• vom 28.11.2018, 17:43 Uhr

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Bundesheer-Bootsunfall hätte verhindert werden können




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  • Hätte der Bootsführer die Geschwindigkeit reduziert, wäre das Boot nicht gekentert, schließt der Abschlussbericht.

Ein Bundesheerboot vom gleichen Typ wie jenes, mit dem der Unfall auf der Donau passierte. - © apa/Helmut Fohringer

Ein Bundesheerboot vom gleichen Typ wie jenes, mit dem der Unfall auf der Donau passierte. © apa/Helmut Fohringer

Wien. (apa/dab) Nach dem Kentern eines Bundesheer-Pionierbootes auf der Donau bei Hainburg ist am Mittwoch der Unfallbericht präsentiert worden. Demnach hätte das Unglück verhindert werden können, wenn der Bootsführer die Geschwindigkeit reduziert hätte. Da dies nicht geschah, drangen über die Bugwelle pro Sekunde hunderte Liter Wasser ein und führten zum Kentern.

Der Unfall war im Rahmen der Anwerbungsveranstaltung "Girls’ Camp" des Heeres passiert. Das Pionierboot mit einem Unteroffizier als Steuermann war mit 13 Personen - acht Teilnehmerinnen und fünf Soldaten - besetzt, als es am 1. September kenterte.


Zwei Frauen im Alter von 18 und 22 mussten reanimiert werden. Sie waren unter das Arbeits- und Transportboot geraten. Laut einem Zeitprotokoll der Untersuchungskommission wurden sie 39 bzw. 45 Minuten nach dem Kentern des Bootes aus dem Wasser gezogen - im Bugbereich hatte sich eine Luftblase gebildet.

Die Rettung habe so lange gedauert, weil das 2,5 Tonnen schwere Boot durch eine Seilwinde des Schiffes der Schifffahrtsaufsicht "Hainburg" angehoben werden musste, so der Abschlussbericht. Wegen der Strömung und des starken Wellengangs wäre es ansonsten lebensgefährlich gewesen, unter das Boot zu tauchen. Über den Gesundheitszustand der 18- und 22-Jährigen werden auf Wunsch der Angehörigen weiterhin keine Auskünfte erteilt.

Hunderte Liter pro Sekunde
Technisch war das Boot in Ordnung. Das Geschehen ist aufgrund des vorhandenen Videomaterials gut dokumentiert: Verursacht wurde der Unfall durch die Fahrweise des Bootsführers, wie der Sachverständige Hermann Steffan darlegte.

Das Boot fuhr mit mittlerer Geschwindigkeit in eine größere Welle. Durch die stärkere Bugbeladung tauchte es in die Welle hinein, wodurch Wasser eindrang. Das wäre an sich unbedenklich, so Gutachter Steffan. Hätte der Bootsführer nämlich den Schub zurückgenommen, wäre der Bug wiederaufgetaucht und das Wasser am Heck abgeflossen bzw. durch die Lenzpumpen beseitigt worden.

Der Bootsführer reduzierte die Geschwindigkeit allerdings nicht: Dadurch schwappte das Wasser weiter ins Boot, pro Sekunde waren es mehrere hundert Liter. Das führte in kürzester Zeit zum Kentern des Bootes.

Aus Sicht des Gutachters ist "kein Fahrfehler von vorne hinein" vorgelegen. Letztlich habe es sich um eine "Verkettung von Faktoren" gehandelt. In die Ausbildung des Bundesheers aufzunehmen sei künftig, dass Gas weggenommen werden müsse, "wenn der Bug unterschneidet".

Über strafrechtliche Konsequenzen entscheidet die zuständige Staatsanwaltschaft Korneuburg. Ihr wurde der 60-seitige Untersuchungsbericht bereits übermittelt.




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Dokument erstellt am 2018-11-28 17:55:32


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