• vom 18.11.2011, 13:30 Uhr

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Update: 23.11.2011, 12:20 Uhr

Stadtplanung

Stadterweiterung im Landeanflug




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Von Barbara Sorge

  • Auf dem ehemaligen Flugfeld soll "aspern Die Seestadt Wiens" entstehen: Ein neuer Stadtteil mit einem fünf Hektar großen See, zwei U-Bahn-Stationen und einer Intercityanbindung an Bratislava.

U-Bahn und See sind zwei wichtige Planungselemente der Seestadt Aspern. Viel mehr ist vorerst aber noch nicht zu sehen. - © Foto: Wien 3420

U-Bahn und See sind zwei wichtige Planungselemente der Seestadt Aspern. Viel mehr ist vorerst aber noch nicht zu sehen. © Foto: Wien 3420

"Hier, das wäre mein Eck", sagt Josef Lueger, Prokurist der Wien 3420 AG, und deutet auf einen gelben Klecks am Bauplan, der mit "J2" gekennzeichnet ist. "Da kommt die Sonne von Süden, es ist hell, und ich sehe über den Donauturm Richtung Wienerwald. Und ums Eck wäre eine urbane Kante." Was Lueger beschreibt, ist seine Zukunftsvision. Denn "J2" befindet sich am ehemaligen Flugfeld Aspern und muss erst gebaut, genauer gesagt: entwickelt werden, und zwar zur Seestadt Aspern.


Seit 2008 läuft die Etappe 1, die bis 2017 dauern soll. Wien 3420 errichtet die Grünräume, den zentralen See und die technische Infrastruktur, wie Straßen und den Kanal. Auf der ersten Straße, die bereits errichtet wurde, gelangt man nun zur Baustelle. Am Straßenrand dampft es aus dem neu errichteten Kanal. Links entsteht ein vierstöckiges Gebäude. "aspern IQ" soll das erste Impulsprojekt für das Innovationsquartier sein, das hier geplant ist. Es wird ein Plusenergiehaus, das über das Jahr gesehen mehr Energie erzeugt als es verbraucht. Josef Lueger wird hier Mitte nächsten Jahres sein Büro beziehen, Projektpartner aus der TU Wien sollen ebenfalls in dieses Haus kommen.

"Gemischtes Quartier"

So soll "aspern Die Seestadt Wiens" aussehen, wenn sie rund um 2028 fertig ist.Visualisierung: schreinerkastler

So soll "aspern Die Seestadt Wiens" aussehen, wenn sie rund um 2028 fertig ist.Visualisierung: schreinerkastler© Visualisierung: schreinerkastler So soll "aspern Die Seestadt Wiens" aussehen, wenn sie rund um 2028 fertig ist.Visualisierung: schreinerkastler© Visualisierung: schreinerkastler

2002 fiel die Entscheidung, dass das Flugfeld Aspern bebaut werden soll, um einem steigenden Bedarf an Wohn- und Betriebsstandorten gerecht zu werden. 2006 wurde nach umfangreichen Vorarbeiten der erste Vorentwurf des Masterplans präsentiert. Als am 25. Mai 2007 dieser Masterplan im Wiener Gemeinderat einstimmig beschlossen wurde, waren darin auch Anregungen von betroffenen Bürgern eingearbeitet worden. 2004 wurde die Entwicklungsgesellschaft Wien 3420 AG gegründet, die zu 73,4 Prozent einer Tochtergesellschaft der Wirtschaftsagentur Wien, der Wiener Städtischen und der Bausparkasse und zu 26,6, Prozent der BIG gehört, um die Seestadt zu einem urbanen Zentrum zu entwickeln.

Langsam macht sich die Seestadt auch außen bemerkbar. Die U-Bahn wird zuerst da sein; die Trasse und die zukünftigen Stationen - "Aspern" und "Seestadt" liegen direkt im Stadterweiterungsgebiet, "Hausfeldstraße" noch davor - sind schon zu sehen. 2013 soll die Verlängerung der U2 eröffnet werden. Auch der See ist bereits da. Wenn die U-Bahn fertig ist, wird er noch erweitert, sodass einige der Säulen, auf denen die Trasse ruht, im Wasser stehen werden. Was jetzt noch fehlt, ist die Stadt.

In der ersten Phase soll im Süden des Stadtteils ein sogenanntes "gemischtes Quartier" entstehen, mit 2000 Wohneinheiten, Büros, Handels- und Dienstleistungsunternehmen sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Noch heuer soll der Bauträger-Wettbewerb ausgelobt werden, mit dem das Projekt wieder einen wichtigen Schritt nach vorne machen wird.

Autos werden es in der Seestadt schwerer haben, sollen sie doch gegenüber den Fußgängern und Radfahrern benachrangt werden. Es wird im öffentlichen Raum auch wenige Stellplätze für Autos geben: pro Wohnung werden nur 0,7 Parkplätze vergeben. Und die Sammelgaragen sind so eingeplant, dass man über die Straße gehen muss, um zur Wohnung zu gelangen. So kann man nicht einfach von der Tiefgarage ins Haus verschwinden, sondern man muss sich zeigen - und belebt so den Stadtteil.

Belebt werden soll dieser auch durch den Umstand, dass er auf halbem Weg zwischen Wien und Bratislava liegt. Eine direkte Anbindung an die Bahnstrecke zwischen den "Twin Cities" soll es geben, wenn die Stadt fertig ist. Nach jeweils rund 30 Minuten Fahrzeit werden die künftigen Seestädter dann am Stephansplatz oder am Hauptbahnhof von Bratislava stehen können.

Was es in der Seestadt am meisten gibt, ist Platz. Deswegen gibt es hier auch erstmals in Wien Raum für gleich fünf Baugruppen, die sich das rund 0,8 Hektar große Baufeld D13 teilen. Eine sehr attraktive Fläche, wie Josef Lueger findet, liegt es doch gleich neben einem Stadtteilpark und gegenüber dem zukünftigen Bildungscampus.

Gemeinsames Bauen
"Baugruppen" sind eine Form gemeinschaftlichen Bauens, in der sich engagierte Menschen, die ihren Wohn- und Freiraum selbst gestalten wollen, zusammenfinden und gemeinsam Ideen umsetzen. In Wien gibt es etwa die "Sargfabrik" im 14. Bezirk oder zwei Häuser des "B.R.O.T."-Verbandes (Beten, Reden, Offensein und Teilen) in Hernals und Kalksburg.

"Wir haben eine Liste von rund 540 Interessenten, die gerne in der Sargfabrik wohnen würden", erzählt Ute Fragner von den "Sargfabrik Wohnprojekten". Nach dem Aufruf, bei einer Baugruppe in Aspern mitzumachen, meldeten sich bisher erst sechs, drei davon kamen zu einem Info-Termin, "weil man sich nichts vorstellen konnte", so Fragner. Dass sich die "Sargfabrik Wohnprojekte" mit der Baugruppe "Orange 3" jetzt doch um einen Platz beworben haben, lag an drei Dingen, sagt Fragner: Eine Qualität, die man innerstädtisch nicht bekommt; die Möglichkeit, ein architektonisches Konzept umzusetzen, das es so nur in Aspern geben wird; und die Möglichkeit, das Baurecht in Anspruch nehmen zu können.

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Stadtplanung, Extra

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Dokument erstellt am 2011-11-17 22:26:18
Letzte Änderung am 2011-11-23 12:20:02



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