• vom 07.11.2018, 18:02 Uhr

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Update: 07.11.2018, 20:06 Uhr

Gedenken

Shoah-Gedenkmauer fix




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  • Die Bundesregierung sagt bis zu 4,5 Millionen Euro zu, der Standort ist noch nicht ganz sicher.

So könnte die Namensmauer aussehen. - © Quelle: www.shoah-namensmauern-wien.at

So könnte die Namensmauer aussehen. © Quelle: www.shoah-namensmauern-wien.at



Wien. Das schon lange geplante Projekt einer Namensgedenkmauer für die rund 66.000 in der NS-Zeit ermordeten Juden aus Österreich rückt der Realisierung einen großen Schritt näher. Statt der bisher geplanten 50-prozentigen Kostenbeteiligung will der Bund die Finanzierung nun fast zur Gänze übernehmen. Bis zu 4,5 Millionen Euro werden dafür laut Ministerratsbeschluss reserviert.

Am Dienstag hatte Bundeskanzler Sebastian Kurz den Initiator der Namensmauer, den Holocaust-Überlebenden Kurt Yakov Tutter, getroffen. Nach dem Ministerrat am Mittwoch betonte Kurz, es sei wichtig, ein würdiges Gedenken auch über das heurige Gedenkjahr hinaus möglich zu machen. Zuvor hatte er erklärt: "Als Bundeskanzler ist mir die Verantwortung der Erinnerung an die Ermordung der 66.000 österreichischen Jüdinnen und Juden durch das NS-Terror-Regime und die Mahnung an dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte zu wichtig, um hier weiter Zeit zu verlieren." Tutter sei mit seinem Projekt fast 20 Jahre lang von einer Behörde zur nächsten geschickt worden. Nun sei sichergestellt, dass die Namensmauer endlich Wirklichkeit werde. Vizekanzler Heinz-Christian Strache nannte die Realisierung "wundervoll".


Wo das Mahnmal errichtet werden soll, steht noch nicht ganz fest. War im März noch die Rede vom Schmerlingplatz, hieß es am Mittwoch, die Mauer könnte im Ostarrichipark bei der Nationalbank aufgestellt werden. Ein Sprecher des Bundeskanzlersamts meinte allerdings zur "Wiener Zeitung", der Standort sei noch nicht ganz fixiert, aber "auf jeden Fall in der Innenstadt".

Namen aller jüdischen Opfer
Auch ob die bisher kolportierte Visualisierung tatsächlich schon die Letztfassung sein wird, ist derzeit noch unklar. Die Mauer soll jedenfalls die Namen aller jüdischen Opfer tragen. Das größte Hindernis bei der Umsetzung war bisher die Finanzierung. Die Stadt Wien, die den Vorstoß des Bundes begrüßt, hatte sich in der Vergangenheit unter Verweis auf bestehende Denk- und Mahnmale (etwa das im Jahr 2000 errichtete Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah auf dem Judenplatz) nur bereit gezeigt, die Pflege und Erhaltung zu übernehmen. Mit der Aufstockung des Bundes sind die angedachten Errichtungskosten zwischen 4,8 und 5,3 Millionen Euro (sie sind durch die Standortverlegung noch ein wenig gestiegen) aber nun fast zur Gänze gedeckt. Das Finanzierungskonzept von Tutters Verein sieht vor, dass die Stadt Wien das Projekt mit 200.000 Euro unterstützt, die anderen Bundesländer mit je 50.000 Euro. Rund 200.000 Euro konnten privat aufgestellt werden.

Bestrebungen zur Errichtung einer solchen Gedenkstätte gebe es bereits seit fast 20 Jahren, hieß es seitens der Regierung. Internationale Vorbilder für die Namensmauer seien etwa die 2005 eröffnete Shoah-Gedenkstätte in Paris, das Nationaldenkmal für die jüdischen Märtyrer Belgiens in Brüssel oder ein in Amsterdam geplantes Holocaust-Memorial.

Bundespräsident ist erfreut
Bundespräsident Alexander Van der Bellen wertet die Realisierung der Shoah-Gedenkmauer als wichtiges Zeichen im heurigen Gedenkjahr. In einer Aussendung am Mittwoch begrüßte er die Finanzierungszusage des Bundes und die grundsätzliche Standortgenehmigung der Stadt Wien im Ostarrichipark vor der Nationalbank: "Aus vielen Gesprächen mit Überlebenden der Shoah weiß ich, wie wichtig ihnen und ihren Nachkommen die Erinnerung an die Schrecken von Nationalsozialismus, Krieg, Verfolgung und Holocaust ist. Österreich bekennt sich zu seiner Verantwortung und zu seiner Verpflichtung, die Erinnerung an diese schreckliche Vergangenheit unseres Landes wachzuhalten." Er habe daher das Projekt stets aus voller Überzeugung unterstützt.




Schlagwörter

Gedenken, Shoa, Denkmal

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-07 18:13:13
Letzte Änderung am 2018-11-07 20:06:47


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