Wien. (aum) Als Gigerl - dieser Urwiener Modegeck - hat Kurt Girk seine Karriere begonnen. Als "König von Ottakring" ist er am Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben. Girk war einer der großen Sänger des Wienerlieds. Für seine Verdienste darum wurde er 2012 mit dem Goldenen Rathausmann der Stadt Wien ausgezeichnet. Eigentlich hatte er das Schneiderhandwerk gelernt, das er aber nicht ausübte. Als passionierter Sänger wiederum brauchte er nichts studieren, wie er selbst einmal sagte: "Was braucht man da lernen? Du stellst dich einfach hin und singst."

Girk hatte von Anfang an eine privilegierte Beziehung zur Musik. Schon als Kind sang er gern und zog mit Straßensängern durch Wien. Diese waren jedoch unter dem Austrofaschismus verboten, weshalb er dabei stets vor Denunzianten auf der Hut sein musste. "Der Hitler hat es leicht gehabt", sagte er dazu später. "Die Leute haben ja nur auf einen wie ihn gewartet."

Über den Schlachthof zum Wienerlied

Während seiner Schneiderlehre fiel er der Besitzerin der benachbarten Tanzschule auf. Ob seiner eleganten Erscheinung, bat sie ihn, dort zu tanzen. Seinen Lebensunterhalt bestritt Girk anfänglich als Händler von so ziemlich allem, war dann aber hauptsächlich Eisen- und Schrotttandler. 1950 kam es schließlich zur einschneidenden Begegnung: Heini Criuc war Schlachthofarbeiter in St. Marx und Sänger. Er brachte Girk zum Wienerlied. Zuerst lernte dieser Werke anderer Interpreten, schließlich sang er seine eigenen Lieder.

Seinen ersten offiziellen Auftritt hatte Girk 1953 und sang noch bis in die vergangenen Jahre - etwa beim Wienerlied-Festival "Wean Hean" oder beim Schrammelklang-Festival in Litschau.

Girk war waschechter Ottakringer. Dort wurde er geboren, er wuchs in der Speckbachergasse auf, und verbrachte praktisch sein ganzes Leben im 16. Hieb. Eines seiner berühmtesten Lieder ist "Heimweh nach Ottakring", dort singt er: "I hob Heimweh nach Ottakring, weil do bin i geborn, i hob doch in am anderen Bezirk nix verloren." Eine Einladung nach New York, um im Waldorf Astoria zu singen, schlug der "Frank Sinatra aus Ottakring" - wenig überraschend - aus.

Trotz Widrigkeiten stets positiv und ein "richtiger Sir"

Wenn Girk sang, traf er perfekt die nötige Mischung aus Weinerlichkeit, Gemütlichkeit und Leichtlebigkeit mit einer Prise Humor. Untypisch für einen Wiener raunzte Girk jedoch privat kaum. "Mir ist es eigentlich gut gegangen", sagte er über sein Leben. Der Lungenkrebs, an dem er Ende der 1990er Jahre erkrankte, änderte daran nichts. Und nachdem ihm ein Lungenflügel entfernt worden war, sang und rauchte Girk fleißig weiter.

Auch ein sechsjähriger Gefängnisaufenthalt in der Strafanstalt Karlau konnte Girk die Stimmung nicht vermiesen. Nicht einmal angesichts der Tatsache, dass er bis zuletzt beteuerte, zu Unrecht wegen Komplizenschaft bei einem Postraub verurteilt worden zu sein. In Haft habe er - wie beim Heurigen - wo er gerne auftrat - ausgesteckt und gesungen, erklärte Girk.

"Der König Girk war ein Wiener Original", sagt Manfred Rohrbacher. Der Wiener Schriftsetzer erinnert sich, wie er ihn um die Jahrtausendwende regelmäßig im Kulturcafé Max in Hernals angetroffen hat. Er sei ein Meister des Wiener Schmähs gewesen und "ein richtiger Sir". Denn die Eleganz, die ihn seinerzeit in die Tanzschule gebracht hatte, hat sich Girk stets bewahrt.

"Er ist einer, der sich durchs Leben gesungen hat", beschrieb ihn wiederum sein Wienerlied-Kollege, Sänger und Autor Roland Neuwirth. Noch im Alter von 83 Jahren sagte Girk, dass die Musik sein Lebenselixier sei und er keinerlei Altersbeschwerden verspüre. Das Leben könne für ihn immer so weiter gehen. Das tat es auch, bis es vergangenen Freitag endete.