• vom 27.12.2018, 18:01 Uhr

Stadtleben

Update: 27.12.2018, 18:19 Uhr

Obdachlosigkeit

"Die Schlangen werden länger"




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Die Caritas richtet heuer so viele Wärmestuben wie noch nie zuvor ein.

Für Menschen ohne Wohnung ist der Winter eine besonders harte Zeit. - © APAweb/dpa, Paul Zinken

Für Menschen ohne Wohnung ist der Winter eine besonders harte Zeit. © APAweb/dpa, Paul Zinken

Wien. Die kalte Jahreszeit ist für Menschen in Not oder ohne Dach über dem Kopf eine besonders harte Zeit. Die Caritas richtet für sie jährlich sogenannte Wärmestuben ein. In der heurigen Saison werden bis März insgesamt 30 solcher Standorte zum Aufwärmen geöffnet sein. So viele Stuben habe es noch nie gegeben, betonte Klaus Schwertner, Wiens Caritas-Generalsekretär, bei einer ersten Zwischenbilanz zur Winternothilfe am Donnerstag.

Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren stets gestiegen. Waren es im Winter 2016/17 noch über 9800 Besuche in 22 Wärmestuben, so zählte man im vergangenen Winter mehr als 11.300 Besuche in 24 Standorten. Bis Ende März 2019 werden 30 dieser Wärmestuben, in denen es auch Kleinigkeiten zu essen gibt, in Wien abwechselnd geöffnet haben. Im Jänner öffnet erstmals eine eigene Wärmestube ausschließlich für Frauen. Sie wird in der Donaucitykirche in der Donaustadt untergebracht sein.


53 Prozent der Menschen, die in den Wärmestuben versorgt werden, sind Österreicher. Die restlichen 47 Prozent teilen sich auf Menschen aus dem EU-Ausland - vor allem aus der Slowakei, Ungarn und Rumänien - und aus Drittstaaten auf, so Schwertner. Unter den Gästen sind neben Obdachlosen auch Pensionisten, die ihre Wohnung aus finanziellen Gründen nicht ausreichend heizen können. Von dieser Situation betroffen sind laut Caritas in diesem Winter 206.000 Menschen österreichweit.

Mehr ausgegebene Mahlzeiten
Sorgen bereitet den Organisatoren auch der Anstieg der ausgegebenen Mahlzeiten in der "Gruft": Gab man im Jahr 2013 noch 99.688 Mahlzeiten an Bedürftige aus, stieg die Zahl bis 2017 auf über 127.000 Portionen. "Die Schlangen werden länger, nicht kürzer", kritisierte Klaus Schwertner die Neuerungen bei der Mindestsicherung. Statt dem "neuen Stil", von dem die Regierung immer spreche, plädierte er für einen "guten Stil".

Schwertner sieht eine Verfestigung der Armut. Es werde schwieriger, aus dieser herauszukommen. Auch akute Obdachlosigkeit aufgrund von psychischen Erkrankungen und der Scham davor, Hilfe anzunehmen, ist laut Schwertner ein Problem. In diesem Winter sind vermehrt Streetworker auf den Straßen unterwegs, sowie Suppen- und mobile Ärztebusse. Spenden werden auch nach Weihnachten benötigt, betonte Schwertner. Sachspenden wie Tee, Kekse und Taschentücher können in den jeweiligen Pfarren abgegeben werden.

Nicht nur die Caritas, auch andere Hilfsorganisationen helfen bedürftigen Menschen über den Winter. Koordiniert, abgewickelt und finanziert werden die Angebote vom Fonds Soziales Wien. Bis 30. April 2019 stehen insgesamt 1400 Schlafplätze und über 700 Plätze in bestehenden Tageszentren und Wärmestuben bereit, informierte der FSW.




Schlagwörter

Obdachlosigkeit, Wien, Caritas

3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-27 17:50:01
Letzte Änderung am 2018-12-27 18:19:31


Vor Gericht

"Ich dachte, dass ich sterben muss"

So sauber und korrekt wie hier soll es bei den Operationen des Angeklagten nicht zugegangen sein: Er soll teils in Straßenkleidung, ohne Mundschutz und Handschuhe operiert haben. - © apa/Roland Schlager Wien. Auch heute noch ist Frau T. von dem Eingriff traumatisiert. Sie beginnt zu weinen, als sie davon erzählt. Erst nachdem ihr ein Wasser gereicht... weiter




Vor Gericht

Verbissen

Den verpflichtenden Hundeführschein für ihren Pitbull hat die Zweitangeklagte nicht gemacht (Symbolfoto). - © afp/Jack Guez Wien. Selbst nach Verhandlungsschluss kehrt keine Ruhe ein. Beschwerden hallen durch den Saal, Angeklagte und deren Angehörige umringen den... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Sonja Klima wird neue Chefin der Spanischen Hofreitschule
  2. Ein Wiener Baumtempel wie aus dem Märchenbuch
  3. Kräne in Wien umgestürzt
  4. Vorbereitung auf Wachstumseinbruch
  5. Immer mehr Frauen als Mordopfer
Meistkommentiert
  1. Wiens Pläne laut Juristen unzulässig
  2. Ludwig kontert Kritik von Kurz und Strache
  3. "Ab 2021 sind E-Autos massentauglich"
  4. Keine Toleranz beim Thema Gewalt
  5. Essverbot ab 15. Jänner in allen U-Bahnen

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Werbung