• vom 06.05.2010, 13:46 Uhr

Stadtleben

Update: 06.05.2010, 13:48 Uhr

Museumsstücke

Ein Stromdieb im Technischen Museum




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Bis in die 1920er Jahre wurde hierzulande in Wohnhäuser nur "Lichtstrom" eingeleitet. Zum Betrieb elektrischer Geräte musste Strom abgezwackt werden.

Seit Oktober 2005 präsentiert das Technische Museum Wien auf beachtlichen 2300 Quadratmetern unter dem Titel "Alltag - eine Gebrauchsanweisung" eine permanente Ausstellung, die den "Selbstverständlichkeiten des Alltags" und ihren technischen Entwicklungen nachspürt. Eines der zahlreichen gezeigten Objekte ist eine Innovation aus der Ära der beginnenden Elektrifizierung: der sogenannte Stromdieb.


"Vor dem ersten Weltkrieg waren die Ansprüche an elektrische Hausinstallationen hierzulande gering", erzählt Christian Stadelmann, der sich als Kustos im Technischen Museum viel mit den elektrotechnischen Pionierleistungen beschäftigt. Der elektrische Strom sei damals noch viel zu teuer gewesen, als dass man damit kochen oder heizen hätte können. Zwar habe es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts schon eine Reihe von Elektrogeräten gegeben, allerdings sei die Anschaffung und der Betrieb für die meisten Menschen viel zu teuer gewesen.

Eine räuberische Innovation

Aus diesem Grund wurde in Wien bis in die 1920er Jahre nur "Lichtstrom" in Privathäuser eingeleitet. "Bei den schwach dimensionierten Leitungen war lediglich daran gedacht, ein paar Lampen im Haus zu speisen, und das auch nicht in jedem Zimmer", so Stadelmann. Abgerechnet wurde der Strom anno dazumal nicht, so wie heute, über einen Zähler, sondern pauschal für die jeweilige Anzahl der in einer Wohnung montierten Lampen.

Das erste elektrische Gerät, das schon vor dem Ersten Weltkrieg eine gewisse Verbreitung gefunden hatte, war das Bügeleisen. Es war im übrigen das erste Elektrogerät, welches - in Serie gefertigt - relativ preiswert angeboten wurde. Allerdings gab es in den Wohnungen anno dazumal noch keine Steckdosen. Abhilfe schuf eine Vorrichtung, die in Wien als "Stromdieb" respektive "Räuber" bezeichnet wurde.

Unerschwingliche Wasserkocher

Es handelt sich dabei um ein Zwischenstück, welches sich in die Lampenfassung einschrauben lässt. Während am unteren Ende die Glühbirne eingesetzt werden kann, bietet der obere Teil zwei Steckdosen, an die ein Bügeleisen und ein Wasserkocher angeschlossen werden konnten. Aber, wie schon erwähnt, konnten sich nur wenige Menschen andere Elektrogeräte leisten, weshalb die zweite Steckdose allgemein nur wenig genützt wurde.

Weil auch nach der Verbreitung dieser Innovation eine geraume Zeit lang der elektrische Strom pauschal - je nach Anzahl der im Haushalt vorhandenen Glühbirnen - abgerechnet wurde, fand der "Stromdieb" häufig im eigentlichen Wortsinn Verwendung.

Alltag - eine Gebrauchsanweisung

Dauerausstellung im Technischen Museum Wien

1140 Wien, Mariahilfer Straße 212

Mo bis Fr 9-18 Uhr;
Sa, So, Feiertag 10-18 Uhr

Tel. (01) 899 98/0, www.tmw.at



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-05-06 13:46:54
Letzte Änderung am 2010-05-06 13:48:00

Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter




Vor Gericht

Der vergessene Patient

Die Tür zum Zimmer von M. stand immer offen, hinein ging die Heimhilfe aber kaum. - © stock.adobe.com Wien. Als die Sanitäter kamen, war Herr M. nicht mehr ansprechbar. Verwahrlost lag er im verschmutzten Bett der Ehewohnung... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Das große Teilen auf der Straße
  2. "Ich bin ein Einzelkämpfer"
  3. Der allerzweckloseste Zweckbau von Pötzleinsdorf
  4. Die Gras-Greißler
  5. Wien soll 2027 Zwei-Millionen-Stadt werden
Meistkommentiert
  1. Wien soll 2027 Zwei-Millionen-Stadt werden
  2. Shoah-Gedenkmauer fix
  3. Nichts zu machen?
  4. Jetzt schon vorweihnachtlich
  5. Zu schnell für den Gehsteig

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Wien

Lichterbaum am Christkindlmarkt

Lichterbaum am Christkindlmarkt Wien. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser haben am Samstagabend am Wiener Rathausplatz mit der...

Fahrrad

"Ich bin ein Einzelkämpfer"

"Ich bin ein Einzelkämpfer" Wien. Vielleicht beginnt man eine Wohnungsbesichtigung bei Michael Strasser am besten am WC. Dort erhält man einen schnellen Überblick darüber...




Werbung