Wien. Die Kunsthalle von Ernst Hilger in der ehemaligen Ankerbrotfabrik in Wien-Favoriten bekommt einen Nachbarn: Das OstLicht, eine Galerie für Fotografie und die erste Filiale des Fotomuseums WestLicht, hat sich in dem Backsteingebäude auf 800 Quadratmetern mit Sammlungsraum, Bibliothek, Bar und natürlich Ausstellungsfläche eingerichtet. Zum Auftakt wird das neue "Zentrum für zeitgenössische Fotografie", wie der Standort beworben wird, mit der 18 künstlerische Positionen umfassenden Schau "Nacht" bespielt. Am Montag (4. Juni) findet ein großes Eröffnungsfest statt.

Das OstLicht ist eine Tochter der vor elf Jahren gegründeten Fotogalerie in der Westbahnstraße, die mittlerweile jährlich 70.000 Besucher anzieht und nicht zuletzt mit ihren Auktionen immer wieder Aufsehen erregt. Öffentliche Förderungen erhielt man dafür nie. "So lange wir uns das leisten können, sehe ich da auch nicht so das Problem", meinte Inhaber Peter Coeln am Freitag beim Pressegespräch. "Dafür sind wir heute unabhängig." Künftig soll im WestLicht der museale Aspekt stärker betont werden, während im OstLicht der Verkauf im Vordergrund steht.


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Ostlicht und Westlicht im Internet
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Prominentere Namen für den Osten
Entsprechend werde das Programm in der neuen Galerie auch prominentere Namen umfassen, Verhandlungen mit Wim Wenders stehen demnach etwa kurz vor dem Abschluss. Für die erste Ausstellung in den neuen, von Gregor Eichinger mit Bedacht auf die historische Industriearchitektur gestalteten Räumlichkeiten wählte OstLicht-Leiterin Verena Kaspar-Eisert das Thema "Nacht". Als junge Mutter habe sie zahlreiche schlaflose Nächte verbracht und sich gefragt, was denn andere Menschen in der Nacht wohl so tun. "Die Nacht ist schließlich das halbe Leben."

Die Ergebnisse offenbaren unterschiedlichste Perspektiven, vom gesellschaftspolitischen Blick bis hin zur abstrakten Aneignung der Thematik. Katrina Daschner präsentiert zum Beispiel Matratzenoberflächen, auf denen sexueller Missbrauch stattgefunden hat. Borjana Ventzislavova zeigt die leeren Räume von Bordellen und verweist auf das Schicksal von Sexarbeiterinnen. Tina Ribarits dagegen erweist in Noir-Ästhetik dem Thriller-Großmeister Alfred Hitchcock Reverenz. Und Linn Schröders nächtliche New-York-Ansichten erinnern an Christopher Nolans "Batman".

Residence-Programm soll etabliert werden
Hinzu kommen Arbeiten von Hans Kupelwieser, Christian Eisenberger oder Roberta Lima, die Preisspanne bewegt sich zwischen einigen hundert bis zu 12.000 Euro. Künftige Themenausstellungen sind zu den Überbegriffen "Industrie" und "Musik" angedacht, ein eigenes Residence-Programm für internationale Fotografen soll ebenso etabliert werden wie etwa ein monatlicher Cocktail-Abend mit und von Künstlern. "Wir haben einiges vor", so Kaspar-Eisert. Das Eröffnungsfest am Montag wird u.a. mit Peter Kruder und der Musikarbeiterkapelle begangen.

WAS: Eröffnung der OstLicht-Galerie für Fotografie
WANN: Montag, 4. Juni, ab 18 Uhr

WAS: Ausstellung "Nacht"
WANN: 4. 6. bis 29. 9. 2012, Mi bis Sa, 12 - 18 Uhr

WO: Ankerbrotfabrik, Absberggasse 27, 1100 Wien