• vom 28.08.2013, 12:00 Uhr

Wien

Update: 28.08.2013, 12:06 Uhr

Fahrrad

Rock am Rad




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Von Eva Zelechowski

  • Feminisierung der Fahrradkultur
  • Weltweit versuchen Initiativen, Frauen zum Radeln zu motivieren.

Wien.  "Wo ist denn der Meister?" Eine Kundin betritt die Fahrradwerkstatt und bekommt von Gudrun Pollack prompt eine Antwort: "Heute bin ich die Meisterin!" Die Fahrradmechanikerin erzählt von erstaunten Männern und Frauen, die ihr Fahrrad weiblichen Händen anvertrauen sollen. Die junge Frau mit Fahrradohrring im linken Ohr sitzt mit ölverschmierten Händen vor der Wiener Selbstreparaturwerkstatt Bikekitchen. Die ehrenamtliche Arbeit und ihren geringfügigen Job in der Werkstatt "Radhaus" brauche sie als Ausgleich zum Doktoratsstudium in Umweltgeschichte. Es ist ein Handwerksberuf, der wie viele andere auch, eine Männerdomäne sei. Immer noch. In Wien kennt Pollack gerade mal fünf Fahrradmechanikerinnen.


Bis heute ist Radfahren kultur- und sozialhistorisch bedingt ein hartes Pflaster für die Frauenwelt. Galt es doch im 19. Jahrhundert als unweiblich, sich auf den Sattel zu schwingen.
Jahrzehnte nach den ersten - einzig Männern vorbehaltenen -  Fahrradclubs mussten Frauen auch beim Zweirad um Gleichberechtigung kämpfen. 1893 gründeten Pionierinnen mit dem "Damen-Bicycle-Club" den ersten Frauenfahrradverein der k & k Monarchie. Kritiker  wie der Arzt Otto Gotthilf orteten um 1900 "Emanzipationsgelüste, Eitelkeit und Gefallsucht".

Die Geburt des Hosenrocks

Dem Drang nach Unabhängigkeit und Freude am Fahren setzte man(n) die Befürchtung entgegen, die Frauen würden ihren Pflichten wie Heim, Mann und Kind davon radeln. Schnell hatte frau jedoch die Vereinbarkeit von Sport und Haushalt unter Beweis gestellt. Der Trend steckte weit über die Landesgrenzen an und auch die Industrie profitierte vom neuen Geschäft mit Damenrädern. Schließlich bröckelte der anfängliche Kompromiss "Rock statt Hose", und der Hosenrock war geboren.

Mode ist auch in der Gegenwart ein wichtiger Aspekt, der Lust aufs Fahrradfahren macht. So hat etwa die 24-jährige Andreea Toader in Bukarest die Initiative "SkirtBike" ins Leben gerufen, um Mädchen und Frauen zu zeigen: Das Rad ist ein Symbol für Spaß und Style. "Anders als in Amsterdam und Kopenhagen, wo das Radfahren inzwischen eine Tradition ist, ist "urban cycling" in Rumänien ein neuer Trend", sagt die 24-Jährige. Sicherheit sei laut Toader ein großes Hindernis, denn "wie fahrradfreundlich eine Stadt ist, sieht man an der Anzahl der Frauen auf Rädern." Davon ist auch Beatrice Stude, Vorstandsmitglied in der österreichischen Radlobby, überzeugt. "Je höher in einer Stadt der Frauenanteil unter den Radlern ist, desto sicherer ist es", sagt die Stadtplanerin.

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Dokument erstellt am 2013-08-07 09:33:10
Letzte Änderung am 2013-08-28 12:06:46


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