, Fahrrad, Radfahren

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Dokument erstellt am 2013-04-16 17:47:03
Letzte Änderung am 2013-04-17 11:53:06



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