• vom 21.10.2013, 17:29 Uhr

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Update: 21.10.2013, 20:26 Uhr

Veganer Supermarkt

Hauptsache nichts vom Tier




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Von Stephanie Schüller

  • Drei Monate veganer Supermarkt in Wien: Geschäftsführer Stefan Maran zieht Bilanz
  • Fleischimitate sind der Verkaufsschlager, Bio zieht wenig.

Am besten verkaufen sich Fleischersatzprodukte und veganer Käse - Bio-Obst und Bio-Gemüse kommen bei den Kunden im veganen Supermarkt nicht so gut an. - © Puiu

Am besten verkaufen sich Fleischersatzprodukte und veganer Käse - Bio-Obst und Bio-Gemüse kommen bei den Kunden im veganen Supermarkt nicht so gut an. © Puiu

Wien. Ribs, Burger, Nuggets, Käsekrainer und Leberkäse. Außerdem Ente, Leberwurst, Putenschnitzel und Pfeffersteak. Klingt nicht gerade nach einem Lebensmittel-Sortiment für Tierfreunde. Kann es aber sein, wenn die Produkte auf pflanzlicher Basis, zum Beispiel aus Soja, hergestellt werden. So wie die Produkte im Maran Vegan, dem ersten veganen Supermarkt Wiens. Vegan bedeutet, dass dort keine tierischen Produkte, also auch keine Milch oder Honig, angeboten werden. Vor drei Monaten hat der Standort im sechsten Bezirk eröffnet.

Schwarze Zahlen
Geschäftsführer Stefan Maran wagt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" eine erste Analyse: "Wir schreiben schwarze Zahlen. Also entspannt sind wir schon, aber die geheimen Wünsche und Träume haben sich nicht alle ganz erfüllt. Insgeheim haben wir uns ungefähr 15 Prozent mehr durchschnittlichen Umsatz pro Tag erhofft." Vor allem das Bio-Obst und -Gemüse kommt bei den Kunden nicht so gut an wie gedacht: "Die Veganer kaufen anscheinend sehr viel konventionelles Obst und Gemüse. Anscheinend legt die Zielgruppe nicht immer Wert auf Bio-Lebensmittel. Wir versuchen, sehr viel Bio anzubieten, was früher in der Szene nicht so der Fall war", sagt Maran. Neben den Produkten aus dem veganen Supermarkt kommen auch die Mehlspeisen, Salate und das Gebäck aus dem Bistro bei den Kunden an. Das befindet sich direkt beim Eingang und wird vom vegetarischen Gastrobetrieb "Hollerei" geführt. Mit Marans Umsatz hat das aber nichts zu tun: "Die Hollerei zahlt Miete, an deren Gewinn sind wir nicht beteiligt", so der 60-Jährige.


Fakefleisch statt Biogemüse
Am meisten setzt Maran mit Fleischersatzprodukten und veganem Käse um. Diese Waren werden zum größten Teil konventionell hergestellt. Und dafür zahlen die Kunden. 300 Gramm "Garnelen" lassen sich die Kunden 6,39 Euro kosten, 200 Gramm "Käse" kosten 2,99 Euro. Fertigprodukte wie veganes Chili con Carne oder Tiefkühlpizza kommen auf bis zu 5 Euro pro Portion. Die günstigste Soja-Milch kostet 1,79 Euro, Mandelmilch bis zu über 3 Euro pro Liter. Der Preis sei in Diskussionen rund um den Veganismus aber kein Thema, meint Maran: "Die Leute betonen, dass sie den Geschmack von Fleisch lieben. Es wird immer argumentiert, warum Fleisch gegessen werden soll und dass sie sich schwer tun würden beim Umstellen der Küche." Die Macht der Gewohnheit also.

Die Bio-Produkte, die immerhin 70 Prozent des Sortiments ausmachen, werden weniger nachgefragt. Maran glaube aber daran, die Zielgruppe umerziehen zu können. Denn für ihn ist das Zusammenspiel von Veganismus, biologischen Lebensmitteln und Nachhaltigkeit wichtig: "Ich bleibe da stur. Wir werden den Markt schon verändern. Wir werden den Leuten mit Geduld beibringen, dass biologisch angebautes Gemüse und Obst wertvoller und nachhaltiger ist. Der nachhaltige Gedanke muss auch in der veganen Bewegung einen sehr hohen Stellenwert haben", sagt Maran überzeugt.

Maran bleibt stur
Derzeit scheint das Motto in der veganen Bewegung aber klar zu sein: Hauptsache nichts vom Tier. Danach muss sich auch Maran richten, wenn er Geschäfte machen will. "Die Leute verlangen das. Wenn du das nicht hast, brauchst du gar nicht aufsperren", erklärt Maran mit einem Blick in das Kühlregal. Dort stapeln sich die tierfreien Kassenschlager aus Soja und Seitan, die veganen Riesengarnelen sehen täuschend echt aus. Auch Käse, der kein Käse ist, findet man hier. Dieser besteht meist aus Reismilch. Trotz der großen Nachfrage nach diesen Produkten, will sich Maran nicht nur darauf konzentrieren: "Wir werden nicht aufhören, Bio-Obst und -Gemüse anzubieten. Wir beugen uns da nicht. Der Maran hat nie den einfachsten Weg gewählt."

Junge Kunden
Auch wenn schon viele große Supermärkte vegane Produkte anbieten, betont Maran den Mehrwert, den er seinen Kunden anbietet: "Bei uns finden Sie nur vegane Produkte. Sie brauchen nicht in einen Laden hineinzugehen und jedes Produkt umdrehen und nachsehen, ob das vegan ist." Und das betrifft nicht nur die Lebensmittel. Auch Kosmetikprodukte wie Zahnpasta, Kondome, Duschgel und Shampoo sind frei von tierischen Produkten, Tierversuche sind ebenfalls verboten. Das Publikum im Vegan Maran sei laut dem Geschäftsführer "bunt gemischt": Veganer, Vegetarier, Genussmenschen oder Personen, die aus Neugierde den veganen Supermarkt besuchen. "Kunden im Alter von 15 und 16 Jahren kaufen schon bei uns ein. Genau wie Senioren. Wobei die meisten in der Altersgruppe zwischen 18 und 25 Jahren sind", so Maran.

Import aus England
In der Woche bekomme Maran in etwa ein bis zwei Kundenanfragen. Die Leute verlangen direkt und gezielt bestimmte Waren: "Das sind aber hauptsächlich Produkte aus Übersee. Wir haben uns entschieden, diese zurzeit nicht zu importieren. Wir kommen eben aus der nachhaltigen Ecke. Und wir finden das nicht nachhaltig, wenn wir aus Australien oder Amerika Pizza oder Eis importieren. Das kann es nicht sein. Das ist zwar sehr lustig für manche Kunden, aber der total falsche Weg." Den weitesten Weg zu Vegan Maran nach Wien legen Produkte aus England zurück. "Viel weiter wollen wir nicht gehen", so Maran. Das würde auch nicht mit seinem Ziel einhergehen: "Wir wollen den Menschen den reduzierten Fleischkonsum näherbringen und das im Einklang mit der Nachhaltigkeit." Noch längere Transportwege sollen daher vermieden werden.

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Dokument erstellt am 2013-10-21 17:32:04
Letzte Änderung am 2013-10-21 20:26:03



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