Eine Arbeitsgruppe im Jugendparlament. - © EYP/Alexandra Savu
Eine Arbeitsgruppe im Jugendparlament. - © EYP/Alexandra Savu

Wien. Sie sitzen nur am Telefon, verbringen den ganzen Tag im Internet und interessieren sich kaum für das Weltgeschehen: Das sind nur einige der Vorurteile, die Jugendlichen oft entgegengebracht werden. Dass sich unter den jungen Menschen durchaus auch Politikjunkies befinden, zeigte sich jüngst wieder bei einer Tagung des Europäischen Jugendparlaments (EYP) in Wien, wo von der Krim-Krise bis zum Schmelzen der Gletscher viele wichtige Themen diskutiert und auch Lösungen gesucht wurden.

Freude am Diskutieren

Knapp 100 Teilnehmer aus mehr als 40 Ländern fanden sich Anfang Februar für drei Tage in Wien ein - trotz des finanziellen Aufwands. Denn für die Reisekosten und die Verpflegung mussten die Teilnehmer selbst aufkommen. Die Bandbreite an Diskutanten ist bei diesen internationalen Treffen groß: Vom schüchternen Jugendlichen bis zum selbstbewussten Redner ist jeder Typ vertreten. So kann es der 19-jährige WU-Student Benjamin Schlager kaum erwarten, zum Mikrofon zu greifen. Freudig eilt er zum Pult, als er an der Reihe ist. Er diskutiere "für sein Leben gerne", besonders vor Publikum, erzählt er der "Wiener Zeitung" nach seinem Auftritt.

Gesprochen wird auf Englisch über diverse Themen aus Politik und Wirtschaft. Die Teilnehmer werden auf Komitees aufgeteilt, die jeweils ein Thema samt Problemstellung zugelost bekommen. Zu diesem Problem erarbeiten die Komitees Lösungsvorschläge. Diese werden dann öffentlich präsentiert und - je nach Qualität - von den übrigen Teilnehmern mehr oder weniger zerpflückt, wobei es in der Diskussion oft hitzig zugeht. Manch einer brüllt gar ins Mikrofon, weil sein Vorschlag negativ aufgenommen wird.

Als es aber zur Abstimmung über die vorgebrachten Vorschläge kommt, wird es still im Saal. Alle warten gespannt auf die Resultate. Im Plenum entscheiden alle Teilnehmer der Sitzung, ob die Lösungen des referierenden Komitees angenommen werden.

Spaß und Politik

"Das Jugendparlament holt das Beste aus den Teilnehmern heraus, ich konnte mein Wissen erstmals richtig anwenden", meint WU-Student Schlager. Letztlich sind es nicht nur von Haus aus an Politik Interessierte wie er, die sich hier austoben können. Für die 16-jährige Schülerin Cornelie Becker war die Tagung in Wien die erste derartige Veranstaltung, an der sie teilgenommen hat: "Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so viel Spaß an Politik", meint sie. Vielleicht wird sie ja auch noch zum Politikjunkie.

Wissen

Das Europäische Jugendparlament (European Youth Parliament - EYP) ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich durch Sponsoren und Mitgliedsbeiträge finanziert. Sie veranstaltet europaweit Treffen und bietet Politikbegeisterten eine Plattform, um über europäische Politik zu diskutieren. Bis jetzt haben europaweit rund 34.500 Jugendliche an mehr als 600 EYP-Veranstaltungen teilgenommen. Mehr Informationen im Internet: https://eyp.org