• vom 06.11.2018, 20:01 Uhr

Stadtleben


Göttlicher Heiland

Nichts zu machen?




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Von Alexander U. Mathé

  • Alles richtig gemacht und doch ein Todesopfer - Stadt prüft Krankenhaus Göttlicher Heiland.

- © apa/Helmut Fohringer

© apa/Helmut Fohringer

Wien. Es wurde alles richtig gemacht. Darin sind sich sowohl die Patientenanwaltschaft als auch die Ärztekammer einig. Und doch ist es unfassbar, dass ein Mann vor einem Krankenhaus zusammenbricht, erst viele Minuten später Hilfe erhält und schließlich in einem anderen Spital verstirbt, weil das eine nicht zuständig war. Ob es ein tragischer Fall war, an dem wirklich niemand schuld ist, oder ob es trotz aller Beteuerungen ein Fehlverhalten des Portiers und der Ärzte gegeben hat, soll eine Untersuchungskommission klären, die von der Stadt Wien ins Leben gerufen wurde.

Die Ausgangslage ist: Am Freitag hat ein Mann sein Auto vor dem Dornbacher Krankenhaus Göttlicher Heiland geparkt. In seinem Wagen erlitt er einen Herzinfarkt. Eine Passantin entdeckte ihn und schlug daraufhin im Spital Alarm. Bis hierher sind sich alle Beteiligten einig. Dann beginnen die Angaben zu divergieren.


Gegenüber der Zeitung "Heute" erklärte die Passantin, der Portier habe ihr gesagt, dass die Ärzte das Krankenhaus nicht verlassen dürfen und dass sie die Rettung verständigen solle. Sie habe das Krankenhaus verlassen und 144 gewählt, erklärte sie. Danach sei sie wieder ins Spital hineingegangen und habe zwei Ärzte um Hilfe gebeten. Diese haben zuerst überlegt, ob sie das Krankenhaus verlassen dürfen. Schließlich - ab diesem Zeitpunkt herrscht wieder Einigkeit - seien sie hinausgegangen, haben den Mann reanimiert und gewartet, bis die Rettung eintraf. Mit dieser wurde er ins nahegelegene Wilhelminenspital gebracht, wo er verstarb.

Die Version der anderen Seite lautet, dass der Portier in der Tat die Passantin gebeten habe, die Rettung zu rufen, allerdings, um unterdessen schnell verfügbare Ärzte zu finden, die dann auch gekommen seien, heißt es. Schließlich kann man in einem Krankenhaus nicht einfach wahllos einen Arzt vor die Türe zerren. Das zeigt allein der Extremfall eines gerade operierenden Arztes.

Ärzte durften per Gesetz
das Spital verlassen

Die Frage, ob die Ärzte das Krankenhaus verlassen durften, sei hingegen geklärt, sagt Thomas Holzgruber, Kammeramtsdirektor der Ärztekammer. "Die Ärzte dürfen grundsätzlich ihren Dienstort, das Spital, nicht verlassen. In einer Notstandssituation dürfen die Mediziner laut Ärztegesetz jedoch auch hinaus."

Stellt sich noch die Frage nach der Zuständigkeit des Krankenhauses. Immerhin wurde der Patient in ein anderes überstellt. Mit der Spitalsreform - Stichwort Zusammenlegung von Spitälern und Spezialisierung - hat das Ganze laut Ärztekammer nichts zu tun. "Die Spitäler sind unterschiedlich ausgestattet und haben im gegenständlichen Fall auch unterschiedliche kardiologische Möglichkeiten."

Zwar verfügt man im Göttlichen Heiland über eine kardiologische Abteilung und mit knapp 100 implantierten Herzschrittmachern im Jahr über eine der größten Implantationsabteilungen in Wien. Für den konkreten Fall sei man dort aber schlecht gerüstet gewesen, meint Holzgruber: "Das Wilhelminenspital verfügt über einen Herzkatheter, den man im Göttlichen Heiland nicht hat."

Gleichzeitig erklärte der Ärztekammerjurist, dass man die Spitalsportiere künftig dahingehend schulen werde, sofort die Rettung zu rufen und einen verfügbaren Arzt ausfindig zu machen - was in diesem konkreten Fall aber ohnedies geschehen sei.




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Dokument erstellt am 2018-11-06 18:01:09


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