• vom 07.02.2019, 06:00 Uhr

Stadtleben


Vor 40 Jahren

"Kaufhaus Gerngroß. Schnell, kommen Sie, es brennt!"




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Von WZ Online, APA, red.

  • Der Brand des Wiener Traditionskaufhauses war eine Bewährungsprobe für die Feuerwehr.

Der Großbrand im Gerngross auf der Mariahilfer Straße am 7. Februar 1979 stellte die Wiener Feuerwehr vor eine große Herausforderung. - © MA 68 Lichtbildstelle

Der Großbrand im Gerngross auf der Mariahilfer Straße am 7. Februar 1979 stellte die Wiener Feuerwehr vor eine große Herausforderung. © MA 68 Lichtbildstelle

Wien. Eine ihrer größten Bewährungsproben hatte die Wiener Feuerwehr vor 40 Jahren zu bestehen: Bei Umbauarbeiten zum 100-Jahr-Jubiläum des Traditionskaufhauses Gerngross brach in der Nacht vom 7. Februar 1979 ein Großbrand aus. Die Flammen breiteten sich rasend schnell aus, die Feuerwehr rief die höchstmögliche Alarmstufe 8 aus (beim Hofburgbrand fand man mit 7 das Auslangen, Anm.).

Insgesamt 670 Feuerwehrleute waren abwechselnd im Einsatz. Zehn Kilometer Löshleitungen wurden verlegt. Erst nach 21 Stunden war der Brand bis auf einige Glutnester gelöscht, weitere eineinhalb Tage wurde Brandwache gehalten. Acht Feuerwehrleute wurden leicht verletzt, es entstand ein Sachschaden von mehr als 1 Milliarde Schilling (72,7 Millionen Euro).

Brandursache waren Schweißarbeiten

Außerhalb der Geschäftszeiten machten sich Arbeiter im älteren Trakt des Gerngross daran, die Rolltreppe vom zweiten in den dritten Stock zu zerschneiden. Zur Sicherheit standen zwei Handfeuerlöscher und eine Scheibtruhe mit 100 Litern Wasser samt Kübeln in unmittelbarer Hähe bereit, wurde dabei doch mit Flammen gearbeitet, die mehr als 1.200 Grad heiß werden.

Dies bewährte sich, als gegen 22.15 Uhr im Schacht ein kleines Feuer ausbrach. Bereits 15 Minuten später beginnen wieder Fett, Öl und Schmutz im alten Rolltreppenschacht zu brennen. Dieses Mal nützten keine nassen Fetzen. Die Arbeiter verließen fluchtartig das Gebäude, nicht ohne hinter sich die Brandschutztüren zu schließen.

Da für die Schweißarbeiten die Brandmeldeanlage abgeschaltet worden war, verständigte der Portier die Feuerwehr: "Kaufhaus Gerngross. Schnell, kommen Sie, es brennt!". Um 22.50 Uhr traf die Feuerwehr am Schauplatz ein. In der Folge kämpften die Einsatzkräfte mit dem größten Feuer, das in Wien seit dem Börsebrand (1956) getobt hat. Eine Flammenwalze trieb die ersten Helfer aus dem Inneren des Gebäudes. Das Feuer arbeitete sich rasch von Stockwerk zu Stockwerk vor, nach kurzer Zeit erreichte es auch den neuen Gerngross-Trakt. Um 23.37 Uhr standen drei Stockwerke in Vollbrand, die Feuerwehr erhöhte auf Alarmstufe 5, nur 10 Minuten später auf Alarmstufe 6, dienstfreie Mannschaft musste einrücken.

Schaden durch Versicherung gedeckt

300 Feuerwehrmänner aus Wien, 198 aus Niederösterreich sowie 50 Soldaten der Luftschutztruppenschule waren im Einsatz, während Spraydosen explodieren, Holzstücke bis zu 200 Meter durch die Luft flogen und infolge auch die Nachbarhäuser gefährdeten. 20 Personen wurden evakuiert, acht Einsatzkräfte leicht verletzt. Von drei Seiten - von der Lindengasse, der Kirchengasse und der Mariahilfer Straße - wurden die Flammen angegangen und nach knapp 21 Stunden bis auf einige Glutnester gelöscht.

Die Gerngross-Geschäftsleitung dachte Stunden nach dem Brand bereits über den Wiederaufbau und das Schicksal der rund 800 Beschäftigten nach. Viele von ihnen stellten sich spontan für Aufräumungsarbeiten zur Verfügung, aber auch Kunden zeigten ihre Solidarität und Treue gegenüber dem traditionsreichen Kaufhaus. "Dies ist eine Verpflichtung dafür, den Gerngroß nicht nur weiterleben zu lassen, sondern ihn noch besser zu machen", so Zentraldirektor Herbert Zlabinger in einer improvisierten Pressekonferenz am 9. Februar.

Insgesamt entstand ein Schaden von mehr als einer Milliarde Schilling (72,7 Millionen Euro), er war von Versicherungen gedeckt. Knapp 13 Monate nach dem Brand eröffnete das Kaufhaus nach den abgeschlossenen Renovierungsarbeiten dann wieder die Pforten.





Schlagwörter

Vor 40 Jahren, Gerngroß, Brand

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-01 10:41:51
Letzte Änderung am 2019-02-02 07:21:21



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