Auch wenn der Opernball das Aushängeschild der Ballsaison ist, hat Wien mehr zu bieten. - © apa/H. Neubauer
Auch wenn der Opernball das Aushängeschild der Ballsaison ist, hat Wien mehr zu bieten. - © apa/H. Neubauer

Wien. Eröffnung, Mitternachtseinlage, Quadrille und Ballausklang, ein Geschenk für die Damen und strikte Kleidervorschriften. Diese und viele andere Elemente zeichnen den traditionellen Wiener Ball aus, dessen Stil bereits seit der Kaiserzeit für alle mitteleuropäischen Bälle tonangebend war. So wurde mit Faschingsbeginn am 11. November Wien wieder zum Nabel der tanzenden Welt. Ausgehend vom Silvesterball in der Hofburg zum Jahreswechsel wartet die Wiener Ballsaison vor allem im Jänner und Februar mit vielen Schmankerln auf.

  • Ball der Wirtschaftsuniversität

Diesen Samstag führt die WU Wien Studenten, Lehrende, Manager, Diplomaten und Ökonomen aus aller Welt zu Tanz und Austausch in der Hofburg zusammen. Sonst Standardkleidung für Manager, sind Krawatten zum Anzug jedoch an diesem Abend tabu. Wer sich den Abend nicht entgehen lassen möchte, kommt mit Masche - notfalls gibt es diese an der Abendkassa zu kaufen.

  • Zuckerbäckerball

Am 15. Jänner laden die Wiener Bäcker und Konditoren bereits zum 114. Mal zum "süßen Höhepunkt" der Ballsaison in die Hofburg. Neben Highlights wie einer Schaubackstube verführen vor allem 3000 handgefertigte Torten, die bei der Tombola gewonnen werden können. Sowohl Lehrlinge als auch Konditormeister stellen ihr Handwerk mit kunstvollen Kreationen zur Schau, bei deren Anblick allein man schon ein paar gefühlte Kilos zunimmt. Um das schlechte Gewissen zu beruhigen, wird empfohlen, das Parkett zu klassischen oder modernen Klängen, die in mehreren Sälen aufgespielt werden, zum Beben zu bringen.

  • Ball der Offiziere/Blumenball

Da die diesjährige Ballsaison bereits Mitte Februar endet und somit vergleichsweise kurz ausfällt, werden einige der größeren Bälle gleichzeitig veranstaltet. So lockt am 16. Jänner einerseits der Ball der Offiziere in die Hofburg. Zwischen der Showvorführung der Gardemusik - deren Können auf vielen Bällen beliebt ist - und dem "Zapfenstreich" zum Ballende um vier Uhr Früh werden weniger militärisch strikt als ausgelassen und locker 60 Jahre Bundesheer gefeiert. Für alle einsamen Tanzbegeisterten gibt es auch die Möglichkeit, mit Profis - unter anderem Leistungssportlern des Bundesheeres - eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen.

Alternativ verwandelt der 93. Blumenball das Rathaus in ein Blütenmeer. In den Leitfarben Weiß, Rosa und Lila wird heuer das 150-jährige Bestehen der Ringstraße zelebriert. Zwischen Blumenhüten, Fächern und Sonnenschirmen taucht man als Teil des Ringstraßenkorsos in einen verfrühten Frühling ein. Neben einer Zimmerpflanze als Damenspende kann man bei der Tombola vom zarten Blümchen bis zum mächtigen Gummibaum eine blühende Erinnerung an den Ball gewinnen.

  • Ball der Pharmacie

Den dritten Teil des "Ball-Hattricks" bildet der 73. Ball der Pharmacie, zu dem die österreichische Apothekerkammer am 17. Jänner in die Prunksäle der Hofburg einlädt.

  • Wiener Philharmonikerball

Die Wiener Philharmoniker sind für ihre musikalischen Leistungen weltberühmt und so kann am Philharmonikerball im goldenen Saal des Musikvereins zu den schönsten Walzerklängen getanzt werden. Aber Achtung: Wie bei jeder Vorstellung der Philharmoniker ist der Musikverein - insbesondere die Tanzfläche - bis auf den letzten Platz gefüllt.

  • Boku-Ball

Tradition und Moderne werden hier am 23. Jänner in der Hofburg miteinander verbunden. Als Trachtenball bietet der Ball der Universität für Bodenkultur die ideale Gelegenheit, Dirndl, Janker oder Lederhose wieder aus dem Schrank zu holen und in prunkvollem Ambiente auszuführen.

  • TU-Ball

Statt Formeln und Brüchen geben am 29. Jänner in der Hofburg nur die Viertel des Walzers den Takt an. Der diesjährige Ball steht im Zeichen des 200-jährigen Jubiläums der TU Wien. Eigens dafür wurde ein Walzer komponiert, der als Höhepunkt des Abends uraufgeführt wird.

  • Wiener Ärzteball/Ball der Wissenschaften

Auch der 31. Jänner ist ein "Doppler": In der Hofburg feiert die Wiener Ärztekammer eine rauschende Ballnacht. Der Vorteil: Für jede erdenkliche Blessur ist mit Sicherheit ein Mediziner anwesend. Im Rathaus findet unterdessen eine Premiere statt: Am ersten Wiener Ball der Wissenschaften wird die vielfältige Forschung und Lehre Wien geehrt und gefeiert.

  • Kaffeesiederball

Unter dem Motto "Eine Nacht in Venedig" laden die Wiener Kaffeesieder am 6. Februar zu einem stilvollen Abend, der das Flair des italienischen Karnevals in die Stadt holt. Ausdauer ist jedoch Voraussetzung: Bei mehr als 6000 Gästen kann es auf der Tanzfläche sehr schnell sehr voll werden.

  • Wiener Opernball

Den unbestrittenen Höhepunkt der Wiener Ballsaison stellt der Opernball dar, zu dem die Staatsoper am 12. Februar in ihre Räumlichkeiten lädt. Der von Künstlern, Prominenten und Wirtschaftsträgern hochfrequentierte Ball ist jedoch nichts für Spätentschlossene. Karten sind bereits seit April des Vorjahres ausverkauft, Tickets für den wohl teuersten Ball der Saison werden auf diversen Auktionsplattformen um den doppelten Preis verkauft.

Glücklicherweise wird die ausladende und eindrucksvoll inszenierte Eröffnung auch live im Fernsehen übertragen - ohne Gedränge und mit bester Aussicht. Was man nicht glauben mag: Obwohl der Ball jährlich mehrere tausend Gäste zählt, bietet die geräumige Staatsoper genug Platz für alle. Da die Damen und Herren einen großen Teil des Abends flanierend, auf ihren Tischplätzen oder in den bis zu 18.500 Euro teuren Logen verbringen, bleibt Tanzbegeisterten abseits des Eröffnungswalzers mehr als genug Freiheit am Parkett.