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Update: 21.11.2018, 07:53 Uhr

Kirche

Personalschwund am Altar




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Von Mathias Ziegler

  • Die Zahl der Priester geht kontinuierlich zurück - damit werden auch die Forderungen nach Aufweichungen bei der Weihezulassung lauter. In Wien sieht man noch keinen Handlungsbedarf.

- © Renáta Sedmáková - stock.adobe.c

© Renáta Sedmáková - stock.adobe.c

Wien/Berlin. Erschreckende Zahlen hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken jüngst veröffentlicht: Von den derzeit rund 13.500 Priesterstellen in Deutschland könnten im Jahr 2030 bis zu 7000 nicht mehr besetzt sein. Auch die evangelische Kirche im Nachbarland befürchtet laut dem Magazin "Focus" im selben Zeitraum einen Rückgang der Pfarrerinnen und Pfarrer von aktuell etwa 21.000 auf nur noch 14.000.

Zentralkomitee-Präsident Thomas Sternberg sprach von einer "katastrophalen Entwicklung", die bedeute, dass "wir die gewohnten Strukturen nicht mehr halten können". Laien müssten in Zukunft viel mehr Aufgaben übernehmen. Und auch der Vorsitzende des evangelischen Pfarrerverbands, Andreas Kahnt, warnte: "Das führt jeden einzelnen Pfarrer an seine Belastungsgrenze - und darüber hinaus."


In der Erzdiözese Wien lösen diese Warnungen aus Deutschland noch keine echte Beunruhigung aus. Michael Prüller, Sprecher von Erzbischof Christoph Schönborn, hält "aufgrund des hohen Anteils von Ordenspriestern und Ausländern im Pfarrdienst und deren hoher Fluktuation die Zu- und Abgänge für nicht realistisch prognostizierbar". Sprich: Natürlich wird es künftig weniger österreichische Priester geben, einerseits durch Todesfälle und andererseits wegen sinkender Weihezahlen. Dies als alleinige Basis heranzuziehen, wäre aber eben nicht sehr seriös.

Rückgang um 5,5 Prozent in den vergangenen zwölf Jahren
Er sieht außerdem noch einen gewissen Puffer: "Von den derzeit rund 1180 Welt- und Ordenspriestern in der Erzdiözese haben nur 700 eine diözesane Aufgabe. Der Rest sind Pensionisten, Ordenspriester im Kloster und Priester mit anderen Aufgaben, etwa Universitätsprofessoren."

Mit Blick auf die jüngere Vergangenheit geht Prüller von einem moderateren Rückgang aus: "In den vergangenen zwölf Jahren hat der Priesterstand in Österreich um 5,5 Prozent abgenommen, in Wien waren es minus 3,5 Prozent. Geht das so weiter, haben wir also im Jahr 2030 wohl um 5,5 Prozent weniger Priester als jetzt."

Relevant ist bei der Frage, wie viele Priester gebraucht werden, natürlich auch die Zahl der zu betreuenden Katholiken. "Bei 700 Priestern im diözesanen Dienst und rund 1,2 Millionen Katholiken kommt in der Erzdiözese ein Priester auf etwas mehr als 1700 Katholiken", rechnet Prüller vor, "bei insgesamt 1180 Priestern sind es sogar nur knapp mehr als 1000 Katholiken je Priester - das ist im weltweiten Vergleich geradezu luxuriös." So kommen beispielsweise in manchen brasilianischen Diözesen, wo die Zahl der Katholiken steigt, während jene der Priester sinkt, teilweise 5000 Katholiken auf einen Priester - in der Diözese Caxias do Maranhão ist das Verhältnis sogar 1:33.000 (25 Priester in 23 Pfarren für 825.000 Katholiken). In der Erzdiözese Buenos Aires, wo der Papst herkommt, ist es immerhin 1:3500.

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Schlagwörter

Kirche, Religion, Priester, Zölibat

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-20 18:16:29
Letzte Änderung am 2018-11-21 07:53:14


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