Wien. Am 9. Februar ist schon wieder Faschingsende - bis dahin vergeht in Wien kein Wochenende ohne einen großen Ball. Neben mehreren kleinen Veranstaltungen fallen heuer auch viele große Bälle auf denselben Tag. Denn die Ballsaison ist heuer noch kürzer als im Jahr davor. Schwierige Entscheidungen für Tanzbegeisterte stehen an - die "Wiener Zeitung" gibt einen Überblick über einige Höhepunkte der Saison.

WU-Ball

Kommenden Samstag, 9. Jänner, muss auf dem Ball der Wirtschaftsuniversität Wien die Krawatte, eigentlich Markenzeichen eines Managers, ausnahmsweise im Schrank gelassen werden. Denn Mascherl ist an diesem Abend Pflicht. Wer darauf vergisst und nicht über die nötigen Origami-Kenntnisse verfügt, um die Krawatte umzufalten, kann sich an der Abendkassa eine vorgebundene Masche kaufen.

Zuckerbäckerball

Wiens Bäcker und Konditoren läuten am 14. Jänner in der Hofburg den Start eines dreitägigen Ballmarathons ein. Es wird geraten, möglichst viel zu tanzen, da 3000 handgefertigte Torten und eine Schaubackstube nur allzu gerne zum Naschen verleiten. Darüber hinaus zeigen Konditorenmeister und Lehrlinge ihr Geschick mit Marzipan und Zuckerguss.

Ball der Offiziere/Blumenball

Am 15. Jänner steht für Tanzbegeisterte eine schwere Entscheidung an: Zum Ball der Offiziere in die Hofburg oder den Blumenball im Rathaus feiern? Tanzen zu den Klängen der Gardemusik oder in den Leitfarben Gelb, Apricot und Orange das 250. Jubiläum des Praters feiern und bei der Blumentombola eine Pflanze für Wohnzimmer oder Schreibtisch gewinnen? Wer beide Bälle besuchen möchte, kann hasardieren und nach der Mitternachtseinlage die Lokalität wechseln - vielleicht gibt’s spätnachts freien Eintritt.

Pharmacieball

Wiens Apotheker stellen am 16. Jänner in der Hofburg den Abschluss des dreitätigen Tanzmarathons - und haben vielleicht auch gleich das richtige Mittel für den Kater danach parat.

Feuerwehrball

Statt "Wasser Marsch" heißt es "Walzer Marsch", wenn die Berufsfeuerwehr am 20. Jänner im Rathaus tanzt. Der Vorteil: Sollte eine zu heiße Sohle aufs Parkett gelegt werden, sind die Brandbekämpfer sofort zur Stelle.

Philharmonikerball

Die Wiener Philharmoniker verwandeln den Musikverein am 21. Jänner für eine Nacht in einen Tanzsaal. So prächtig der Ball ist, so gut ist er besucht - Tanzwillige müssen sich auf Kuschelstimmung auf dem Parkett einstellen.

Bokuball/Polizeiball

Auch am 22. Jänner stehen Ballgänger vor der Qual der Wahl: In der Hofburg bietet die Universität für Bodenkultur die Möglichkeit, Dirndl, Jancker und Lederhose auszuführen, Wiens Exekutive tanzt zeitgleich im Rathaus.

Ärzteball/Wiener Ball der Wissenschaften

Während die Ärztekammer am 30. Jänner in der Hofburg zum Tanz bittet, lädt die Universität Wien zum Ball der Wissenschaften, dem "Lifeball für Nerds", wie ihn die "Wiener Zeitung" liebevoll im vergangenen Jahr taufte. Abseits des Parketts sorgt ein simulierter Meteoriteneinschlag für Nervenkitzel, Gäste erwarten außerdem Maschen aus dem 3D-Drucker, Tischkarten-Origami und eine Zeitreisedisco. Aber aufgepasst, dass einem der Blumenschmuck - lebende fleischfressende Pflanzen - nicht die gerösteten Heuschrecken als Ballsnacks vom Teller futtert.

Opernball

Am 4. Februar findet in der Staatsoper der medial zelebrierte Höhepunkt der Ballsaison statt. Die meisten werden die Eröffnungspolonaise aber im Fernsehen verfolgen. Karten sind bereits seit April ausverkauft oder werden um ein Vielfaches des Originalpreises auf Auktionsplattformen angeboten. Dafür entgehen Ballbesuchern die Kommentare von Karl Hohenlohe und Christoph Wagner-Trenkwitz, auch die Aussicht ist vor dem Fernseher vermutlich besser. Der Opernball bietet übrigens tausenden Gästen Platz - sogar zum Tanzen. Klaustrophobie kommt nur beim Walzer auf, wenn die betuchten Gäste ihre bis zu 20.500 Euro teuren Sitzplätze und Logen für einen paar Runden verlassen.

Kaffeesiederball/Bonbonball

Etwas Süßes zum Kaffee? Nein, dieses Jahr muss man sich am 5. Februar entscheiden. Während Wiens Kaffeesieder zu Tausenden in der Hofburg walzen, stellt der Bonbonball im Konzerthaus in mehrerer Hinsicht eine Versuchung dar: Süßigkeiten, wohin das Auge blickt - nicht umsonst bekommen Gäste bereits am Eingang Tragtaschen für die köstlichen Figurbedroher. Und das hübscheste Zuckergoscherl des Abends wird zur "Miss Bonbon" gewählt, ihr Gewicht in Mannerschnitten aufgewogen.

Rudolfina Redoute

Die Hofburg ist am Faschingsmontag, 8. Februar, Schauplatz des letzten großen Wiener Maskenballs. Die Damen verstecken sich bis Mitternacht hinter farbenfrohen Masken, wie man sie vom Karneval in Venedig oder aus Johann Strauß’ Oper "Die Fledermaus" kennt. Bei der Demaskierungsquadrille können die Herren ihrer holden Tanzpartnerin dann auch direkt ins Antlitz blicken. Wer sich vom Gegenüber aber zu sehr ablenken lässt, läuft Gefahr, bei Figuren wie der Chaine Anglaise oder dem Tour de Main bei immer schneller werdendem Tempo über seine eigenen Füße zu stolpern.