• vom 22.12.2018, 10:00 Uhr

Stadtleben

Update: 22.12.2018, 10:07 Uhr

Pensionisten

Jingle Bells im Altersheim




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Inge Fanta lebt seit sechs Jahren im Pensionisten-Wohnhaus Türkenschanze, auch, wenn sie das eigentlich gar nicht müsste. "Meine Tochter sagt zu mir immer noch: ,Mama, wenn du hier mal unglücklich bist, ich nehm dich sofort‘", meint sie lachend. Karl Perschl hingegen ist vor einem Dreivierteljahr in das Wohnhaus gezogen, nachdem er sein Haus wegen einer laufenden Generalsanierung verlassen musste. Wegen der Betreuung wird er der 87-Jährige bleiben, genauso wie der zwei Jahre jüngere Helmut Schlögel. "Es ist hier ein bisschen wie bei Familienclans", meint Perschl. "Und das Haus ist in gewisser Hinsicht in der Hand der Damen", fügt er scherzend an. "Nicht anders als früher zuhause", kontert Janette Gsellmann lachend.

Langweilig scheint den Bewohnern jedenfalls zwischen den Mahlzeiten, Spaziergängen, Kegeln, gemeinsamem Plaudern und anderen Aktivitäten nicht zu werden. "Wobei ich sagen muss, dass es für die Jüngeren von uns - also zwischen 75 und 85 - manchmal zu wenig Angebote gibt. Wir sind wohl zu agil", wirft die 78-jährige Inge Fanta lachend ein. Beim KWP betont man aber, dass pro Jahr tausende Aktivitäten angeboten würden, von Nordic Walking über Speed Dating bis hin zu Yoga, Wandern oder Smartphone- und Tablet-Kursen.

Die offene Weihnachtsfeier in den "Häusern zum Leben" findet heuer zum zweiten Mal statt. Jedes der Häuser hat ein eigenes Programm erarbeitet. Die Palette reicht von Lesungen über Künstlerauftritte, Live-Musik oder Darbietungen von Kindergruppen. Hannes Kopetzny arbeitet als Alltagsbegleiter auf der Türkenschanze und ist als Teil des Duos "The Two Of Us" auch für die musikalische Unterhaltung der Hausfeier zuständig.

Klassik statt Kitsch

"Diese Feiern sind etwas intimer als die großen der Pensionistenklubs. Bei Keksen und Punsch spielen wir traditionelle Weihnachtslieder und lesen zwischendurch Gedichte vor", erzählt er. Er erinnert sich noch gut an die letztjährige Premiere im Haus Türkenschanze. Eigentlich sind er und seine Kollegin damals kurzfristig für jemand anderes eingesprungen. "Es ist aber sehr gut bei den Damen und Herren angekommen", sagt er. Bis in den Jänner hinein habe er positive Rückmeldungen bekommen. "Es hat vielen sogar besser gefallen als die große Klubweihnachtsfeier. Kein Kitsch, nichts Modernes - einfach zwei Akustikgitarren und die traditionellen Weihnachtslieder." Das Programm hatte er damals so angelegt, wie er Weihnachten noch aus seiner eigenen Kindheit kannte. "Viele hat es auch an die Weihnachtsfeste vor ihrer Zeit im Pensionisten-Wohnhaus erinnert", ist Kopetzny überzeugt.

Abseits von Gemeinschaftsfesten haben die Senioren aus der Türkenschanze aber auch ihre eigenen Rituale und Traditionen, wie sie das Fest im Wohnhaus begehen. Kleine, eingeschworene Gruppen besuchen einander in ihren Appartements. Oder man lädt selbst Freunde und Familie ein. "Es ist jetzt natürlich anders, als wenn man noch mit den Kindern feiert, wenn sie jünger sind", sagt Janette Gsellmann. "Wir machen das schon seit Jahren so, dass mich die Familie besuchen kommt", erzählt Gertrude Oberarzbicher. "Meine Schwester kommt auch rüber und dann sind wir alle in meiner Wohnung beisammen. Die Jungen setzen sich halt auf den Teppich oder das Bett, aber es ist genug Platz", meint sie.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-21 18:29:06
Letzte Änderung am 2018-12-22 10:07:43


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