• vom 09.03.2010, 16:46 Uhr

Stadtleben

Update: 09.03.2010, 16:47 Uhr

52-jähriger Steirer wird oberster Beamter im Rathaus - Wichtiges Tandem mit Bürgermeister

"Mächtigster Mann von Wien"




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christian Mayr

  • Kontrollamtschef Erich Hechtner wird ab Juli neuer Wiener Magistratsdirektor.
  • Ein Posten mit enormer Machtfülle im Verborgenen.
  • Wien. Die Entscheidung über den höchsten administrativen Posten der Stadt Wien ist gefallen - und nicht ganz überraschend hat sich der Favorit durchgesetzt: Wie die "Wiener Zeitung" bereits vor einigen Wochen berichtet hat, wird der derzeitige Kontrollamtsdirektor Erich Hechtner neuer Wiener Magistratsdirektor. Der 52-jährige gebürtige Steirer ist die Wahl von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), der seinen Vorschlag dem Stadtsenat am 15. März präsentieren wird; der Kür Hechtners steht damit nichts im Wege.

Erich Hechtner: Neu an der Beamtenspitze. Foto: G. Krieger

Erich Hechtner: Neu an der Beamtenspitze. Foto: G. Krieger Erich Hechtner: Neu an der Beamtenspitze. Foto: G. Krieger

Dem Vernehmen nach gab es nur einen einzigen Konkurrenten um die Nachfolge des in den Ruhestand tretenden Magistratsdirektors Ernst Theimer (63). Letztlich machte der Jurist Hechtner das Rennen, der in den Reihen der Opposition auch deshalb Hochachtung genießt, weil er als durchaus kritischer Kontrollamtschef fungiert; Gerüchten zufolge das mit ein Grund gewesen sein, dass ihn Häupl von seinem bisherigen Posten "weggelobt" hat. Zuvor war Hechtner, der aus seiner SPÖ-Mitgliedschaft kein Geheimnis macht ("Eine private Sache"), mehr als zehn Jahre Leiter der MA63 (Gewerbewesen).


Vor seinem offiziellen Amtsantritt per 1. Juli wollte sich Hechtner nicht über seine neue Aufgabe äußern - unbestrittenes Faktum ist jedoch, dass er eine der Öffentlichkeit großteils unbekannte Machtfülle übertragen bekommt. Er ist nicht nur oberster Herr über eines der größten Beamten-Heere des Landes (mehr als 60.000 Mitarbeiter), sondern in seiner Funktion auch unbefristet bestellt und unabsetzbar. Oder wie es der Verwaltungsrechtler Bernhard Raschauer ausdrückt: "Politiker kommen und gehen. Magistratsdirektoren bleiben."

"Sitzt an Riesen-Orgel"

Der Universitätsprofessor vergleicht die Funktion des Magistratsdirektors gerne mit einem Organisten: "Der sitzt an einer Riesen-Orgel, spielt auf der Tastatur und zieht die Register. Er hält die Fäden im gesamten Verwaltungsapparat und hat eine irrsinnige Macht", erklärt Raschauer. Vergleichbar sei die Situation nur mit den Landesamtsdirektoren in den Bundesländern, wobei Wien quantitativ hervorsteche: "Das ist der mächtigste Mann im Land Wien. Auf Bundesebene gibt es kein Äquivalent auf Beamtenebene." Organisatorisch ist der Magistratsdirektor dem Bürgermeister direkt unterstellt - in der Praxis gebe es einen kurzen Draht zwischen beiden: "Wenn Häupl einen Wunsch hat, ruft er seinen Magistratsdirektor an, der das dann veranlasst. Häupl kann sich auf seinen Parteiapparat konzentrieren, während der Magistratsdirektor ihm den Verwaltungsapparat managt", sagt Raschauer. Wobei die Gesinnung auf diesem Niveau selbstverständlich sei: "Wer es so weit nach oben schafft, hat schon mehrfach seine uneingeschränkte Loyalität bewiesen." Allerdings ist ein gutes Verhältnis zwischen Bürgermeister und Magistratsdirektor eine Grundvoraussetzung für effiziente Abläufe: "Wenn es hier Probleme gäbe, müsste der Bürgermeister sonst einen Parallelapparat aufbauen. Aber die Fälle sind selten", so Raschauer.

In Erinnerung sind etwa noch die vielen Reibungspunkte des Gespanns Helmut Zilk und Magistratsdirektor Josef Bandion. "Bandion war ein Mann von Leopold Gratz - Zilk konnte einfach nicht mit ihm", heißt es aus dem Rathaus. Wenn Bandion etwas blockiert habe, sei dann der Mythos entstanden, der Magistratsdirektor wäre mächtiger als der Bürgermeister. "Aber letztlich bleibt dieser der Chef." Auch wenn er gleich dem US-Präsidenten zu einer "lahmen Ente" mutieren könnte.

Reformen mitgetragen

Keine Reibungsverluste - zumindest nicht nach außen - hat das Gespann Häupl/Theimer in den vergangenen 15 Jahren erkennen lassen; auch ein Grund war wohl, dass sich der damals neue Stadtchef Häupl 1995 seinen Direktor selbst auswählen konnte. Ein anderer Grund liegt im bewusst zurückhaltenden Amtsverständnis von Theimer, der sich selten bis nie öffentlich zu politischen oder administrativen Themen zu Wort meldete.

Der langjährige Sprecher der Magistratsdirektion, Rudolf Gerlich, ist sicher, dass die großen Verwaltungsreformen ohne das starke Tandem Häupl/Theimer nur "schwer vorstellbar" gewesen wären - etwa die Ausgliederungen. "Bei solchen Reformen müssen viele Widerstände überwunden werden. Da müssen beide an einem Strang ziehen."



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-03-09 16:46:45
Letzte Änderung am 2010-03-09 16:47:00

Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter




Vor Gericht

Der vergessene Patient

Die Tür zum Zimmer von M. stand immer offen, hinein ging die Heimhilfe aber kaum. - © stock.adobe.com Wien. Als die Sanitäter kamen, war Herr M. nicht mehr ansprechbar. Verwahrlost lag er im verschmutzten Bett der Ehewohnung... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Vom Cabaret zur Systemgastro
  2. "Ich bin ein Einzelkämpfer"
  3. Lichterbaum am Christkindlmarkt
  4. Das große Teilen auf der Straße
  5. Parkverbot-Zonen für Leih-Scooter
Meistkommentiert
  1. Shoah-Gedenkmauer fix
  2. Wien soll 2027 Zwei-Millionen-Stadt werden
  3. Nichts zu machen?
  4. Jetzt schon vorweihnachtlich
  5. Das große Teilen auf der Straße

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Wetter

Der erste Schnee

Der erste Schnee Wien. Schnee in der zweiten Novemberhälfte im Osten Österreichs ist an sich normal. Am Montag lag eine rund ein Zentimeter hohe, gleichmäßig verteilte...

E-Scooter

Parkverbot-Zonen für Leih-Scooter

Parkverbot-Zonen für Leih-Scooter Wien. Klein, flink, umweltfreundlich - und mitunter störend. Die 3000 zum Verleih angebotenen, elektrisch angetriebenen Tretroller sorgen in Wien für...




Werbung