• vom 11.02.2019, 17:51 Uhr

Stadtleben

Update: 11.02.2019, 18:05 Uhr

1932 - 2019

Wienerlied-Sänger Kurt Girk ist tot




  • Artikel
  • Lesenswert (19)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Als "König von Ottakring" ist er am Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben.

Kurt Girk bei einem Auftritt mit der Akkordeonspielerin Marie Theres Stickler.

Kurt Girk bei einem Auftritt mit der Akkordeonspielerin Marie Theres Stickler.© Alfred Pany Kurt Girk bei einem Auftritt mit der Akkordeonspielerin Marie Theres Stickler.© Alfred Pany

Wien. (aum) Als Gigerl - dieser Urwiener Modegeck - hat Kurt Girk seine Karriere begonnen. Als "König von Ottakring" ist er am Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben. Girk war einer der großen Sänger des Wienerlieds. Für seine Verdienste darum wurde er 2012 mit dem Goldenen Rathausmann der Stadt Wien ausgezeichnet. Eigentlich hatte er das Schneiderhandwerk gelernt, das er aber nicht ausübte. Als passionierter Sänger wiederum brauchte er nichts studieren, wie er selbst einmal sagte: "Was braucht man da lernen? Du stellst dich einfach hin und singst."

Girk hatte von Anfang an eine privilegierte Beziehung zur Musik. Schon als Kind sang er gern und zog mit Straßensängern durch Wien. Diese waren jedoch unter dem Austrofaschismus verboten, weshalb er dabei stets vor Denunzianten auf der Hut sein musste. "Der Hitler hat es leicht gehabt", sagte er dazu später. "Die Leute haben ja nur auf einen wie ihn gewartet."

Über den Schlachthof zum Wienerlied

Während seiner Schneiderlehre fiel er der Besitzerin der benachbarten Tanzschule auf. Ob seiner eleganten Erscheinung, bat sie ihn, dort zu tanzen. Seinen Lebensunterhalt bestritt Girk anfänglich als Händler von so ziemlich allem, war dann aber hauptsächlich Eisen- und Schrotttandler. 1950 kam es schließlich zur einschneidenden Begegnung: Heini Criuc war Schlachthofarbeiter in St. Marx und Sänger. Er brachte Girk zum Wienerlied. Zuerst lernte dieser Werke anderer Interpreten, schließlich sang er seine eigenen Lieder.

Seinen ersten offiziellen Auftritt hatte Girk 1953 und sang noch bis in die vergangenen Jahre - etwa beim Wienerlied-Festival "Wean Hean" oder beim Schrammelklang-Festival in Litschau.

Girk war waschechter Ottakringer. Dort wurde er geboren, er wuchs in der Speckbachergasse auf, und verbrachte praktisch sein ganzes Leben im 16. Hieb. Eines seiner berühmtesten Lieder ist "Heimweh nach Ottakring", dort singt er: "I hob Heimweh nach Ottakring, weil do bin i geborn, i hob doch in am anderen Bezirk nix verloren." Eine Einladung nach New York, um im Waldorf Astoria zu singen, schlug der "Frank Sinatra aus Ottakring" - wenig überraschend - aus.

Trotz Widrigkeiten stets positiv und ein "richtiger Sir"

Wenn Girk sang, traf er perfekt die nötige Mischung aus Weinerlichkeit, Gemütlichkeit und Leichtlebigkeit mit einer Prise Humor. Untypisch für einen Wiener raunzte Girk jedoch privat kaum. "Mir ist es eigentlich gut gegangen", sagte er über sein Leben. Der Lungenkrebs, an dem er Ende der 1990er Jahre erkrankte, änderte daran nichts. Und nachdem ihm ein Lungenflügel entfernt worden war, sang und rauchte Girk fleißig weiter.

Auch ein sechsjähriger Gefängnisaufenthalt in der Strafanstalt Karlau konnte Girk die Stimmung nicht vermiesen. Nicht einmal angesichts der Tatsache, dass er bis zuletzt beteuerte, zu Unrecht wegen Komplizenschaft bei einem Postraub verurteilt worden zu sein. In Haft habe er - wie beim Heurigen - wo er gerne auftrat - ausgesteckt und gesungen, erklärte Girk.

"Der König Girk war ein Wiener Original", sagt Manfred Rohrbacher. Der Wiener Schriftsetzer erinnert sich, wie er ihn um die Jahrtausendwende regelmäßig im Kulturcafé Max in Hernals angetroffen hat. Er sei ein Meister des Wiener Schmähs gewesen und "ein richtiger Sir". Denn die Eleganz, die ihn seinerzeit in die Tanzschule gebracht hatte, hat sich Girk stets bewahrt.

"Er ist einer, der sich durchs Leben gesungen hat", beschrieb ihn wiederum sein Wienerlied-Kollege, Sänger und Autor Roland Neuwirth. Noch im Alter von 83 Jahren sagte Girk, dass die Musik sein Lebenselixier sei und er keinerlei Altersbeschwerden verspüre. Das Leben könne für ihn immer so weiter gehen. Das tat es auch, bis es vergangenen Freitag endete.





Schlagwörter

1932 - 2019

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-11 17:56:19
Letzte Änderung am 2019-02-11 18:05:29



Vor Gericht

"Ich dachte, dass ich sterben muss"

So sauber und korrekt wie hier soll es bei den Operationen des Angeklagten nicht zugegangen sein: Er soll teils in Straßenkleidung, ohne Mundschutz und Handschuhe operiert haben. - © apa/Roland Schlager Wien. Auch heute noch ist Frau T. von dem Eingriff traumatisiert. Sie beginnt zu weinen, als sie davon erzählt. Erst nachdem ihr ein Wasser gereicht... weiter




Vor Gericht

Verbissen

Den verpflichtenden Hundeführschein für ihren Pitbull hat die Zweitangeklagte nicht gemacht (Symbolfoto). - © afp/Jack Guez Wien. Selbst nach Verhandlungsschluss kehrt keine Ruhe ein. Beschwerden hallen durch den Saal, Angeklagte und deren Angehörige umringen den... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ehemaliges Cafe Griensteidl wird zur Billa-Filiale
  2. "Unsere Unternehmen sind benachteiligt"
  3. "Man muss das Pferd anders aufzäumen"
  4. Wien und Bratislava wollen Insekten retten
  5. Noch kein Assistent überzeugend
Meistkommentiert
  1. Kein verpflichtender Abbiegeassistent
  2. "Milli Görüs ist extrem anti-integrativ"
  3. Mehr Sicherheit vor Schulen
  4. Rechnungshof kritisiert zu teure Poller
  5. Brauner verlässt Parteivorstand

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter





Große Pandas

Tiergarten Schönbrunn räumt bei Giant Panda Global Awards ab

20190219Große Panda Zwillinge - © APAweb / Tiergarten Schönbrunn, Ming Mei Wien. Mit vier Auszeichnungen hat Schönbrunn bei den 6. Giant Panda Global Awards im niederländischen Rhenen kräftig abgeräumt... weiter




Tiere in Wien

Mama als Hängematte

20190131Faultier-Baby in der Hängematte namens Mama - © Norbert Potensky Wien. Rund 14 Stunden am Tag dösen die beiden Faultiere Alberta und Einstein im Tiergarten Schönbrunn vor sich hin... weiter






Werbung