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Update: 18.01.2019, 20:14 Uhr

Wien

Sonja Klima wird neue Chefin der Spanischen Hofreitschule




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Von WZ Online, APA

  • Sie tritt die Nachfolge von Elisabeth Gürtler an. Der Beirat hatte einen anderen Kandidaten im Auge.

Sonja Klima ist Exfrau des früheres Bundeskanzlers Viktor Klima. - © APAweb, Georg Hochmuth

Sonja Klima ist Exfrau des früheres Bundeskanzlers Viktor Klima. © APAweb, Georg Hochmuth

Wien. Sie ist eine Touristenattraktion ersten Ranges und blickt auf eine lange Tradition zurück: die Spanische Hofreitschule. Im vergangenen Herbst kündigte Geschäftsführerin Elisabeth Gürtler an, auf eigenen Wunsch mit Jahresende 2018 aus der Geschäftsführung der Hofreitschule auszuscheiden. Nun entschied der Aufsichtsrat, dass ihr Sonja Klima nachfolgen soll.

"Das war kein politischer Job", meint Gürtler, die die Hofreitschule seit 2007 geleitet hat. "Man muss die klassische Reitkunst bewahren. Das steht im Gesetz." Dazu gehöre, die Rasse der Lipizzaner zu erhalten und die besten Hengste für die Hofreitschule zu bekommen. Es gehe um die Pflege der klassischen Reiterei. Und die Hofreitschule sollte möglichst keine oder wenig Verluste schreiben, so die frühere langjährige Sacher-Chefin. "Das ist uns halbwegs gelungen. Ich habe meinen Mitarbeitern immer gesagt: ‚Solange wir keine Probleme machen, ist Ruhe.‘" Andernfalls würde "die Politik die Probleme lösen – und das ist schlecht".

Als sie im Dezember 2007 die Hofreitschule übernahm, hatte diese Verluste von 23 Millionen Euro. Diese seit der Umwandlung im Jahr 2001 in eine Gesellschaft öffentlichen Rechts – noch immer im Besitz des Bundes – angesammelten Schulden wurden zum größten Teil abgebaut. Als Grundvoraussetzung für eine verlustfreie Bilanz nennt Gürtler genügend Vorführungen: "Als ich kam, gab es 36 Vorführungen im Jahr. Jetzt sind es 90, und wir gehen auch auf Tourneen."

Nun übergibt Gürtler also an die Ex-Frau von Viktor Klima. An der Seite des einstigen Kanzlers (1997 bis 2000) war sie noch Volksschullehrerin, Sonderpädagogin, Personalvertreterin und Tierfreundin. Später wechselte sie ins Charity-Business. Die Klimas galten als Glamour-Paar der Innenpolitik mit Home-Storys, Frauenlauf, Ennstal-Oldtimer-Classic, Webpelz-Modeschau. Hund Grolli erreichte an ihrer Seite Starruhm.

Frühe Scheidung und Charity-Aktivitäten

Die Ehe hielt nicht viel länger als die Kanzlerschaft. Er ging nach Argentinien, sie heiratete den Kulturmanager Josef Kirchberger und blieb Mitglied der heimischen Society, meist im Zusammenhang mit Charity-Aktivitäten. Besonders für die Ronald McDonald-Kinderhilfe war Klima aktiv, seit 2010 als Geschäftsführerin (sie ist nun in den Aufsichtsrat gewechselt). Parallel baute die begeisterte Reiterin auch an ihrer Karriere im Pferde-Business. In ihrer Heimatstadt Baden war sie von 2009 bis 2014 Präsidentin des Trabrennvereins, seit einigen Jahren versucht sie sich in Marchegg in der Pferdezucht.

Trotz ihrer Erfahrungen mit Pferden war sie nicht die Wunschkandidatin des vierköpfigen Fachbeirats für die Hofreitschule. Diesem gehören neben der Vorsitzenden Elisabeth Max-Theurer (Präsidentin des Österreichischen Pferdesportverbands) auch Michael Enzinger (Präsident der Rechtsanwaltskammer Wien), Klaus Haim (Präsident des Tiroler Pferdesportverbandes) und Thomas Lang (Grand Prix-Reiter) an. Sie kritisieren Klimas Bestellung als "Postenschacher" und "rein politische Entscheidung". Aus Protest ist der Beirat am Freitag kollektiv zurückgetreten. Im Aufsichtsrat habe kurz darauf Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein sein Mandat zurückgelegt, berichtet die "kleine Zeitung".

Im Rücktrittsschreiben des Beirats an das zuständige Landwirtschaftsministerium heißt es, dass Klima der fachliche Background "leider vollständig" fehle. "Hier wird einer international einzigartigen Institution ein langfristiger Schaden zugefügt." In der öffentlichen Ausschreibung für den Posten sind die Ausübung und Bewahrung der klassischen Reitkunst, die dauerhafte Erhaltung und Zucht der Pferderasse Lipizzaner sowie die Vertretung der die Gesellschaft betreffenden Angelegenheiten in nationalen und internationalen Organisationen als Aufgaben genannt.



Klima schlechter bewertet als hausinterner Kandidat

Diese Anforderungen erfülle nur der hausinterne Kandidat Herwig Radnetter, so der Beirat. Sowohl im Hearing des Gremiums als auch von der Personalberatungsfirma Korn Ferry habe er besser abgeschnitten als Klima. Der langjährige Mitarbeiter der Hofreitschule habe 165 Punkte erreicht, Klima nur 145. Dass sie trotzdem den prestigereichen Posten ergatterte, soll mit ihren politischen Kontakten zusammenhängen, und die sind längst nicht mehr rot gefärbt. So unterstützte sie Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bei der Wahl und ließ sich beim Winterfest von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit ihm ablichten.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), eine enge Vertraute von Kurz, steht jedenfalls zu Klima: Es sei eine "gute Entscheidung, die der Aufsichtsrat heute getroffen hat." Politische Einflussnahme habe es nicht gegeben. Die FPÖ wies unterdessen in einer Aussendung "Unterstellungen, wonach ‚gute Kontakte‘ von Sonja Klima zu Philippa Strache eine Rolle" gespielt hätten, als "völlig absurd" zurück. Vizekanzler Heinz-Christian Strache und seine Ehefrau "kennen Sonja Klima weder persönlich, noch sind sie mit ihr befreundet".





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-17 21:32:58
Letzte Änderung am 2019-01-18 20:14:43



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