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Update: 06.03.2018, 07:59 Uhr

Immobilien

Ausgeträumt




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Von Alexander U. Mathé

  • Wienwert könnte einen Schuldenstand von bis zu knapp 90 Millionen Euro haben.




© apa/Helmut Fohringer © apa/Helmut Fohringer

Wien. Manchmal träumte Alexander Schenker. Er träumte davon, seine Ein-Zimmer-Wohnung in Meidling zu renovieren. Wenn er verwegen war, träumte er von einer anderen, größeren Wohnung. Und auf einmal waren seine Träume zum Greifen nahe. Ein Inserat des Immobilienentwicklers Wienwert versprach ihm 6,5 Prozent Zinsen für eine auf fünf Jahre laufende Anleihe. Er prüfte das Angebot sorgfältig und investierte im Jahr 2014 sein Erspartes. Doch dann kam das böse Erwachen.

"Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich in der Zeitung gelesen habe, dass die Firma Probleme hat", erzählt Schenker heute. Als er sein hart erspartes Geld bei der Wienwert anlegte, war ihm natürlich bewusst, dass Vorsicht geboten war. Der freie Angestellte in der Mobilfunkplanung durchforstete daher die Fachpresse nach der Firma und stieß in einem Wirtschaftsmagazin auf einen Artikel, der ihn beruhigte. Darin stand, dass der Kreditschutzverband von 1870 das Ausfallrisiko der Wienwert* als so gut wie nicht existent - mit 0,21 Prozent - bewertete. Noch dazu versicherte ihm der Prospekt der Wienwert, dass sein Geld dreifach gesichert sei: Erstens durch einen Treuhänder, zweitens durch eine externe Prüfung des Kaufpreises der Immobilien, in die investiert wird, und drittens durch eine Eintragung ins Grundbuch. Da konnte eigentlich nichts schiefgehen.

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*in einer früheren Version stand, dass der KSV das Ausfallrisiko der Anleihe niedrig bewertet habe, tatsächlich wurde aber das Ausfallsrisiko des Unternehmens bewertet.

Die Finanzmarktaufsicht Österreich (FMA) beunruhigte der Prospekt hingegen. Sie war der Ansicht, dass es sich um irreführende Werbung handle, weshalb sie über die Geschäftsführer Wolfgang Sedelmayer und Nikos Bakirzoglu eine Strafe von jeweils 9800 Euro verhängte. Die FMA stieß sich an der beworbenen Sicherheit durch Eintragung ins Grundbuch, "obwohl es sich bei diesen Anleihen um strukturell nachrangige Anleihen handelt", sagt Klaus Grubelnik von der FMA. Sprich: Im Falle eines Ausfalles würde die kreditgebende Bank, die auch im Grundbuch eingetragen ist, bedient werden und nicht die Anleger. "Die Bank ist hypothekarisch besichert im Grundbuch drinnen. Die Anleihe kann - wenn überhaupt - nur nachrangig drinnen sein und daher bleibt in der Regel nichts für die Anleihen-Gläubiger übrig." Die Geschäftsführer beriefen zwar gegen die Strafe, das Gericht bestätigte diese jedoch.

Von all dem bekam Alexander Schenker nichts mit. Er wurde unterdessen mit Erfolgsmeldungen von der Wienwert versorgt, vor allem angesichts des florierenden Wohnungsmarkts in Wien. "Davon profitiert ein auf diesen Markt spezialisiertes Unternehmen wie Wienwert in hohem Maß und wir können daher sehr optimistisch in die Zukunft blicken", beschied ihm das Chef-Duo in einem Brief.




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Dokument erstellt am 2018-01-24 19:02:06
Letzte Änderung am 2018-03-06 07:59:38



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