• vom 18.03.2010, 15:45 Uhr

Stadtleben

Update: 20.08.2017, 17:47 Uhr

Museumsstücke

K. u. k. Ballonbomben auf die Stadt Venedig




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Die Bombardierung der Lagunenstadt mit Wiener Ballonbomben im Sommer 1849 war der erste militärische Luftangriff der Weltgeschichte.

Mario Christian Ortner, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, bei der Präsentation einer 1849 von Franz Uchatius entwickelten Ballonbombe.

Mario Christian Ortner, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, bei der Präsentation einer 1849 von Franz Uchatius entwickelten Ballonbombe.© Martina Lex Mario Christian Ortner, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, bei der Präsentation einer 1849 von Franz Uchatius entwickelten Ballonbombe.© Martina Lex

Sommer 1849: Im Feldzug gegen Venedig war es den österreichischen Truppen nach mehr als einmonatiger Belagerung noch immer nicht gelungen, die Stadt zur Übergabe zu zwingen. Es mangelte an Geschützen mit entsprechender Reichweite, um die Lagunenstadt vom Festland aus zu beschießen. Ein Vorgehen von der Seeseite her war hingegen aus Mangel an Schiffen nicht möglich gewesen.

In dieser Situation wandte sich der Feldmarschall Johann Josef Wenzel Graf Radetzky mit einem Schreiben an das k. k. Kriegsministerium in Wien: "Hauptquartier Verona den 2. Juni 1849. Ich habe in Erfahrung gebracht, daß der Herr Generalmajor von Hauslab eine Erfindung gemacht hat, Luftballons mit Bomben zu schleudern, womit vor seiner Majestät dem Kaiser vollkommen befriedigende Versuche angestellt worden seyn sollen.

Information

Heeresgeschichtliches Museum
1030 Wien, Arsenal, Objekt 1
Täglich 9–17 Uhr
Tel. 01/795 61-0
www.hgm.or.at

Da diese Erfindung bei der im Zuge befindlichen Belagerung Venedig’s, von dessen uns nächsten Ufer wir noch immer 5000 Schritte entfernt sind, und wohin Projectile daher nicht reichen, Nutzen gewähren könnten, so stelle ich an ein hohes Kriegsministerium das ergebenste Ansuchen, mir mit möglichster Beschleunigung alle Mittel an die Hand zu geben, um diese Erfindung, wenn sie sich wirklich bewährte, vor Venedig in Wirksamkeit bringen zu können. Radetzky."

Erfolgreiche Versuche in Wien

Erfunden hatte die Ballonbombe aber nicht der von Radetzky ins Treffen geführte Franz von Hauslab, sondern Franz Uchatius, der gemeinsam mit seinem Bruder Josef Uchatius unter der Leitung Hauslabs mit seiner Erfindung in Wien zunächst experimentiert hatte. Von vier am 15. Mai 1849 auf der Kuppe des Laaerbergs gestarteten Ballons, welche anstelle von Bomben mit Sandsäcken belastet waren, wich nur einer von dem 9,5 Kilometer vom Aufstiegs-ort entfernt abgesteckten Zielpunkt zwischen Mannswörth und Fischamend um mehr als 85 Meter ab.

Die Absprengung der Bombe von dem unbemannten Ballon wurde dadurch erreicht, dass die Aufhängeschnur an einer Stelle durch einen Block Raketentreibsatz lief, zu dem eine langsam abbrennende Zündschnur führte, die geschulte "Bombardierer" vor dem Hochlassen des Ballons entflammten.

Schon bald nach den erfolgreichen Tests traf Radetzkys Anforderungsschreiben ein. Allerdings hatte der Erfinder Franz Uchatius ausgesprochenes Pech, denn als er mit seinen Ballonbomben bei Venedig eintraf, waren die herrschenden Luftströmungen für Ballonaufstiege überaus ungünstig.

Psychologische Wirkung

Da wegen der bestehenden Windverhältnisse ein Start vom Festland aus nicht möglich war, wurden die Ballone auf den Raddampfer "Vulkan" verfrachtet, um sie von der Seeseite aus starten zu lassen. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch am 29. Juni 1849 explodierte die erste von einem Ballon getragene Bombe am 2. Juli in Murano. Obwohl auch weitere erfolgreiche Bombenabsetzungen gelangen, war der Aktion wegen Schlechtwetter und ungünstigen Winden letztlich kein allzu großer Erfolg beschieden.

Angeblich hatten die Bomben zwar eine gewisse psychologische Wirkung auf die Venezianer ausgeübt, jedoch erfolgte am 2. August 1849 die Kapitulation Venedigs aus anderen Gründen.

Print-Artikel erschienen am 18. März 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-03-17 15:45:49
Letzte Änderung am 2017-08-20 17:47:43

Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter




Vor Gericht

Der vergessene Patient

Die Tür zum Zimmer von M. stand immer offen, hinein ging die Heimhilfe aber kaum. - © stock.adobe.com Wien. Als die Sanitäter kamen, war Herr M. nicht mehr ansprechbar. Verwahrlost lag er im verschmutzten Bett der Ehewohnung... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Parkverbot-Zonen für Leih-Scooter
  2. Der erste Schnee
  3. ÖVP gegen neue Widmungskategorie geförderter Wohnbau
  4. "Ich bin ein Einzelkämpfer"
  5. Die Gras-Greißler
Meistkommentiert
  1. Wien soll 2027 Zwei-Millionen-Stadt werden
  2. Shoah-Gedenkmauer fix
  3. Jetzt schon vorweihnachtlich
  4. Nichts zu machen?
  5. Lichterbaum am Christkindlmarkt

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Wetter

Der erste Schnee

Der erste Schnee Wien. Schnee in der zweiten Novemberhälfte im Osten Österreichs ist an sich normal. Am Montag lag eine rund ein Zentimeter hohe, gleichmäßig verteilte...

E-Scooter

Parkverbot-Zonen für Leih-Scooter

Parkverbot-Zonen für Leih-Scooter Wien. Klein, flink, umweltfreundlich - und mitunter störend. Die 3000 zum Verleih angebotenen, elektrisch angetriebenen Tretroller sorgen in Wien für...




Werbung