• vom 05.12.2018, 16:55 Uhr

Stadtleben

Update: 05.12.2018, 18:07 Uhr

Gruft

50 Euro für Schlafsack und eine warme Mahlzeit




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Die Caritas sammelt für das Gruft-"Winterpaket". Präsident Landau warnt vor Kürzungen bei der Mindestsicherung.

In der Gruft wurden heuer bereits rund 111.000 Mahlzeiten ausgegeben und mehr als 21.000 Nächtigungen verzeichnet. - © APAweb, Georg Hochmuth

In der Gruft wurden heuer bereits rund 111.000 Mahlzeiten ausgegeben und mehr als 21.000 Nächtigungen verzeichnet. © APAweb, Georg Hochmuth

Wien. Der Wintereinbruch trifft Obdachlose besonders hart. Die Caritas machte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch auf die Not dieser Menschen aufmerksam und rief zum Spenden für das Gruft-"Winterpaket" auf. "Jetzt ist die härteste Zeit", sagte Generalsekretär Klaus Schwertner. "Selbst wenn es keine Minusgrade hat, ist das Leben auf der Straße im Winter lebensgefährlich."

"Die Zahl der Menschen, die für eine warme Mahlzeit in die Gruft kommen, steigt seit Jahren kontinuierlich an", berichtete Caritas-Präsident Michael Landau. Heuer wurden bereits rund 111.000 Mahlzeiten ausgegeben. Auch die Schlafplätze werden stark genutzt. 2017 wurden insgesamt 22.400 Nächtigungen in der Gruft verzeichnet. In diesem Jahr waren es mit Stand 30. November bereits 20.151 Nächtigungen.

Information

Die Caritas ersucht im Übrigen auch um Sachspenden: Benötigt werden etwa Winterschuhe in allen Größen, warme Handschuhe, waschbare Wolldecken und Waschpulver.

Caritas Spendenkonto IBAN AT163100000404050050, BLZ 31000, Kennwort "Gruft Winterpaket";
Online-Spenden unter

www.gruft.at

Die Caritas schätzt, dass in Wien einige hundert Menschen von akuter Obdachlosigkeit betroffen sind. Um ihnen zu helfen, verstärkt die Organisation im Winter ihre Anstrengungen. Die Zahl der Notquartiersplätze wurde auf 290 Betten aufgestockt und die Straßensozialarbeit der Gruft von drei auf sieben Tage ausgeweitet. Außerdem ist das Kältetelefon der Caritas (01/480 45 53) rund um die Uhr erreichbar. Seit Anfang November sind bereits mehr als 1200 Anrufe eingegangen, berichtete Landau.

Die aktuelle Kampagne für das "Winterpaket" der Obdachloseneinrichtung Gruft wird von Schauspieler Manuel Rubey unterstützt. Eine Spende von 50 Euro finanziert einen Schlafsack und eine warme Wahlzeit. Rubey begleitete die Streetworker der Gruft bei einem ihrer Nachteinsätze. "Es war schön zu erleben, wie würdevoll und auf Augenhöhe diese Arbeit passiert", erzählte er.

Immer mehr obdachlose FrauenVon den Herausforderungen des Lebens auf der Straße berichtete Violetta, die seit drei Jahren mit Obdachlosigkeit kämpft. "Ich weiß nicht, was ohne Gruft mit mir passiert wäre", sagte sie. "Es ist wirklich nicht angenehm, als Frau schon gar nicht, weil man Angst hat."

Die Zahl der obdachlosen Frauen steigt. 2017 waren 36 Prozent der erwachsenen Klienten der Wohnungslosenhilfe Frauen, berichtete Schwertner. Vor 20 Jahren seien es noch zu 80 Prozent Männer gewesen. "Wir müssen die frauenspezifischen Angebote weiterentwickeln", betonte er. Auch das Netz für psychisch kranke obdachlose Menschen müsste engmaschiger sein, sagte Schwertner. Allerdings: "Es fehlt das Geld dafür."

Landau nutzte die Pressekonferenz, um "einen dringenden Appell" an die Bundesregierung gegen die Kürzung der Mindestsicherung zu richten. "Sollten die Änderungen in dieser Form umgesetzt werden, werden wir das in unseren Einrichtungen spüren", warnte er. Ziel einer jeden Reform müsse es schließlich sein, dass es den Menschen nachher besser und nicht schlechter geht, meinte Landau. Und es müsse darum gehen, die Armut zu bekämpfen und nicht die Armutsbetroffenen.





4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-05 17:07:48
Letzte Änderung am 2018-12-05 18:07:57


Vor Gericht

Verbissen

Den verpflichtenden Hundeführschein für ihren Pitbull hat die Zweitangeklagte nicht gemacht (Symbolfoto). - © afp/Jack Guez Wien. Selbst nach Verhandlungsschluss kehrt keine Ruhe ein. Beschwerden hallen durch den Saal, Angeklagte und deren Angehörige umringen den... weiter




Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Initiative will Weinsorte Zweigelt umbennen
  2. Proteste gegen "Grätzl-Wall"
  3. "Machbares vom Nötigen unterscheiden"
  4. "Die FPÖ ist eine rassistische Partei"
  5. Ein Jahr der Führungswechsel
Meistkommentiert
  1. "Die FPÖ ist eine rassistische Partei"
  2. Debatte um Zukunft der Zweierlinie
  3. 50 Euro für Schlafsack und eine warme Mahlzeit
  4. Wien rückt ein Stück näher an Bratislava
  5. Soros’ Zentraleuropa-Uni kommt nach Wien

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Werbung