Wien. Die kalte Jahreszeit ist für Menschen in Not oder ohne Dach über dem Kopf eine besonders harte Zeit. Die Caritas richtet für sie jährlich sogenannte Wärmestuben ein. In der heurigen Saison werden bis März insgesamt 30 solcher Standorte zum Aufwärmen geöffnet sein. So viele Stuben habe es noch nie gegeben, betonte Klaus Schwertner, Wiens Caritas-Generalsekretär, bei einer ersten Zwischenbilanz zur Winternothilfe am Donnerstag.

Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren stets gestiegen. Waren es im Winter 2016/17 noch über 9800 Besuche in 22 Wärmestuben, so zählte man im vergangenen Winter mehr als 11.300 Besuche in 24 Standorten. Bis Ende März 2019 werden 30 dieser Wärmestuben, in denen es auch Kleinigkeiten zu essen gibt, in Wien abwechselnd geöffnet haben. Im Jänner öffnet erstmals eine eigene Wärmestube ausschließlich für Frauen. Sie wird in der Donaucitykirche in der Donaustadt untergebracht sein.

53 Prozent der Menschen, die in den Wärmestuben versorgt werden, sind Österreicher. Die restlichen 47 Prozent teilen sich auf Menschen aus dem EU-Ausland - vor allem aus der Slowakei, Ungarn und Rumänien - und aus Drittstaaten auf, so Schwertner. Unter den Gästen sind neben Obdachlosen auch Pensionisten, die ihre Wohnung aus finanziellen Gründen nicht ausreichend heizen können. Von dieser Situation betroffen sind laut Caritas in diesem Winter 206.000 Menschen österreichweit.

Mehr ausgegebene Mahlzeiten

Sorgen bereitet den Organisatoren auch der Anstieg der ausgegebenen Mahlzeiten in der "Gruft": Gab man im Jahr 2013 noch 99.688 Mahlzeiten an Bedürftige aus, stieg die Zahl bis 2017 auf über 127.000 Portionen. "Die Schlangen werden länger, nicht kürzer", kritisierte Klaus Schwertner die Neuerungen bei der Mindestsicherung. Statt dem "neuen Stil", von dem die Regierung immer spreche, plädierte er für einen "guten Stil".

Schwertner sieht eine Verfestigung der Armut. Es werde schwieriger, aus dieser herauszukommen. Auch akute Obdachlosigkeit aufgrund von psychischen Erkrankungen und der Scham davor, Hilfe anzunehmen, ist laut Schwertner ein Problem. In diesem Winter sind vermehrt Streetworker auf den Straßen unterwegs, sowie Suppen- und mobile Ärztebusse. Spenden werden auch nach Weihnachten benötigt, betonte Schwertner. Sachspenden wie Tee, Kekse und Taschentücher können in den jeweiligen Pfarren abgegeben werden.

Nicht nur die Caritas, auch andere Hilfsorganisationen helfen bedürftigen Menschen über den Winter. Koordiniert, abgewickelt und finanziert werden die Angebote vom Fonds Soziales Wien. Bis 30. April 2019 stehen insgesamt 1400 Schlafplätze und über 700 Plätze in bestehenden Tageszentren und Wärmestuben bereit, informierte der FSW.